Bio Lebensmittel in Teneriffa

Kurzversion:

Teneriffa ist ein beliebtes Urlaubsziel für bewusste Touristen, die sich gesund und in bio Qualität ernähren möchten. Lesen Sie Geschichten über beste bio Lebensmittel der Insel.

Teneriffa – der Name verspricht regionale Lebensmittel in bester Qualität. Vulkane ließen diese fruchtbare Atlantikinsel durch abertausende Schichten von Lavaströmen entstehen. Mineralstoffreiche Biomasse entstand unberührt von Menschen. Eisen und Magnesium, Silizium und Kalium nähren Wälder und Wiesen. Die Luft Teneriffas ist glasklar und frisch, stets sauber geweht von frischem Wind des Atlantik.

Teneriffas Quellen

Über Teneriffa wacht der Vulkan Teide als höchster Berg Spaniens. Er ist durchaus noch aktiv – sein letzter Ausbruch fand erst im Jahr 1909 statt. Die steilen Hänge des Teide „melken“ Wolken, die über dem Meer aufsteigen. So ist Teneriffa die einzige Insel der Kanaren, die eigenes Quellwasser aufweisen kann. Feuchte Nebel kommen aus dem einzigartigen Wolkenring, der die Insel tagtäglich umgibt. Er tränkt Nutzpflanzen im fruchtbarsten Teil der Insel.
Feinstes Wasser wird auf Teneriffa aus gebirgigen Trinkwasserstollen gewonnen. Diese so genannten „Galerias“ bewässern die Felder der Insel. Gemeinden bestellen Wasserbeauftragte, sie sorgen in Dörfern für öffentliche Brunnen mit klarem Stollenwasser.

„Wasser ist Gold!“ Antonio ist bio-Landwirt. Er bewässert seine Felder durch Anteile an regionalen „Galerias“ – privat gegrabenen Wasserstollen im Vulkangestein.

Die vier Klimazonen von Teneriffa

Sonne scheint im äquatornahen Biotop Teneriffa reichlich das ganze Jahr. Sie lässt subtropisches Klima zu. Auch im Winter bleiben die Temperaturen im europäischen Vergleich sommerlich. Dabei wird es auch im Sommer niemals wüstenhaft heiß. Der Atlantik lindert die Äquatornähe und hält die Luft auf angenehmem Niveau. Bananen gedeihen neben Granatäpfeln, Karotten flirten mit Basilikum. Äpfel umschwärmen Mangos, während wilde Kaktusfrüchte die Küsten bebildern.
Flora und Fauna profitieren auf Teneriffa von vier Klimazonen. Die Höhenstufen von Küste bis Gipfel ermöglichen Vegetation von Wüste bis Schneegrenze. In den Küstenregionen florieren Wüstenblumen. Die Höhenlagen des Teide lassen würzige Kräuter sprießen. Teneriffa hat die allerbeste Voraussetzung für gesundes bio-Leben.

Bio-Grünkohl auf ‚Teneriffa. Er wächst bei guter Pflege mehrere Meter hoch.

Bio-Leben auf Teneriffa als Pauschaltourist

Der klassische Ferien-Tourismus auf Teneriffa bringt nicht nur Gutes. Die Südküste der Insel gleicht über Landstriche wüsten Schutthaufen – Hotelbunker und Industrieanlagen haben die Natur zerrissen. Strände werden künstlich aufgeschüttet. Mit Pollern werden sie verbarrikadiert. Die Erholungssoldaten wollen nicht weggespült werden von den Brechern des Atlantik. Leitungswasser muss zum Schutz der erholungsjagenden Urlauber gechlort sein. Man kann es zwar trinken, doch dürfte es gesundheitlich bedenklich sein. Trinkwasser in Plastik-Kanistern kauft man im regionalen Supermarkt.

Ernährt werden Pauschal-Urlauber mit Instant-Verpflegung vom Festland: Irischer Plastikcheddar trifft Dosenbohnen. Fries aus dem Freezer füllen die Teller, wattige Sandwiches treffen den Geschmack der Pauschalarmee. Das Frühstücksbuffet im Hotel bietet englische Wurst neben fettigen Pancakes und aufgebackenen Muffins. Überfüllte Mülltonnen sammeln sich in versteckten Höfen hinter den Hotels.

Wilde Katzenbabies in Teneriffa
Wilde Katzenbabies sonnen sich auf Mülltonnen hinter einer Wohnanlage. Ihre Mutter stöbert währenddessen im Abfall nach reichhaltigen Fischresten.

Als Urlauberin wohnte ich vier Wochen lang in einer Ferienanlage. In meinem Appartement stand mir eine Küche zur Verfügung. Ich wollte mich individuell verpflegen, mit regionalen Produkten kochen. Doch wo würde ich hochwertige kanarische bio Lebensmittel finden? Im Supermarkt suchte ich nach bio-Produkten zumeist vergeblich. Wo gab es auf Teneriffa zuverlässige Bio-Farmen? Gibt es bio-Läden, regionale bio-Produkte und vertrauenswürdige ökologische Landwirtschaft? Kann man sich von wilder Natur ernähren?
Für Sie, liebe Leserinnen und Leser, machte mich auf die Suche nach den bio-Schätzen dieses schwarzen Naturwunders.

Einheimische bio Lebensmittel

Mein erster Informant in Sachen Biospionage ist Rezeptionist Manuel. Seine Eltern stammen aus Teneriffa. Geboren ist Manuel aber in Deutschland. Sein Vater arbeitete hart in Frankfurt. Als dieser in Rente ging, kehrte er mit Frau und Kindern nach Teneriffa zurück. Manuel kennt beide Welten in- und auswendig. Als gute Seele am Empfang in unserem Hotel ist er der perfekte Vermittler zwischen den Kulturen. Mit seiner Familie lebt Manuel im Norden, in einer ländlichen und wenig touristischen Region Teneriffas. Kaufen die Einheimischen bio Produkte?

Privater bio Honig

„Wir kaufen kein bio, wir machen bio!“ Manuel lacht verschmitzt. In seinem Dorf baut fast jede Familie etwas an für den sonntäglichen Mercadillo. Sein Schwager hat Bienen. Zwar leidet dieser an einer Allergie gegen Bienenstiche. Doch die hält ihn nicht ab von seinem kleinen Business. Gegengift hat er immer im Schrank, für den Notfall. Er gewinnt bio Honig von kräuterreichen Wiesen seines Dorfes. Das würde er sich auch durch nichts in der Welt verbieten lassen.

Rezeptionist Manuel bringt mir privaten Teneriffa Bio-Honig ins Hotel. Sein Schwager hat einen Bienenstock.

Manuel bringt mir ein halbes Kilo Familienhonig ins Hotel. Die lavaflüssige Köstlichkeit ähnelt farblich dunklem Kiefernharz. Der Honig duftet nach ätherischen Ölen. Würzig schmeckt er, der Teneriffahonig, mit zartbitterer Note. Ich kann bei Manuel gerne Honig bestellen, versichert er mir. Seine E-Mail Adresse hat er mir dafür aufgeschrieben. Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar am Fuße des Artikels, dann verrate ich Ihnen, wie Sie Manuel erreichen.

Wilde Kaktusfeigen

Manuel hat Kaktusfeigen in einer Plastiktüte mitgebracht. Wie Unkraut wuchern eingebürgerte Opuntien mit zentimenterlangen Stacheln in küstennahen Lagen. Die Kaktusfelder sind überreich an Früchten. Jeder Tourist mit Schutzkleidung kann sie vorsichtig pflücken. Pieksen die Früchte nicht? Manuel kennt einen Trick, den hat er von seiner Mutter gelernt: Die Kaktusfrüchte muss man nach dem Pflücken mit einem „Hexenbesen“ hin- und herrollen. So brechen die Stacheln ab. Schmerzfreier Genuss wird möglich.

Wilde Opuntien mit reichen Früchten in Teneriffa
In Teneriffa wuchern Opuntien wild. Ihre Kaktusfeigen kann man pflücken und essen – sie sind sehr süß und reich an Antioxidantien. Aber Vorsicht! Die Stacheln der Kakteen sind sehr lang und hart!

Bio Aloe Vera als Nutzpflanze

Manuels Mutter kennt noch mehr kanarische Hausmittel: Aloe Vera wächst wild auf Teneriffa. Die Pflanze ist eingebürgert, ihr Gel ist eine typisch kanarische Spezialität. Die Blätter der Aloe werden der Länge nach aufgeschnitten. Das Gel daraus wird direkt auf die Haut gerieben. Es lindert Sonnenbrand und beschleunigt Wundheilung.

Privater bio Anbau

Manuels Vater hat einen Garten. Er baut Kartoffeln an und Gemüse. Zu viel nur für die Familie. Was er übrig hat, kommt in die Regale vom Supermercado des Dorfes. Auch getauscht wird unter den Dorfbewohnern, denn fast jede Familie betreibt privaten, naturbelassenen Anbau. Den alten Geräteschuppen hat der Vater einem Nachbarn vermietet – für einen Ziegenkäse pro Monat.

Bio Ziegenkäse ohne Zertifikat

Frischen Ziegenkäse kann mir Manuel auch besorgen, versichert er, von einem Nachbarn. Kuhmilchprodukte leider nicht. Früher, da hatte fast jede Familie im Dorf ein bis zwei Kühe. Mit den EU-Regulatorien wurde das zu kompliziert. Ohrmarken, Impfungen, Kosten für den Tierarzt, Naturschutz … die Nachbarn haben ihre Kühe weggegeben. Milchkühe gibt es noch auf der Insel, in Santa Ursula. Manuel erinnert sich an einen Bauern, er beliefert die örtliche Molkerei für Käse. Den bekommt man im Supermercado. Frische Kuhmilch? Vielleicht sogar bio? Manuel kennt niemanden, der so etwas verkauft.

Kanarische Milchprodukte

Ziegen und ihr Käse funktionieren in Teneriffa wie Tauschwährung. Eindrucksvoll lerne ich die Macht von Käse in einer gesunden Dorfgemeinschaft kennen. Carmen kam vor einigen Jahrzehnten mit ihrem Mann aus La Gomera nach Teneriffa. Sie versorgte die ganze Region mit Ziegenkäse von frei weidenden Tieren. Seit dem Tod ihres Gatten kümmert sie sich allein um rund hundert Ziegen. Als verspielte Herde mit Mutter, Vater und vielen Zicklein leben sie in einer Koppel auf Lavaerde. Weidehaltung auf den Hängen des Teide geht leider nicht mehr, große Regionen von Teneriffa stehen heute unter Naturschutz.

Ziegen auf Teneriffa in einer Koppel aus Lavaerde
Carmens bunte Ziegenfamilie führt ein glückliches Leben in einer bunten Koppel aus Lavaerde. Die alten Badewannen sind Spielzeug für die Ziegen.

Unterstützt bei ihrer Arbeit wird Carmen von Nachbarn und manchmal auch ihren Kindern. „Mir tut alles weh“ klagt sie, auf ihren schmerzenden Rücken zeigend – „nur die Zunge nicht“. Carmen lacht laut. In ihrer winzigen Molkereibaracke neben der Ziegenkoppel macht sie täglich frischen Käse. Bis zu zehn Laibe gewinnt sie aus der Milch. Mit einer Krücke schleppt sie die frischen Käse in einen kleinen Laster und fährt damit zu ihrer Wohngarage.

Es warten schon sieben Nachbarn, als Carmen aus dem Auto humpelt. Neben ihrem Wohnhaus hat sie eine Garage als Wohnküche, Käseladen, Cafeteria, Lagerraum und soziokulturellen Treffpunkt eingerichtet. Ich fühle mich willkommen geheißen in einem Gesamtkunstwerk. Carmen öffnet ihr Refugium, alle sind willkommen. Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen – mit einem guten Schuss euterfrischer Ziegenmilch. Carmen kocht sie in einem alten Milchtopf – die gelbe Kruste am Rand ist schon zentimeterdick. Feierlich öffnet Carmen ihren Käsekühlschrank. Stück für Stück reibt sie die Frischkäselaibe liebevoll trocken. Sie werden in Küchentücher verpackt, bevor sie einzeln in Plastiktüten wandern. Jeder Besucher darf einen Käse kaufen. Ob Carmen auch für mich einen hat? Oh je, nein, alle Käselaibe sind vorbestellt. Wirklich? Alle?

Kanarischer Ziegenkäse, echte Handarbeit von Carmen auf Teneriffa.
Stolz zeigt mir Carmen zwei große, frische Käselaibe. Sie hat alles selbst gemacht – die Ziegen hat sie gemolken, die Milch verarbeitet, den Käse in Formen gepresst … jetzt tut ihr Rücken weh. Tapfer lässt sie sich die Schmerzen sich für das Foto nicht anmerken.

Ich bitte um ein Glas Frischmilch. Carmen macht große Augen. „Crudo?“ Fast ängstlich blickt sie in die Runde. Jemand will freiwillig rohe Ziegenmilch trinken, das erscheint unheimlich für sie. Nickende Köpfe geben den Anstoß: Carmen schenkt mir eine Tasse euterwarme Milch ein. Sie schmeckt köstlich süß und sahnig. Sie macht fröhlich. Ein bisschen Zickleinspucke schwimmt noch darin. Das regt Glückshormone an.

Ob das denn Biomilch ist, will ich gerne wissen. Naja, fast. Den Ziegenmist liefert Carmen an Biobetriebe, als Dünger. Sie bekommt im Gegenzug übrig gebliebenes Grünzeug. Carmen füttert ihre Ziegen aber auch mit Bananen vom Nachbarn ohne bio-Zertifikat. Es gibt Probleme mit Grünfutter. Der Regen wird schon seit Jahren immer weniger. Carmen bekommt zu wenig frische Grünpfanzen für die Ziegen. Sie muss Getreide zufüttern. Das ist nicht bio. Die Ziegen haben deswegen auch weniger Milch.

Zum Abschied bekomme ich doch einen halben Ziegenkäse. Er schmeckt sehr frisch und fein. Ein Hauch Chlor bleibt auf der Zunge. Teneriffa und Chlorreiniger, das ist eine Liebesgeschichte. Fast scheint das Aroma zum guten Geschmack der Insel zu zählen. Sauberkeit und Hygiene stehen ganz weit oben im sozialen Ansehen. Sobald Carmen ihre frische Milch zu Käse verarbeitet hat, wird alles peinlichst gereinigt. Kommen so kleine Reste vom Chlorreiniger in den Käse? Niemanden stört es.
Carmens Adresse darf ich in meinem Artikel nicht verraten. Sie hätte sowieso keinen Käse für Touristen – ihre rare Ware geht restlos in die Dorfkultur ein.

Carmens kreativ gestaltete Ziegenfarm ist tierfreundlich und ressourcenschonend gleichzeitig. Doch leider hat Carmen keine Nachfolger. Ihre Kinder interessieren sich nicht sehr für die schwere Arbeit. Immer wieder hat Carmen schon angekündigt, dass sie ihre Ziegen verkaufen wird. Wo werden die Tiere unterkommen, wenn Carmen eines Tages die gewichtigen Käselaibe nicht mehr tragen kann?

Ziegenmilchprodukte für Touristen

Größere Mengen Ziegenkäse, geräuchert, frisch oder gewürzt, verkauft die Käserei Montesdeoca. Touristen finden ihre Verkaufsstände in den Markthallen von Adeje und Valle San Lorenzo. Frische, ungekochte Milch bekommt man ab Hof in Tijoco Bajo. Achtung, der Anfahrtsweg führt steil bergauf!

Der Ziegenstall des Milchhofs Montesdeoca erscheint weniger komfortabel als das Ziegengatter von Carmen: Die Zicklein leben getrennt von den Muttertieren, der Boden ist aus Beton, Spielzeug fehlt. Dafür ist aber der Vertrieb der Milchprodukte wesentlich professioneller organisiert. Montesdeoca Produkte kann man auch als Tourist erwerben, in Markthallen und guten Lebensmittelstores.

Die Montesdeoca-Produkte sind nicht bio-zertifiziert. Daniel ist Betreiber in dritter Generation. Würde er zertifiziertes Biofutter kaufen und seinen Betrieb zertifizieren lassen, müssten die Milchwaren teurer werden. Sie wären dann zu teuer für die Einheimischen. Es würde zu Umsatzeinbrüchen kommen. Die Preise der Käserei sind sowieso schon im oberem Niveau angesiedelt: Drei Euro für einen halben Liter Joghurt, zwei Euro für ein Päckchen Ziegenbutter – in Deutschland sind Ziegenmilchprodukte auch im Biosegment nicht teurer. Höhere Preise sind nicht im Sinne des Unternehmens und auch nicht im Sinne der Kunden. Auf bio legen die Einheimischen nicht sehr viel Wert. Es sind eher die Extranjeros, die nach bio fragen.

Frischmilch von Montesdeoca schmeckt sehr gut – sie ist bestens verträglich. Nach „Ziege“ schmeckt sie kaum. Ich kaufte mehrere Liter, trinke Milch ungekocht, nie bekomme ich Durchfall. Sie ist bestens haltbar. Erst nach einer Woche im Kühlschrank wird die Milch säuerlich. Sie schmeckt dann sogar noch besser. Flüssig, leicht spritzig, mit einem Löffel von Manuels Honig, ist die saure Ziegenmilch ein köstlicher Frühstücksdrink. Sind etwa Antibiotika in der Milch die Ursache für ihre gute Haltbarkeit? Daniel versichert, seine Ziegen bekommen gar keine Antibiotika. Der Einsatz von Medikamenten ist in Teneriffa wohl streng reglementiert. Man muss Buch führen über die Antibiotika und einen Tierarzt beiziehen. Das lohnt sich gar nicht für ihn. Sind es nicht vielmehr die gesunden Bakterien in der rohen Milch, die sie vor einem „Umkippen“ durch schlechte Keime schützen?

Daniels Ziegen bekommen Mischfutter: Abfälle von Biofarmen, Kräuter von Teneriffa, Heu und Getreide vom Festland. Montesdeoca Ziegen leben in einem halboffenen Pferch mit Betonboden. Die Zicklein werden getrennt von den Müttern gemästet. Ihr helles Meckern hallt herzzerreissend über den Hof. Zicklein, das ist ein Festessen in Teneriffa, ein traditioneller Weihnachtsbraten.

Bio Milchprodukte im Laden

Während meines Urlaubs ist es mir leider nicht gelungen, frische bio-Milch oder bio-Milchprodukte auf Teneriffa zu finden. Weder von der Kuh, noch von der Ziege, schon gar nicht von raren Kamelfarmen. Einige Reformhäuser, auch „Herbolario“ genannt, führen bio zertifizierte H-Milch aus Deutschland.

Die kanarische bio Milchalternative

Die beste vegane Milch-Alternative aus Teneriffa ist das milchige Getränk Alpiste. Der Auszug von Kanariengras-Samen schmeckt weich und ein bisschen ölig. In Deutschland ist diese vegane Milchalternative unbekannt. Hierzulande verwenden wir Alpiste Samen nur als Tierfutter für Kanarienvögel. In Spanien jedoch hat man Alpiste entdeckt als gesunde und glutenfreie Alternative zu Hafer. Alpiste-Drinks im Tetrapack bekommen Sie in ausgewählten Reformhäusern.

Alpiste Körner, glutenfrei. Man kann sie ähnlich wie Hafer verarbeiten – als Getreidebrei, vegane Milchalternative oder auch gekocht als Beilage.

Der Bioladen in Teneriffa

Was man in Deutschland als Reformhaus kennt, heißt auf Teneriffa „Herbolario“, sinngemäß Kräuterladen. Typischerweise ist ein Herbolario privater Einzelhandel, betrieben meist von medizinisch versierten Frauen. In Herbolarios findet man individuell sortierte verpackte Ware: Tee, Kaffee, Gewürze, Öle Nahrungsergänzung. Dazu Säfte, Marmeladen, selten eine Kühltheke mit Margarine neben Tofu-Produkten. Frische bio Ware ist in Herbolarios rar.

La Botika de la Salud in Los Christianos - Inhaberin Tere mit Melone im Arm.
Inhaberin Tere steht jeden Tag selbst in ihrem kleinen Tante-Emma Bioladen in Los Christianos. Ihr Produktportfolio ist so bunt wie sie: Himalayasalz und Naturkosmetik, Alpiste Körner und veganer Streichkäse, Bio Gemüse und frische Landeier.

Einen bio Tante Emma Laden, ähnlich zu privaten Bioläden in Deutschland, habe ich bisher nur in Los Christianos entdeckt. „La Botika De La Salud“ heißt das Geschäft unweit der katholischen Kirche. Gründerin Tere war früher Köchin in einem Pauschalhotel. Sie kennt die Marktlücke, die sich aufgetan hat zwischen Hotellerie und gesunder Ernährung in Teneriffa. In ihrem winzigen Geschäft stapeln sich persönlich ausgewählte bio-Produkte aus aller Welt. Daneben bietet sie eine liebevoll bestückte Auslage von regionalem bio Obst und Gemüse. Auch frische Eier und Fleisch kann Tere bestellen. Sie liefert sogar auf Anfrage ins Hotel.
Parkplatz gibt es leider keinen vor ihrem Laden. Deshalb ist es für Tere auch gar nicht so einfach, regionale Lieferanten zu finden. Wer als Produzent einen längeren Fußmarsch in Kauf nehmen muss, um Frischware anzuliefern, verkauft lieber an Supermärkte. Doch der gute Ruf von Teres Geschäft hallt weithin über die Insel. Als ich ihr Lädchen zum ersten Mal erkunde, zeigte gerade ein junger Unternehmer aus den Norden Tere sein einzigartiges Produkt: Glutenarmes bio-Brot aus Getreide von Teneriffa. Tere hat es in ihr Sortiment aufgenommen. Es schmeckt köstlich.

Bio Obst vom regionalen Farmer

Manolo betreibt die bio-Finca Benahoritas in Cabo Blanco. Die alten bio-Mangobäume geben prächtige Ernten. Manolo verkauft sie auf dem Agromercado in Adeje.

Manolo hatte es nicht leicht im Leben. Er wuchs auf als Bauernsohn einer konventionellen Finca im Süden von Teneriffa. So lernte er die harte Arbeit auf dem Feld kennen. Später erfüllte er sich einen Traum: Er kaufte eine Immobilie in Los Christianos und eröffnete einen Shop für Luxus-Jeans. Einige Jahre lief das Business blendend. Doch dann kam die Krise. Manolo musste schließen.

Manolo besann sich sprichwörtlich auf seine Wurzeln. Mit einem Partner pachtete er eine bio-Finca unweit von Adeje. Einige Jahre ging das gut. Dann grub ihm sein Partner das Wasser ab. Er kaufte dem alten Landbesitzer die Wasserrechte der landeigenen Quelle ab. Das Wasser verkaufte er teuer. Für die Felder von Manolo blieb nicht genug übrig.

Manolo fing noch einmal neu an. Unterhalb der Finca seiner Kindheit stand bio-Land zur Pacht zur Verfügung. Der Farmer ist schon zu alt für die Bewirtschaftung. Seine Tochter pflegt ihn, sie wollte keine Bäuerin sein. Sie behielt nur privat einen kleinen Hühnerstall. Den Rest des Landes übergab sie vertrauensvoll an Manolo. Der krempelte die Ärmel seiner teuren Poloshirts hoch und ackerte, was das Zeug hielt. Das Land hatte bereits die Voraussetzungen zur bio Zertifizierung. Manolo musste es „nur“ noch urbar machen.

Große Teile der alten Beete sind verwildert. Prächtige Zitronenbäumchen sind von Läusen befallen. Sie gehen nicht ein davon, erklärt mir Manolo, aber sie sind nicht „happy“. Die Blätter sind verkrüppelt. Ein paar mickrige Zitrönchen hängen an den Zweigen. Manolo düngt die Bäume liebevoll mit Ziegenmist, damit sie sich erholen können. Parallel dazu hat er große Spaliere gebaut für Physalis. Schon in einem Jahr werden die Kletterpflanzen reiche Früchte tragen, hofft er. Die Zäune der Finca nutzt er als Stütze für Maracuja.

Maolos bio-Felder sind überwuchert von Unkraut. Steine liegen darin. Furche für Furche zieht er in den trockenen Boden, um ihm Gemüse für den Markt abzutrotzen. Melonen und Salat wechseln ab in der Fruchtfolge.
Mitarbeiter hat Manolo keine. Sein junger Sohn hilft ihm bei der Arbeit. Der ist leider wenig begeistert von seinem Job. Als Teenager hat er andere Sachen im Kopf als Landwirtschaft. „Den ganzen Tag hockt er auf dem Sofa“ jammert Manolo. Um den Jungen weg von der Playstation auf die Felder zu locken, engagierte er dessen Kumpel als Hilfskraft. Zu zweit bringen sie nun Musik aufs Feld. Im Takt von Popsongs aus dem MP3 Player werden junge Pflänzchen in frischen Ziegendung gesetzt.

Manolos Cherrytomaten landeten auf dem Kompost: Der Sommer brachte zu viel Hitze und zu wenig Wasser. Das vertrocknete Tomatenheu tauscht Manolo beim Ziegenhof Motesdeoca gegen Dung.

Große Teile von Manolos landen derzeit noch auf dem Kompost. Als ich ihn besuche, liegt ein Berg Tomatenstauden mit halbreifen Früchten neben dem Eingang zum Gemüsegarten. Sie sind zu schnell gewachsen, es war zu heiß. Gleichzeitig hat Manolo die Wassermenge nicht richtig eingeschätzt. Die Tomaten schmeckten faulig. Auch das Pak Choi Beet sieht traurig aus.
Bio Anbau erfordert Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung. Manolo nimmt die Risiken gerne in Kauf. Er kennt die Nachteile von konventioneller Landwirtschaft aus seiner Kindheit. Er möchte nicht, dass sein Sohn mit Pesiziden und Chemie aufwächst. Zudem hat Manolo die vielen Dauergäste auf Teneriffa im Auge. Die „Überwinterer“, die Rentner und die Auswanderer aus Deutschland, England, Russland. Sie bringen Geld und Bildung mit. Viele von ihnen ernähren sich sehr bewusst, manchmal sind sie kränklich und deshalb kaufen sie Bio. Die Preise für Bio sind deutlich besser. Und das muss auch so sein. Sonst könnte Manulo nicht überleben. Alleine für den Haufen Ziegenmist hat er schon 200 Euro hingeblättert. Das Wasser ist teuer. Die Bewässerungsanlagen sind teuer. Wenn Regen ausbleibt, wie in den vergangenen Jahren, wird der Anbau noch teurer. Dann muss Wasser zugekauft werden. „Staatliches Wasser ist schlecht“ weiß Manolo. Da sind kaum Mineralstoffe drin. Noch komplizierter ist es mit Meerwasser aus Entsalzungsanlagen. Sie sind chemisch so rein, dass große Mengen bio-konforme Mineralstoffe beigemischt werden müssen.

Manolo verkauft seine bio-Ware auf dem Wochenmarkt in Adeje. Jeden Samstag und Sonntag, manchmal auch Mittwoch nachmittag. Oft bringt er Produkte von anderen Farmen aus dem Bergland mit: winzige Äpfel und herbe Orangen, gerne auch bunte Papaya. Für Kenner hat Manolo eine Geheimwaffe: in seinem Obstgarten wachsen die aromatischsten Mangos der Insel. Sie sind zuckersüß und schmecken so, wie Gott sich das wohl vorgestellt hat, als er Mangos gemacht hat.

Als Produzent verkauft Manolo seine Ware im Agromercado von Adeje. An Samstagen ist er immer persönlich vor Ort. Manchmal trifft man ihn auch Mittwoch und am Sonntag an. Manolo hat viel Stammkundschaft. Sein Tresen steht ganz links, in Parkplatznähe. Eine ganze Reihe der Marktstände ist bio-Landwirtschaft gewidmet.

Manolo träumt von einem eigenen Gemüseladen. Sein ehemaliger Shop steht leer. Am liebsten würde er dort eine bio zertifizierte Fruteria aufziehen. Doch derzeit hat er davor noch Scheu – er sieht zu viele Probleme. Die Steuern wären dann viel höher. Er wäre abhängig von Urlaubszeiten. Und er müsste Mitarbeiter beschäftigen.

Sorgen bereitet Manolo die Zukunft des Landes: Es gibt so viele Grundstücks-Spekulanten. Unterhalb von seiner Farm wurden gerade wieder große Felder an Immobilienhaie verkauft. „Überall sind Lügner“, weiß Manolo. Ob der Besitzer seiner Farm dessem Land behalten wird, damit Manolo Pächter bleiben kann?

Fisch aus dem Meer

Eine reiche Fischtheke hat das Restaurant Sal Negra im Vergnügungszentrum San Telmo von Los Christianos. So lecker sie auch aussehen: Die Fische stammen nicht von den kanarischen Inseln! Das Restaurant Sal Negra bezieht seine Ware von einem Fischhändler in Santa Cruz, der im Hafen von Santa Cruz Weltware einkauft.

Wer hat in Teneriffa die besten Informationen über Land und Leute? Die deutsche Friseurin in Los Christianos. Ingrid kennt jeden und weiß alles. Gerne gibt sie Tipps an ihre Kundinnen weiter. „Wo kann ich guten frischen Fisch bekommen?“ Während Ingrid meine meerwassergebleichten Spitzen faconniert hoffe ich auf Tipps für geheime Anlegeplätze. Regionale Fischer möchte ich finden, die ihre fangfrischen Waren des Tages verkaufen.

Der Mercadona hat guten Fisch“ weiß Ingrid.

Mercadona? Die größte Supermarktkette von ganz Spanien! Es gibt in den Mercadona-Regalen von Teneriffa kaum bio-Produkte. Da soll es frischen, kanarischen Atlantikfisch geben?
Es kommt auf die Fanggebiete an, erklärt Ingrid. FAO 27 bis 41 sind in Ordnung: Atlantik und Mittelmeer. Teneriffa ist FAO 34. Alles andere kann man vergessen, schimpft sie. Fisch aus dem Pazifischen Ozean? Nein danke! Alles verseucht. Auf Dorada und Lubina verzichtet sie auch, auf Lachse sowieso. Diese kommen aus Fischzuchten. Ihre großen Zuchtbecken im Meer kann man sogar sehen, wenn man weiß, wo sie sind.

Bei den kleinen Fischhütten am Hafen von Los Christianos kauft Inge nicht ein. Das sind keine Fischer, die da ihren Fang anbieten. Das sind Händler. Sie bekommen ihre Ware aus Santa Cruz. Da ist alles dabei. Die Verkäuferinnen sprechen nur Spanisch und sie lügen, warnt Ingrid. Erst neulich hat sie herausgefunden, dass angebotene Fische aus FAO 34 in Wahrheit aus dem Pazifik kommen. Bei ihrem Mercadona hingegen gibt es zwei nette Verkäuferinnen, die sind ehrlich. Für sie als Stammkundin wird auch gerne ein Stück auf die Seite gelegt, wenn schöne FAO 34 Fische hereinkommen.

Was passiert wohl mit den fangfrischen Fischen der kanarischen Fischer? Sie sind größtenteils vorbestellt von Restaurants. Da kommt man als Tourist nur in zubereiteter Form heran. Und Restaurants? Die Fischrestaurants in Los Christianos und Playa de las Americas findet Ingrid viel zu teuer. Guten, fangfrischen Fisch isst sie im Fischerdörfchen San Miguel de Tajao und in Las Galletas.

Im Fischrestaurant speisen

Der regionale Fisch Cherne hat weißes, saftiges Fleisch. Ein gegrillter Fisch reicht für drei bis vier Personen. Im Restaurant Abordo in Los Christianos haben sich drei Damen für die kanarische Spezialität direkt aus der Fischtheke entschieden.

Las Galletas erweist sich als hübsches Fischernest direkt an der Südspitze der Insel. Ein paar Restaurants warten entlang der Uferpromenade auf fischhungrige Touristen. Ich wähle ein wenig aufregendes Plätzchen auf der Veranda von einem unscheinbaren Fischrestaurant mit Blick auf den Sonnenuntergang. Der Kellner könnte der Besitzer des Lokals sein. Stolzgeschwellt bringt er uns die Karte. Sie ist in fünf Sprachen verfasst. „Wir möchten gerne frischen kanarischen Fisch essen“ wünschen wir uns. Uns wird die „Fischplatte“ empfohlen. Neugierig betrachten wir, was uns da so vorgesetzt wird.

Auf der Platte liegen zwei kleine gegrillte Fischchen. Dazu ein Stückchen Krake, Muscheln und die berühmten Chocos, die kanarischen Tintenfische. Man bekommt sie in Teneriffa fast überall. Unsere Fischchen sind leider voller Gräten. Etwas mühsam ist es, ihr weißes gegrilltes Fleisch zu filetieren. Hierzulade würde man sie wohl eher als Suppenfische verkochen. Einer der Fische schmeckt köstlich, der andere tranig. Die Meeresfrüchte sind aber wunderbar knackig und frisch. Ich habe den Verdacht, die „Fischplatte“ ist ein Angebot für Neuankömmlinge. Hier wird vergrillt, was der Kenner nicht bestellt.

Cherne ist eine typische kanarische Fischdelikatesse, auf Deutsch Wrackbarsch. Ein ganzer Fisch gegrillt reicht für drei bis vier Personen. Wenn frische Exemplare da sind, wird der Kellner stolz darauf hinweisen. Chocos gegrillt sind weder zäh noch gummiartig – ihr festes Sepia-Fleisch ist eine ganz besondere Delikatesse. Auch den Papageienfisch kann man probieren, auf Spanisch Vieja. Wenn Sie „Fisch in Salzkruste“ bestellen, bekommen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine Dorade. Und die sollte man ja lieber nicht essen, meinte unsere Informantin Ingrid … Der „Fish of the day“ ist meist eine Abenteuerreise. Nicht selten bekommt man eine Schuhsole von Thunfisch. Allgemein gilt: Ein vorab-Blick in die Fischtheke lohnt auf jeden Fall.

Der Agromercado

Die wichtigste Quelle für feine bio Lebensmittel in Teneriffa stellt die regionale Markthalle dar. Direktvermarktung von Waren aus Teneriffa wird groß geschrieben. Bewusste Gemeinden betreiben diese „Agromercados“, um Bedarfe der Touristen zu matchen mit Notwendigkeiten der einheimischen Bauern. Ausgewählte Produzenten der Region bieten hier ihre eigenen Erzeugnisse an.
Während Markthallen am spanischen Festland manchmal historische Schmuckstücke darstellen, sehen die Bauwerke auf Teneriffa wenig romantisch aus. Es sind immer klassische, moderne Mehrzweckhallen, ohne Stuck oder Dekor. Indoor-Stände sind fest gebucht. Parkplatz, Cafeteria und Waschräume begleiten ihre Infrastruktur.
Meistens öffnen die Agromercados an Wochenenden. Dabei gibt es neben Waren aus konventionellem Anbau immer auch bio Lebensmittel. Solche Anbieter sind sichtbar gekennzeichnet und haben ihre eigene Verkaufsreihe. Verkäufer von Biowaren dürfen ihren Stand mit dem grünen Hinweis „Ecologico“ schmücken.

Ich erkundete erst die beliebten Markthallen in Adeje und in El Medano. Sie liegen beide direkt neben der Autobahn. Schließlich bekam ich einen Geheimtipp: Die jüngste Markthalle der Insel eröffnete im Jahr 2017. Sie liegt in Valle San Lorenzo. Der Mercado del Agricultor ist ein Musterstück von einer Markthalle!

Der hochwertige Mercado del Agricultor in Valle San Lorenzo auf Teneriffa ist komfortabel eingerichtet. Marktleiter Boris lässt Kreativität und Kontakte spielen, um seine Markthalle zur schönsten der Insel zu machen.

Eine detaillierte Vorstellung der Markthalle in Valle San Lorenzo für regionale Bio Lebensmittel aus Teneriffa folgt bald.

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