Antidepressiva? Danke, für mich nicht!

Mein Serotonin braucht keine synthetischen Pharmazeutika

Nicht schon wieder. Sie haben vielleicht meinen Artikel gelesen über Heilpilze gegen Familienstress? Meine Therapeutin kannte diesen Artikel nicht. Ich leiste mir eine Psychotherapeutin, sie zelebriert mit mir die Familienaufstellung. Stammbaum-Analyse, bis zu den Urgroßeltern. Sie kennen das vielleicht.
Meiner Therapeutin fiel auf, wie müde ich bin und eingeschränkt ich mich fühle in meinem Aktionsradius, wegen des familiären Traumas rund um meine verstorbene Mutter. „Vielleicht sollten Sie zum Arzt gehen?“, meinte sie.

„Ich BIN in ärztlicher Behandlung“, entgegnete ich, meine Internistin in Erinnerung bringend. Doch die Therapeutin fand, ich solle vielleicht den Gang wagen zum Psychiater. Er könne mir Antidepressiva verschreiben, glaubte sie, dann wäre ich vielleicht munterer. Ich lehnte dankend ab. Denn ich brauche keine synthetischen Medikamente, um mein Glückshormon namens Serotonin zu pushen. Ich behelfe mir mit orthomolekularer Medizin.

Die Psychotherapie zielt darauf ab, meine Familienverhältnisse zu durchleuchten, um Stressoren besser zu verarbeiten. Mein Cortisol ist außer Rand und Band. Ich hatte und habe aber kein Problem mit Serotonin. Ich leide stressbedingt an Problemen mit anderen Hormonen und Neurotransmittern, mit Adrenalin, Progesteron, Histamin. Aber mein Serotonin ist ganz in Ordnung. Das hätte die Therapeutin eigentlich merken müssen. Denn ich bin nicht ausgeprägt traurig. Ich bin nicht weinerlich, ich bin nicht ängstlich, ich bin nicht aggressiv, ich habe keine Schmerzen. Doch sie ist keine Ärztin, auch keine Biochemikerin oder Wissenschaftlerin. Die Therapeutin kann die körperlichen Symptome nicht unterscheiden, die ihre PatientInnen ihr in die Praxis tragen. Erschöpfung ist für sie gleichbedeutend mit Serotoninmangel, wenngleich das nur manchmal zutrifft.

Mein Serotonin-Spiegel wird liebevoll gepflegt von mir, mithilfe von natürlichen Komponenten in meiner Nahrung und milder Nahrungsergänzung. Ich brauche keine synthetischen SSRI, keine selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Im Gegenteil, sie wären für mich sogar gefährlich. Da mein Serotonin-Spiegel im Körper in Ordnung ist, würden SSRI zu schweren Nebenwirkungen führen können.

Solche fiesen Nebenwirkungen habe ich schon einmal erlebt. Psychiater sind weder Biochemiker noch Pharmakologen. Nicht viele von ihnen kennen genau die Wirkungsweisen der Medikamente, die sie verschreiben. Sie haben einen Symptomkatalog. Danach probieren aus, was laut Lehrbuch passen könnte und kombinieren nach Herzenslust. Ein Psychiater hat mir vor Jahren SSRI verordnet gegen ein vorgebliches „Burnout„. Nach der ersten Einnahme ging es mir so schlecht, oh mann, Sie können sich das gar nicht vorstellen. Alles kribbelte, alles war überdreht, ich hatte Panik. Der Psychiater gab mir Benzodiazepine zur Beruhigung und halbierte die Dosis der SSRI. Gewirkt haben sie nicht gegen mein „Burnout“, die Antidepressiva. Eines nach dem anderen bekam ich verschrieben. Ich hatte davon zwar Tausend Nebenwirkungen, einschließlich saftende Pickel im Gesicht und Durchfall im Bauch (Serotonin regt die Darmperistaltik an). Aber besser wurde meine Antriebslosigkeit nicht davon.

Mein Problem damals saß im Darm. Ich hatte psychische Stress-Symptome bekommen durch schwere Antibiotika. Die Antidepressiva machten alles noch schlimmer. Doch das fiel damals noch niemandem auf. Heutzutage hat sich schon herumgesprochen, wie oft vorgeblich psychische Probleme im Darm sitzen können. Aber immer noch kommen viel zu wenige Menschen auf die Idee, lieber eine Darmsanierung anzugehen, anstelle langfristig Antidepressiva einzunehmen.

Ich spüre es, wenn mein Serotonin zu niedrig ist. Ich spüre es durch Gefühle, die ich normalerweise nicht habe, so lange mein Serotonin-Spiegel normal bis hoch liegt zwischen den Synapsen. Meistens geht schlechte Stimmung Hand in Hand mit dem Genuss von Zucker, denn ich leide an einer leichten Fruktose-Intoleranz, immer noch antibiotikabedingt. Sobald ich ein bisschen zu viel „normalen“ Zucker esse, zieht mir die Fruktose mein L-Tryptophan durch Nahrung aus dem Darm. Dann kann es passieren, dass ich ganz komische Gedanken entwickle. Aber dessen bin ich mir bewusst. Dann brauche ich keine Antidepressiva, sondern die Vorstufe von Serotonin als Nahrungsergänzungsmittel: 5-HTP, 5-Hydroxytryptophan.

Damit Serotonin im Gehirn gebildet werden kann, muss sich der Körper ein bisschen anstrengen. Wir haben eine Barriere zwischen Körper und Kopf. Sie heißt Blut-Hirn-Schranke. Diese Schranke ist sehr wichtig, um das Gehirn zu schützen vor Schmodder aller Art. Aber sie ist auch hemmend, auf Serotonin ebenso wie auf seine Vor-Vorstufe Tryptophan. Nichts davon kommt an im Kopf, selbst dann nicht, wenn der Körper genug davon hat.

Damit im Kopf Serotonin entstehen kann, brauchen wir die Serotonin-Vorstufe 5-Hydroxytryptophan, 5-HTP, die der Körper bilden kann aus L-Tryptophan in Verbindung mit mehreren Cofaktoren. L-Tryptophan ist enthalten in vielen Lebensmitteln, der Körper kann es über den Darm aufnehmen. Cashewkerne sind reich an Tryptophan, Kakao, Gojibeeren, Eier, Fleisch, Fisch, Datteln, Avocados … daran sollte kein Mangel herrschen, sobald Sie sich einigermaßen gesund ernähren. Doch Vorsicht! Fruktose kann Ihnen im Darm Ihr Tryptophan klauen aus Ihrer Nahrung. Im Zweifel also auf Fruktose bitte verzichten.

L-Tryptophan aus Nahrung wird für viele Stoffwechselvorgänge gebraucht im Körper, nicht nur für die Serotonin-Synthese. Nur ein kleiner Teil davon wird umgewandelt in 5-HTP unter Verwendung von Magnesium, Eisen, Vitamin D und B-Vitaminen. Haben Sie schon einmal eine junge Mutter gesehen mit postnatalen Depressionen? Hier erleben Sie potenziell psychische Symptome von Serotonin-Mangel in ausgeprägter Form durch Mängel an L-Tryptophan-Cofaktoren: Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel, Mängel der Vitamin B Familie, Mängel an Elektrolyten im Körper einer jungen Mutter, die neun Monate lang ein Baby wachsen ließ unter Verbrauch ihrer eigenen Ressourcen.

Nur 5-HTP kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Im Kopf wird es umgewandelt in Serotonin mithilfe von Vitamin B6. Achtung Mangel! Falls Sie an HPU leiden, oder häufig in Kontakt kommen mit Farben, Lacken, Pestiziden bzw. anderen Umweltgiften, ist ein Vitamin B6 Mangel vorprogrammiert. Denn der Körper verbraucht dieses lebenswichtige Molekül für die Entgiftung. Im Zweifel lassen Sie bitte einen Bluttest machen auf Vitamin B6 Mangel.

Bei mir lag ein solcher Mangel vor. Ich bemerkte es, als ich unerwartet an Bluthochdruck litt und deshalb meinen Vitaminstatus testen ließ. Seither substituiere ich Vitamin B6 regelmäßig. Dafür verwende ich P-5-P (Pyridoxal-5-Phosphat) als metabolisch aktive Coenzym-Form des Vitamin B6. Diese muss nicht erst vom Körper aufbereitet werden, um L-Tryptophan umwandeln zu können, in Serotonin.

Wenn ich also dieses weinerliche Gefühl habe, dieses traurig-sein ohne Grund, diesen ängstlichen „alles geht schief“ Pessimismus, diese „lasst mich doch alle in Ruhe“ Stimmung, dieses aggressive „geh scheißen, Dreckskerl“ Gegrummel, nehme ich 5-HTP ein als Nahrungsergänzungsmittel, zusammen mit P-5-P. Schnell ist bei mir dann alles wieder gut, innerhalb weniger Stunden.

So hebe ich mein Serotonin an, mit diesen beiden Nahrungsergänzungsmitteln. Leider kann ich deswegen noch lange nicht gut schlafen. Denn Serotonin wird am Abend umgewandelt in das Schlafhormon Melatonin unter Verwendung der Cofaktoren Zink und Magnesium. Leiden Sie an Zinkmangel? Dann können Sie vielleicht auch nicht gut schlafen? Im Zweifel bitte testen.

Zink braucht der Körper ebenso wie Vitamin B6 für die Entgiftung. Wenn Sie in einem umwelttoxisch belasteten Umfeld leben (und wer tut das heutzutage nicht?), kann es Ihnen leicht passieren, dass Ihr Zink den Bach hinuntergeht, sprichwörtlich. Dann haben Sie zwar genug Serotonin, sind munter und fröhlich. Aber Einschlafen fällt Ihnen schwer. So manch ein Arzt kommt dann mit Rezeptblock und Schlafmitteln. Damit betäuben Sich sich nur, Sie schlafen dadurch nicht besser. Mir hat ein Arzt einmal Chloraldurat verschrieben, als ich Einschlafstörungen hatte. Die Nebenwirkungen waren beträchtlich – Herzklopfen und Durchfall inklusive.

Zink und Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel können helfen, Serotonin am Abend umzuwandeln in Melatonin. Das funktioniert aber nur bei einer gut arbeitenden Zirbeldrüse. Die Zirbeldrüse sitzt im Gehirn. Sie kann leicht verstopfen. Fluoride (Achtung, Zahnpasta!) beispielsweise hemmen die Tätigkeit der Zirbeldrüse. Wenn diese nicht mehr richtig arbeitet, ist Melatonin-Mangel vorprogrammiert.

Ebenso wichtig für die Melatonin-Synthese ist SAM, S-Adenosylmethionin. Das ist ein ein Methyldonor. Seine biochemische Herkunft ist ein bisschen kompliziert. Mein Hausarzt hat mir vor Jahren SAM aufgeschrieben als Nahrungsergänzungsmittel. Er meinte, ich solle probieren, ob es mir gut tut. Ich habe aber nichts gespürt durch die Einnahme, deshalb habe ich SAM nicht lange verwendet. Doch jeder Mensch ist unterschiedlich. Was bei mir nicht wirkt, hilft vielleicht bei Ihnen wunderbar?

Zur Förderung von Schlaf nehme ich stattdessen manchmal Melatonin ein als Nahrungsergänzungsmittel. Melatonin ist nicht nur ein Schlafhormon, sondern auch ein potentes Antioxidans. Melatonin beruhigt die Magensäure und hilft sogar gegen Arthrose. Aber Vorsicht, wenn Sie die Einnahme auch probieren wollen. Ich taste mich in der Dosis ganz langsam heran. Wenn ich davon zu viel erwische, bin ich am nächsten Morgen benommen bis gerädert. Melatonin wird in der Früh umgewandelt in Serotonin. So ist Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel ein zweiter Weg, um Serotonin im Kopf anzuheben, denn Melatonin überwindet die Blut-Hirn-Schranke ebenso gut wie 5-HTP.

Um Melatonin aus dem Kopf zu verdrängen und stattdessen putzmunter zu werden, brauchen wir Cortisol als Melatonin-Gegenspieler. Wenn mein Cortisol aus dem Gleichgewicht gekommen ist durch Dauerstress, funktioniert dieser Wecker manchmal nicht mehr. Dann greife ich zu Heilpilzen, um morgens in die Gänge zu kommen.

Bitte beachten Sie: Auch in der orthomolekularen Therapie kann man Nahrungsergänzungsmittel überdosieren. Vitamin B6 und Zink sollten nicht hemmungslos eingenommen werden ohne vorherige und regelmäßige Tests. Denn Zink ist ein Schwermetall, es wirkt bei chronischer Überdsierung toxisch. Auch Vitamin B6 in Form von P-5-P kann bei Überdosierung Nervenschäden auslösen, die sich ähnlich anfühlen, wie Serotoninmangel.

Falls Sie bereits Antidepressiva einnehmen, können Sie sich gerne inspirieren lassen von meinen natürlichen Wegen der Serotonin / Melatonin Balance. Aber bitte probieren Sie das nicht selbst aus, ohne therapeutischen Beistand. Denn in Ihren Synapsen ist durch die Antidepressiva alles ein wenig anders gelagert. Da sollten Sie nicht eigenständig experimentieren mit Nahrungsergänzungsmitteln, damit Sie keinen Serotonin-Schock bekommen.

Wie geht es Ihnen mit Ihrem Serotonin / Melatonin Rhythmus? Was halten Sie von pharmazeutischen Antidepressiva? Bitte hinterlassen Sie gerne einen Kommentar!

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