Teneriffa 2020 mit Corona Lagebericht

Kurzversion:

Bio Urlaub auf Teneriffa wird weithin empfohlen. Als Reiseziel für nachhaltigen Tourismus ist Teneriffa zunehmend im kommen. Ökohotels und bio-Fincas werben für umweltbewussten Lebensstil. Wie sieht die Realität vor Ort während der Corona Krise aus?

Inhaltsverzeichnis

Gefangen im Goldenen Käfig (Corona Update)

Von Teneriffa Gastautor Permanick

Die Sonne brennt vom Himmel. Wir graben gerade Kanäle für die passive Bewässerung unseres neuen Waldgartens. Plötzlich hören wir ein lautes Brummen am Himmel. Sieben Militärhubschrauber fliegen in Formation über unsere Köpfe hinweg. Fast hatten wir vergessen, dass außerhalb der Farm das Corona Virus die Welt fest im Griff hat.

Durch die täglichen Hubschrauberflüge werden wir daran erinnert, dass unser geregelter Tagesablauf im Garten keinesfalls die Norm ist. Wir befinden uns auf der ökologischen Finca La Castana im Norden Teneriffas. Mein Name ist Nick Steiner, als Permanick habe ich mein Leben der Permakultur gewidmet. Zusammengesetzt aus Permanent und Agrarkultur geht es darum, alle grundlegenden Bedürfnisse der Menschheit zu erfüllen und gleichzeitig die Natur zu regenerieren.

Hier auf der Farm entwickeln und pflanzen wir gerade einen durch Permakultur inspirierten Garten. Zur Selbstversorgung und um die unzähligen Möglichkeiten der regenerativen Landwirtschaft aufzuzeigen. Wir wollen andere inspirieren es uns gleich zu tun. Doch direkt an der Grundstücksgrenze beginnt eine andere Welt.

Teneriffa liegt lahm. Auf den sonst so überfüllten Stränden ist, außer ein paar Möwen, niemand zu sehen. Auf den Straßen sieht es ähnlich aus. Der Gang zum Supermarkt ist für viele das einzig verbleibende bisschen Freiheit. Alle tragen Masken und eine beängstigende Stimmung liegt in der Luft. Geschäfte sind zu und außer Lebensmitteln und Medikamenten bekommt man zur Zeit fast nichts.

Die Hunde der Insel sind die klaren Gewinner der Krise. Seit es verboten ist das Haus zu verlassen, nutzen viele Hundebesitzer*innen ihre geliebten Vierbeiner um doch noch etwas frische Luft zu schnappen. Allerdings nicht weiter als 100 Meter vom eigenen Haus, sonst drohen hohe Strafen.

Spanier*innen nehmen die Krise sehr ernst. In vielen Parks in Deutschland wird der warme Frühling gefeiert. Hier auf Teneriffa sitzen die meisten in ihren kleinen Wohnungen und können die Sonne nur durch die Scheibe genießen. Es ist enorm, was viele mitmachen. Auf engem Raum mit Familie und Kindern und keine Chance sich aus dem Weg zu gehen. Die Sehnsucht nach Freiheit ist groß, doch der Respekt vor der Regierung ist größer. Oder ist es die Angst vor dem Militär, das die Straßen kontrolliert? Man weiß es nicht, aber vor die Tür geht trotzdem niemand ohne guten Grund.

Es ist eine ganz besondere Situation hier auf der Insel. Mit den Tourist*innen kam das Geld. Flugzeuge und Schiffe voller Passagiere tauschten ihr Geld gerne gegen ein paar Wochen Sonnenschein und Abenteuer in der Natur. Sie brachten den Aufschwung und ermöglichten der von Bananenplantagen dominierten Insel ein enormes Wachstum. Der gesamte Süden der Insel nahm die Welle der Tourist*innen gerne auf. Wachstum und Jobs ohne Ende. Kaum jemand im Süden ist nicht irgendwie in die Tourismusindustrie involviert.

Teneriffa ist das perfekte Urlaubsziel vor der Haustür Europas. Die Insel des unendlichen Frühlings bietet 365 Tage im Jahr gutes Wetter und Unterhaltung für die ganze Familie. Folglich schossen Hotels wie Pilze aus dem Boden. Wozu andere Industrien aufbauen? Das einfache Geld strömt ja Tag ein Tag aus von der ganzen Welt auf die Insel. Die Antwort ist jetzt klar und sie heißt Covid-19. Als der erste Corona Fall in einem Hotel auftrat, wurde die Situation von vielen noch belächelt. Es gab vereinzelte Fälle, aber fast niemand fühlte sich wirklich bedroht.

Das Ausmaß der Situation wurde für den jungen Teil der Bevölkerung in der zweiten März Woche deutlich. Die extrem beliebten Musik Festivals, die um Ostern herum tausende Canarios auf die Tanzflächen ziehen, wurden abgesagt. Die Gewissheit für alle kam kurz darauf, als der Spanische König den Notstand ausrief. Noch waren die Hotels voll und Urlauber*innen kamen auf der Insel an. Doch selbst das schönste Hotel kann irgendwann erdrückend wirken, wenn man es nicht mehr verlassen darf.

Die Kanarischen Inseln hatten plötzlich eine Teil ihres Charmes als sonniges Paradies verloren. Viele Tourist*innen wollten nach Hause, doch der Flugverkehr war bereits stark eingeschränkt. Für viele wurde der Urlaub zu einer täglichen Reise zum Flughafen. Immer mit der Hoffnung doch noch einen Platz im Flugzeug zu bekommen. Die Regierungen stellten Sondermaschinen, um alle nach Hause zu bringen. Nach einiger Zeit wurden alle Hotels geschlossen. Doch dabei blieb es nicht. Bars, Restaurants, Boote, Strände, Wanderrouten, Surfschulen, Shoppingcenter und Straßen, alles war leer.

Fast der gesamte Süden der Insel war wie auf einen Schlag arbeitslos. Was die meisten am stärksten belastet ist die Ungewissheit. Niemand kann sagen, wie lange es noch weiter geht. Oft wurde sich über die vielen Tourist*innen beschwert. Jetzt sind sie weg und mit ihnen die Jobs. Im Süden Teneriffas wirken die sonst von Touristen überfluteten, bunt leuchtenden Hochburgen Las Americas und Los Christianos nur noch wie Geisterstädte.

Keiner weiß, wie lange die knapp 400 000 Hotelbetten und Kassen der Kanaren noch leer bleiben. An die wirtschaftlichen Folgen will man dabei gar nicht denken. Wer kein Geld mehr verdient, kann es auch nicht mehr ausgeben. Manche merken die Auswirkungen sofort, für viele andere wird es erst deutlich, wenn plötzlich die Aufträge aus bleiben. So schwappt die Welle der Arbeitslosigkeit langsam über die gesamte Insel. Hohe Arbeitslosigkeit war hier schon immer ein Problem. Jetzt wird es noch extremer. Überall wird aufs Geld geachtet und man versucht vieles lieber selbst zu machen, als andere dafür zu bezahlen.

Genau darin liegt aber auch eine enorme Chance der Krise. Viele Spanier*innen besitzen eigene Häuser und müssen keine Miete zahlen. Über Generationen werden die Grundstücke vererbt und viele von ihnen haben zumindest kleine Gärten. Das eigene Essen anbauen und Selbstversorgung waren vor ein paar Monaten noch die Aufgaben von Menschen mit zu viel Zeit. Es gibt doch alles im Supermarkt und zur Not bestellt man sich eben etwas Fast Food. Jetzt findet ein Umdenken statt und es zieht sich um die ganze Welt. https://www.teneriffa-news.com/news/kanaren/chronologie-der-corona-faelle-auf-den-kanarischen- inseln_12570.html​

Normalerweise, wenn wir draußen arbeiten, sehen wir gelegentlich mal eine*n unserer Nachbar*innen im Garten. Seit des Lockdowns sind die Gärten voll. Unsere Nachbar*innen sind auch nicht mehr alleine draußen. Überall kommen die Familien zusammen und arbeiten gemeinsam. Oft sind es drei Generationen, die sich um das Gemüse und die Bäume kümmern. Jedes Familienmitglied übernimmt eine andere Aufgabe und alle lernen voneinander. So wird viel Wissen an die jüngeren Generationen weitergegeben, das ohne Corona wahrscheinlich verloren gegangen wäre.

Nicht nur innerhalb der Familie findet ein Austausch statt. Auch das Nachbarschaftsgefühl und die Gemeinschaft werden wieder gestärkt. In den letzten Wochen haben wir uns mehr mit den Nachbar*innen ausgetauscht, als in den Monaten davor. Da tauscht man gerne mal Avocados gegen leckeren, hausgemachten Wein. Wir können von unseren Nachbar*innen viel lernen. Sie wissen mehr über die Feinheiten des lokalen Klimas und die Besonderheiten des Anbaus in dieser Region.

Wir sind jetzt seit sechs Wochen im Lockdown. Gefangen in unserem goldenen Käfig aus Bäumen, Gemüse und Obst. Ab dem 2. Mai dürfen wir wahrscheinlich wieder spazieren. Das Leben kann dann wieder langsam zur Normalität zurückkehren. Wir sollten uns allerdings fragen, ob diese Normalität wirklich so viel besser war. Corona bietet die Chance für globales Umdenken. Familien verbringen wieder mehr Zeit zusammen. Statt Fast Food wird wieder selbst gekocht und das sogar mit Zutaten aus dem Garten. Die Gartencenter sind gut besucht und jeden Tag entdecken mehr Menschen ihre Liebe zu Gartenarbeit und Natur. Tägliche Kurzstreckenflüge werden durch Videokonferenzen ersetzt. Menschen achten mehr auf ihre Gesundheit und Hygiene. Geld steht nicht mehr als höchstes Ziel im Vordergrund. Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen und alle, die die Welt am Laufen halten, bekommen endlich die Anerkennung, die ihnen zusteht.

Straßen und Himmel sind nicht mehr verstopft. Gewässer werden sauberer. Tiere kehren zurück und die Natur atmet auf. Vielleicht ist ja genau jetzt die Zeit, um sich vom Tourismus zu lösen. Die Nachfrage nach Nahrung aus lokalem Anbau ist so groß wie selten zuvor. Und wenn es an einem nicht mangelt, dann ist potentielle Arbeitskraft. Covid-19 zeigt uns was möglich ist, wenn wir wirklich wollen. Genau diesen Willen werden wir auch brauchen um die Klimakrise in den Griff zu bekommen, bevor es zu spät ist. Wenn wir wirklich wollen ist alles möglich und genau mit diesem Gefühl muss es jetzt weiter gehen. Zusammen als Menschheit schaffen wir das!

Mehr Teneriffa Corona Informationen lesen Sie online in den Teneriffa News.

Teneriffa vor Corona

Teneriffa. Die fruchtbare Vulkaninsel im Atlantik verheißt gesunden bio Urlaub in sauberer Natur. Weitab vom europäischen und afrikanischen Festland liegt sie geschützt vor Industrie-Abgasen und kontinentaler Umweltverschmutzung.
Über Jahrtausende brachen einheimische Pflanzen erkaltete Lava auf. Ihre Biomasse bildet eine fruchtbare Grundlage für reiche Vegetation. Eisen und Magnesium, Silizium und Kalium nähren Wälder und Wiesen.
Die Luft von Teneriffa ist frisch und klar. Sauber geweht vom wolkenreichen Nordostpassat bleibt das Klima der äquatornahen Berghänge traditionell frühlingshaft, denn Teneriffa wird gekühlt durch den Kanarenstrom.

Direktflug nach Teneriffa Süd buchen

Man erreicht Teneriffa via Flugzeug vom europäischen Festland. Die meisten Maschinen steuern Teneriffa Süd an (TFS). Idealerweise sollte man direkt fliegen, ohne Zwischenlandung, um CO2 zu sparen. Deshalb nutze ich für meine Flugbuchung Skyscanner. Das ist kein online Reisebüro für Flüge, so wie Opodo oder Fluege.de, sondern eine Suchmaschine für Flüge. Dieses Google der Lüfte durchforstet sämtliche An- und Abflüge aller aktiven Airlines, weist per Mausklick nur Direktflüge aus. Für klimabewusst Reisende zeigt Skysanner den CO2 Ausstoß pro Reise im Vergleich zum Durchschnittsflug an.

Teneriffa wäre klimaneutral auf dem Seeweg über den Atlantik von Gibraltar gut erreichbar. Mit dem Katamaran segelt man etwa eine Woche lang die rund 1400 Kilometer weite Strecke. Doch so ein Trip ist sehr anstrengend.
Das Gros der Touristen reist – wie auch ich – umweltschädlich an. Stündlich landen auf Tenerife Sur bis zu zehn Maschinen. Mich plagt schlechtes CO2 Gewissen. Wussten Sie, dass es dafür schon ein eigenes Wort gibt? Flugscham wurde 2019 Wort des Jahres.
Als ich meinen Flug nach Teneriffa Süd buche, entlaste ich mich durch eine freiwillige Kompensation von fünfzig Euro für acht Flugstunden. Da ich bislang kein CO2 Klimaschutzprgramm gefunden habe, das in Teneriffa investiert, fördere ich das regionale Projekt Sorten orten auf Teneriffa, es wird unterstützt vom Verein Futouris für nachhaltigen Tourismus.

Klima auf Teneriffa Süd

Teneriffa wird regiert vom Vulkan Teide als höchster Berg von Spanien. Er ist aktiv – sein jüngster Ausbruch ereignete sich im Jahr 1909. Die schroffen Lavaberge des Teide zerteilen Teneriffa in zwei Klimazonen: den fruchtbaren Norden und den karstigen Süden.
Passatwinde mit ihren Wolken streifen nordwärts über das Gebirge. Ihr Regen fällt, ehe sie die Küsten des Südens erreichen. So hat der Norden mehr Wasser als der Süden, hingegen weniger Sonnenstunden. Südküste bleibt meist wüstenhaft trocken. Auf Teneriffa Süd bieten sich eigene Chancen für Natur, Landwirtschaft und besonders für den Tourismus.

Vergleich Teneriffa Süd mit Teneriffa Nord

Teneriffas Städte sind im fruchtbaren Norden angesiedelt. Die meisten Einheimischen leben hier, Universitäten und Kultur-Highlights ebenso wie Industrie und Gewerbe sind verortet im Norden. Nicht zuletzt liegt das am Quellwasser. Teneriffas Norden hat reiche Wasservorkommen, viele Mineralwässer Teneriffas werden im Norden abgefüllt. Der Süden ist heißer und trockener, ländlicher bevölkert mit traditionellen Dörfern. In Küstennähe wird Teneriffa Süd von touristischer Infrastruktur geprägt. Kultur ist auf Folklore gewichtet. Der Süden hat dem Norden gegenüber jedoch eine Geheimwaffe: Seine mystischen Sonnenlichtspiele über dem Ozean.

Sonne über dem Ozean auf Teneriffa Süd


Auf Teneriffa Süd können Sie wahlweise den glitzernden Sonnenaufgang über dem Meer genießen, den pompösen Sonnenuntergang, oder sogar beide Sonnenspiele. Wo die Sonne über dem Ozean steht, hängt ab von der Region auf Teneriffa Süd und der Jahreszeit.
El Medano liegt westlich der Südspitze. Hier sieht man ganzjährig den Sonnenaufgang über dem Ozean, mit Sonnenuntergang über dem Berg Montaña Roja.
Los Christianos liegt östlich, die Sonne geht ganzjährig auf über dem Gebirge. Das Herz von Teneriffa Süd hat jedoch wundervolle Sonnenuntergänge am Horizont links von der gegenüberliegenden Insel La Gomera. Ausnahme: Von Anfang März bis Anfang Mai sowie von Anfang August bis Anfang Oktober versinkt die Sonne von Los Christianos über den Gebirgszügen der Nachbarinsel.
Playa San Juan hat Sonnenuntergang über dem Ozean von Anfang April bis Mitte September rechts von der Küste La Gomeras.
Las Galletas an der Südspitze kann Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über dem Ozean. Unschlagbar schön ist das. Achten Sie jedoch beim Buchen einer Unterkunft in Las Galletas auf die Einflugschneise von Tenerife Sur. Touristenbomber fliegen Teneriffa Süd via Las Galletas an. Das schönste Sonnenlichtspiel ist verdorben, wenn über Ihren Köpfen Lärmkrieg herrscht.

Klimawandel auf Teneriffa

Seit ein paar Jahren regnet es auf Teneriffa weniger als üblich. Zudem wird es wärmer. Die Jahreszeiten ändern sich, damit auch das Wetter. Fragt man ältere Einheimische, sagen sie unisono: Wolken bleiben aus.
Tropische Feuchtigkeit mit starkem Kurzregen wechselt ab mit Dürreperioden.
Als wir im Oktober auf Teneriffa Süd landen, erwarten meine Freundinnen trockenes Badewetter. Wir kommen mitten in den Regen. Der Himmel ist bedeckt, jeder Tag ist grau. Die Einheimischen feiern: Endlich regnet es! Die Natur braucht dringend Wasser. Eine monatelange Trockenzeit ist vorüber, gerade als wir unseren Urlaub antreten. „Ich brauch ein heißes Bad“ schimpft Uschi, sie hat sich auf den Strand gefreut. Meine Wäsche wird tagelang nicht trocken.

Über den Wolken ist die Sonne: Sobald man die Höhen des Teide erklimmt und die Baumgrenze passiert, hat man den feuchtkühlen Wolkennebel beinahe überwunden. Die Sonne ist nur noch wenige Höhenmeter entfernt.

Garantie auf ewigen Frühling gibt es auf Teneriffa nicht mehr. Ich denke an weise Worte von meinen Opa: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.“ Mit Regenjacke, wasserdichten Barfußschuhen für Wanderer und einem sehr starken Scheibenwischer werden meine ersten Ferientage auf Teneriffa Süd zur spannenden Abenteuerreise durch die Mikroklimazonen von Teneriffa.
Reich belohnt für meine Wettergeduld werde ich mit dem schönsten Regenbogen meines Lebens – über dem Barranco del Infierno oberhalb von Adeje.

Überwinterer nennt man Kälteflüchtlinge aus nördlichen Regionen Europas, die nur während der eisigen Jahreszeit auf Teneriffa leben. Wie Zugvögel kommen sie und gehen wieder, man kennt das seit Jahrzehnten. Neu hinzugekommen sind Übersommerer.
Seit ein paar Jahren wird es in den Sommermonaten so heiß auf Teneriffa, insbesondere im Süden, dass so manche Einwohner in den Norden von Europa flüchten.

Der Meeresspiegel steigt auf Teneriffa. Es ist deutlich sichtbar. Vor ein paar Jahren besuchte ich das Dörfchen El Puertito. Seine Hauptattraktion war eine Bucht mit feinem Lavastrand, ein Geheimtipp. Noch vor drei Jahren konnte man hier schön sonnenbaden. Daneben liegt eine Bar, betrieben von einer alteingesessenen Familie. Mamma kochte die beste Paella weit und breit. Doch sie weinte sehr viel. Mit den Herausforderungen der jüngeren Vergangenheit kam sie nicht gut zurecht. Als wir dieses Jahr in El Puertito ankommen, ist der Strand verschwunden. Das Meer reicht bis an die Kaimauer. Ist das die Flut? Mitnichten. Einheimische bestätigen meine Befürchtung: Der Meeresspiegel ist so stark gestiegen, dass vom Strand kaum noch etwas übrig ist. Und die Mamma? Sie ist leider vor einer Woche gestorben.

El Puertito Sandstrand vor ein paar Jahren. Wir konnten den ganzen Tag lang sonnenbaden. Der Strand ist im Jahr 2019 so gut wie verschwunden. Wassersportler bleiben aus. Stattdessen haben sich Wildcamper angesiedelt in der Umgebung.

Wird Teneriffa mittelfristig vom Klimawandel profitieren, oder wird die Insel austrocknen? Wenn es wärmer wird im Jahresmittel, könnte sich die Luft stärker anreichern mit Dunst aus Meerwasser, es könnte tropisch werden auf Teneriffa. Eher droht die Verwüstung durch Dürre. Wird Wasser auf Teneriffa Mangelware werden? Kann eine Naturkatastrophe durch unweltfreundlich betriebene Meerwasser-Entsalzungsanlagen abgefangen werden? Welche klimatischen Bedingungen kann man zukünftig für seinen bio Urlaub auf Teneriffa erwarten?

Finca, Casa, Hotel, Zelt?

DIE ökologisch freundliche Unterkunft für einen bio Urlaub auf Teneriffa zu wählen ist nicht einfach. Sich auf einer bio Finca einmieten, vergleichbar mit Urlaub auf dem Bauernhof, geht meist Hand in Hand mit Direktzugriff auf Obst und Gemüse aus dem Garten der Finca. Doch die Wohnbereiche sind zumeist ländlich abgelegen, oben in den Bergen und schwer erreichbar. Ein Leihwagen mit Allradantrieb ist Pflicht.
Unter dem Begriff Casa mietet man Appartements oder ein ganzes Ferienhaus in Wohnanlagen. Für eine Familie ist das eine schöne Wohnmöglichkeit, Terrasse mit Grillmöglichkeit ist meist inklusive. Gemüsefelder oder Obstbäume findet man hier eher selten, auch Direktzugang zum Meer ist nicht üblich.
Das klassische Hotel mit Zimmern oder kleineren Appartements bietet den meisten Komfort, oft auch eigene Strandbereiche am Meer. Ein Hotel ist jedoch ökologisch bedenklich, nicht zuletzt wegen der Ausstattung, der Wäscheberge, der Müllprobleme und der verwendeten Putzmittel, einschließlich Insektizide.
Im Zelt zu nächtigen und campen auf Teneriffa kann sehr romantisch sein. Unschlagbar: Sternenhimmel über Teneriffa. Wichtig: Trinkwasser. Woher nehmen und nicht stehlen? Doch dieses Problem gibt es überall. Ich liebäugle ein wenig mit dem Gedanken, meinen nächsten bio Urlaub auf Teneriffa mobil zu gestalten mit Leihwagen, Zelt und Wind in den Haaren.

Ich packe in den Koffer …

Für meinen bio Urlaub auf Teneriffa Süd kaufe ich noch in Deutschland ein paar für mich wichtige Produkte, die ich vor Ort auf der Insel nicht bekommen kann. Was nicht in den Koffer passt, wird per Post geschickt an Freunde, die ein Päckchen für mich in Empfang nehmen können.

Waschzeug

Nahrungsergänzung

Schuhwerk

Unvermeidbar für einen gesunden Urlaub auf Teneriffa Süd: Barfußschuhe für alle Lebenslagen. Füße werden endlich ihrem natürlichen Wuchs entsprechend belastet. Es kommt nicht länger zu Fehlhaltung im Becken, Knieschmerzen oder Hammerzehen.

Umweltschutz

Wenn wir tagsüber auf Teneriffa Süd Ausflüge machen – Strand, Wanderung oder Citytrip – bereite ich Picknick vor mit selbstgekochten regionalen bio Gerichten. Um die Natur von Teneriffa Süd nicht zu belasten, insbesondere um Plastikmüll zu vermeiden, packe ich umweltfreundliches Einweg-Geschirr in meinen Koffer. Die beste Übersicht über plastikfreies Picknick Zubehör mit Shop bietet die informative Website Plastikalternative.

Bio Frühstück auf Teneriffa Süd

Beste Zutaten für unser ökologisch freundliches bio Frühstück auf Teneriffa Süd stelle ich zusammen durch Aufwand, Recherche, Zeit – und einen Leihwagen. Ich lasse mich nicht beirren von meinen Reisegefährtinnen. Sie nehmen das Thema „bio“ nicht so ernst wie ich. Für sie darf es schon mal ein Weißmehl-Bocadillo aus dem Supermercado nebenan sein, mit englischem Bacon und Schmelzkäse aus Deutschland. Dazu konventionelle Kanarenbananen und gespritzte Äpfel aus Südtirol. Trinkwasser aus Teneriffa kaufen meine Freundinnen im PET-Kanister. Mir jedoch kommt solches (Umwelt-)Gift nicht in den Kühlschrank. Lieber investiere ich ein paar Stunden Urlaubszeit pro Woche, um den Kofferraum von meinem Mietwagen vollzuladen mit feinen regionalen bio Lebensmitteln für alle.

Bio Frühstück in Los Christianos (Serviervorschlag). Alle Zutaten stammen aus Teneriffa Süd. Nur das Teewasser ist importiert aus Deutschland.

Regionale bio Lebensmittel kaufe ich auf dem Agromercado Adeje (Mittwoch/Samstag/Sonntag), Produzenten-Markthalle der Gemeinde Adeje. Hier bekomme ich bestes bio Obst, glutenfreies bio Brot aus Teneriffa und lokale bio Eier.
Der Bezirk Arona betreibt seine eigene Produzenten-Plattform, den Mercado Agricultor Arona in Valle San Lorenzo (Samstag/Sonntag). Einzigartig sein bio Gemüse- und Kräuterangebot, frischer Té Canarias und tropische Früchte, diese allerdings ohne bio Zertifikat.
Auf dem Wochenmarkt Mercadillo de Playa San Juan (Mittwoch) bekomme ich seltene subtropische Früchte und artgerechten Ziegencamembert. Ich besuche die toughe Marian. Mit ihrem eigenen Stand für Obst und Gemüse ist sie die überzeugteste Verfechterin von hardcore Ökoanbau aus Leidenschaft, die ich auf Teneriffa kennen lerne.
Bio Öle, Meersalz und Gemüsesaft führt La Botika De La Salud, ein privater Bioladen in Los Christianos.
Staatlich Fachingen Mineralwasser finde ich im Alemán Regal vom Hipermercado Tu Trebol.

Ausflug in die Natur

Mein erster Informant in Sachen regionale öko Lebensmittel ist Rezeptionist Manuel. Seine Eltern stammen aus Teneriffa. Geboren ist Manuel aber in Deutschland. Sein Vater arbeitete hart in Frankfurt. Als dieser in Rente ging, kehrte er mit Frau und Kindern nach Teneriffa zurück. Manuel kennt beide Welten in- und auswendig, deutsche Ordnung trifft bei ihm auf spanischen Humor. Als gute Seele am Empfang im Hotel ist er Vermittler zwischen den Kulturen.
Mit seiner Familie lebt Manuel in einer wenig touristischen Region im Gebirge. Was halten die Einheimischen in Manuels Dorf von bio Produkten – und wo kaufen sie ein?

Rezeptionist Manuel aus Teneriffa bringt mir privaten bio-Honig ins Hotel.

Wir kaufen kein bio, wir machen bio! Manuel lacht verschmitzt. In seinem Umfeld baut fast jede Familie etwas an für den sonntäglichen Mercadillo. Private Ware wird sogar im lokalen Supermercado angeboten. Da ist alles bio, schwört Manuel, wenngleich auch nicht offiziell. Niemand setzt freiwillig Pestizide ein, ist Manuel sicher.
Manuels Schwager hat Bienen. Zwar leidet dieser an einer Allergie gegen Bienenstiche. Doch die hält ihn nicht ab von seinem kleinen Business. Gegengift steht immer im Schrank, für den Notfall. Der Hobbyimker gewinnt bio Honig von kräuterreichen Wiesen der Lavahänge. Das würde er sich auch durch nichts in der Welt verbieten lassen, nicht einmal von seiner Frau, Manuels Schwester. Manuel bringt mir ein halbes Kilo Familienhonig ins Hotel. Die lavaflüssige Köstlichkeit ähnelt farblich dunklem Kiefernharz. Der Honig duftet nach ätherischen Ölen. Würzig schmeckt er, der private Teneriffahonig, mit zartbitterer Note.

Gespannt besuchen wir Manuels Heimat. Mit dem Auto erreichen wir sein Dorf. Wir zweigen ab von der Hauptstraße und wandern ein Stück. Bald erreichen wir eine fruchtbare Hochebene. An den Hängen gedeihen prächtige kanarische Dattelpalmen, Natursymbol von Teneriffa. Auf ebener Fläche reiht sich ein kleiner privater Gemüsegarten an den anderen. Alles wirkt harmonisch. Haben wir das bio Eldorado auf Teneriffa gefunden?
Wir spazieren einen schmalen Feldweg entlang. Nach ein paar Minuten begegnen wir einem Gärtner. Bis zur Hüfte versteckt steht er zwischen blühenden Kartoffelpflanzen. Über Mund und Nase trägt er ein Cowboy Halstuch verknotet. Auf seinem Rücken schleppt er einen Kanister wie einen Rucksack. „Betreten verboten“ ruft der Mann uns zu, während er seine Pflanzen mit einer Düse bearbeitet. Was spritzt er? Seine Antwort ist so erschreckend wie ernüchternd: Dursban. Chlorpyrifos ist Nervengift. Dieses Pestizid so schädlich für Mensch und Tier, es ist in Deutschland schon lang verboten.
Einheimische haben keine Angst vor Spritzmitteln. Sie setzen oft und reichlich Gift ein gegen alle Arten von Insekten, selbst gegen Bienen.
Pestizide breiten sich aus durch Wind und Wetter. Wer kein Gift einsetzt, kann passiv in Mitleidenschaft gezogen werden. Teneriffa ist seit mehr als hundert Jahren Bananenplantage für Spanien. In Küstennähe sieht man Regionen aus Bananenpflanzen über viele Kilometer eingezäunt, teilweise mit Plastik überdacht. Mindestens einmal pro Woche werden konventionell angebaute Bananen behandelt gegen Pilze und Fraßfeinde. Vermeiden kann man Pestizide als bio-Farmer nur durch Respektabstand zu konventionellen Plantagen und auch privaten Gärten.

Wildfrüchte auf Teneriffa Süd

Wie Unkraut wuchern eingebürgerte Opuntien mit zentimenterlangen Stacheln in nicht allzu hohen Lagen. Die Kaktusbüschel sind überreich an Früchten. Auf so manch gewundener Bergstraße wird es rutschig, denn die wilden Kaktusfeigen rollen reif vom Hang auf den Asphalt. Jeder kann sie pflücken. Insider benutzen eine Manija für die Ernte, das ist eine praktische Holzzange. Mit ihr kann man tief in die Kaktuswuschel hineingreifen.

Rote Kaktusfrucht unweit El Puertito. Mit einer Manija, oder ersatzweise einer Grillzange, erreicht man Früchte, die mitten in den Kakteen für den ausgestreckten Arm unerreichbar wären.

Nach dem Pflücken sollte man die Früchte mit einem weichen Besen auf dem Boden hin- und herrollen. So brechen die Stacheln ab. Schmerzfreier Genuss wird möglich. Leider sind die besonders gesunden roten Kaktusfrüchte ganz besonders stachelig. Ich kaufe einen Hexenbesen in einer Ferreteria, tatsächlich verarbeiten sich die gekehrten Kaktusfrüchte leichter. Dennoch: Ohne mein Augenbrauen Pinzetten Set, mit dem ich normalerweise meine Schönheit aufpoliere, wäre ich aufgeschmissen. Die kleinen Stacheln haben Widerhaken. Einmal eingebohrt in die Haut sitzen sie so fest, ich bekomme sie kaum noch herausgepuhlt aus der Hornschicht meiner Finger.

Fies, aber effektiv: Die Widerhaken auf den Stacheln der Opuntien hat die Natur als Überlebensmechanismus erfunden. Tiere sollen die Früchte transporieren, möglichst weit. Die Stacheln haken sich zäh fest in der Hornhaut, man sollte sich niemals ohne Pinzette an die Früchte heranwagen.

Ein wenig demotiviert bin ich, nachdem ich den dritten Kaktushaken aus meinem Daumen herausoperiert habe. Meine Kaktusfruchternte im grünen Eimer beginnt zu schrumpeln. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Immerhin sind es wertvolle Antioxidantien, die da vor sich hinwelken.

Beste Antioxidantien wie Karotinoide, Betanine und Flavonoide enthalten Kaktusfrüchte. Beweis gefällig? Strecken Sie ungeniert mal die Zunge heraus.

Sportlich wäre, die Kaktusbeeren vor Ort zu schälen und ihr Fleisch gleich zu essen. Es gibt einen Trick, Einheimische können sie frisch gepflückt öffnen ohne Messer. Leider habe ich ihn nicht drauf. Stattdessen besorge ich Gartenhandschuhe aus Leder, Stacheln dringen hier nicht durch. Als ich damit das weiche Fruchtfleisch aus den Beerenhälften löffle, fühle ich mich wie eine Astronautin – abgespaced.

Bio Restaurants auf Teneriffa Süd

„Ich lade dich ein, was magst du haben?“ Meine Freundin Siegi meint es gut mit mir. „Schwarzen Kaffee, bitte ohne Milch, ohne Zucker und ohne Keks!“
Restaurants auf Teneriffa Süd kochen nicht bio Qualität. Keine einzige Lokalität habe ich während meines Urlaubs auf Teneriffa Süd gefunden, die sich glaubwürdig auf (regionale) bio Zutaten spezialisiert hätte. Nicht eine. Wirklich nicht. Keine.

So mancher jüngere Gastronom, zugezogen aus Europa, klagt über rückständige Verhältnisse auf Teneriffa. Zehn Jahre hinkt man dem Festland hinterher, wird hinter vorgehaltener Hand geschimpft.
Ich entdecke in Los Christianos das entzückende Café Eco Eco. Vegane Küche, Mittagsmenü mit Quinoa in der Bowl, bio-Kaffee, dazu als Highlight hausgemachte glutenfreie Rohkost-Torte mit Datteln gesüßt. So ein feines Angebot gibt es nicht einmal in Berlin, ein ultimativer Geheimtipp. Inhaber Jesús stammt aus Madrid. Offen spricht er aus, was unübersehbar ist: „Wer auf Teneriffa behauptet, sein Restaurant sei nur bio, der lügt“.
Hohe Preise für importierte bio-Lebensmittel sind verantwortlich für Jesús Entscheidung, konventionelle Zutaten mit bio Lebensmitteln zu mischen. Denn die Menüs in seinem Café sind vergleichsweise günstig, müssen es auch bleiben, damit er seine Kunden nicht verliert.

Biogeschönte Lifestyle-Küche mit Alibi-Bioprodukten auf der Karte hält Einzug auf Teneriffa Süd. Igor aus Italien mit sonnenblondem Hipsterbart eröffnete enthusiastisch die Sensual Music Bar in Los Christianos: Kreativ, verspielt, Seesternteller. Es ist lustig hier, mit schöner Aussicht, der Chef bedient persönlich. Champagnersangria wird aus Biosekt gemixt. Die Früchte für die Sangria kommen aus konventionellem Anbau – Igors Großhändler hat kein bio Obst im Programm. Der hübsche Gründer könnte seinen PKW vollpacken mit regionalem bio Obst, oder es sich von einer Finca liefern lassen, wenn er es ehrlich meinen würde mit dem reinen ökologischen Gewissen. Es wäre wohl nicht viel teurer im Einkauf. Doch das ist Bioklasse für Fortgeschrittene und Igor ist Anfänger, was für die meisten Touristen auch völlig ausreichend ist.
Alltagstourismus auf Teneriffa Süd ist bisher nicht gerüstet für Biofreaks wie mich. Das Gros der Urlauber auf Teneriffa wird verpflegt mit Verpacktem vom Festland: Irischer Plastikcheddar trifft Dosenbohnen. Fries aus dem Freezer füllen die Teller, wattige Sandwiches treffen den home-Geschmack der Reisenden.
Ein reiches Frühstücksbuffet in unserem Club versorgt seine Gäste mit lecker frittierten Eiern. Dazu englische Wurst neben aufgeblasenen Pancakes, Croissants in Folie und Backpulver-Muffins. Ähnlich sieht das Angebot aus in kleineren Supermercados für Touristen. Coca-Cola, Nestlé und Heineken dominieren das Gesamtbild. Plastikverpackungen, wohin das Auge reicht. Alles ist quietschbunt. „Hier gibt´s rosa Oreo Kekse“ staunt meine Freundin Uschi.

Restaurant Geheimtipp

Chicharreros nennt man die Einwohner von Teneriffa. Der Begriff ist abgeleitet von der Bastardmakrele, chicharro, traditionelle Fischleibspeise. So manch alteingessener Chicharrero betreibt ein Fischrestaurant unweit der Küste. Der USP ist auf lokalen Fischfang ausgerichtet. Fisch aus dem Ozean mit papas arrugadas, Koriander-Mojo und ein paar Flaschen regionalen bio-Wein genieße ich im früheren Fischerdörfchen Las Galletas.
Lesen Sie weiter im Kapitel Fischrestaurant Geheimtipp auf Teneriffa Süd.

Auswärts essen bleibt für mich seltene Ausnahme in traditionell kanarischen Restaurants, die zwar nicht bio, aber immerhin mit regionalen Zutaten kochen. Positiv fällt mir das Restaurant El Chamo auf. Es liegt in La Escalona, etwa zwanzig Autominuten von Los Christianos entfernt in den Bergen. Wir essen süße kanarische Blutwurst mit Zimt und Rosinen, Kaninchen und Zickleinbraten. Dazu trinken wir einen Smoothie aus Kaktusfrüchten mit Aussicht auf die Küste.

Bio Lebensmittel kaufen im Einkaufszentrum

Teneriffas Hipermercados führen schöne Biowaren vom europäischen Festland. Auf Teneriffa Süd rühmt sich LIDL mit Linsensuppe im Glas und Kichererbsenchips. Bei Dialprix bekommt man saftige Biobeefburger und bio-Hühnerschnitzel in Freilandqualiät. Tu Trebols kleines aber feines Donatura bio Programm bietet Nüsse, Pistazien und bio Marmelade. Dieser Verbrauchermarkt in Los Christianos mit eigener Tiefgarage hat Regale mit europäischen Produkten nach Herkunftsland sortiert. Im „Aleman“ Regal entdecke ich Staatlich Fachingen stilles Mineralwasser.
Regionale kanarische Fische aus Wildfang bekommt man in größeren Mercadona Filialen an der Frischetheke. Die kanarische Kette HiperDino schmückt seine Flagship-Filialen mit einem EcoDino Regal. Im HiperDino vom hippen Einkaufszentrum Siam Mall kauft man Bio-Klassiker wie Reismilch, Quinoa und Rote Beete Pulver. Auch spanische bio Frischmilchprodukte aus La Mancha in der Glasflasche findet man hier, wahlweise von Kuh, Schaf oder Ziege.
Flaschenpfand ist nicht üblich. Die Milchflaschen werden von mir recycelt als Picknick-Behälter für frischen Tee oder selbst gemachte Limonade.
Den Biosupermarkt nach deutschem Vorbild gibt es auf Teneriffa nicht. Ein kläglicher Versuch wurde vor ein paar Jahren von HiperDino gestartet. Der erste und letzte EcoDino Markt wurde eröffnet in Santa Cruz. Es blieb bei einem Experiment. Längst hat er wieder geschlossen.

Cantero de Letur Biofrischmilch aus La Mancha in Glasflaschen entdecke ich bei HiperDino in der SiamMall nahe Playa de Las Americas. Auch Kefir und Joghurt von Schaf und Ziege bekommt man hier im Glas.

Ist es ökologisch sinnvoll, importierte bio Lebensmittel aus Europa im Hipermercado einzukaufen? Ich denke ja, sofern es sich um tierische Produkte wie Fleisch und Milch handelt.
Vegane bio Lebensmittel werden reichlich angebaut auf Teneriffa. Doch für bio Viehzucht gibt es derzeit nicht ausreichend Biofutter aus der Region. Es ist weniger belastend für die Umwelt, bio Fleisch und bio Milchprodukte zu importieren, als bio Futter. Folgerichtig habe ich während meines Urlaubs weder Milchprodukte noch Fleisch aus Teneriffa entdeckt, die bio zertifiziert gewesen wären – mit Ausnahme von Hühnerfleisch, denn bio Eier gibt es auf Teneriffa. Wo man Eier hat, schlachtet man auch Hühner.
Wäre die Lebensmittel-Situation vor Ort nicht ein guter Anlass, Basenfasten für seinen bio Urlaub auf Teneriffa Süd einzuplanen?

Bioladen und Herbolario auf Teneriffa Süd

Ein typischer Bioladen auf Teneriffa, ähnlich zum privaten Bioladen in Deutschland, liegt in Los Christianos unweit der katholischen Kirche. „La Botika De La Salud“ heißt das kleine Geschäft, es duftet nach Räucherstäbchen und frischem Kurkuma. Inhaberin Tere war Köchin in einem Pauschalhotel. Sie kennt die Marktlücke, die sich aufgetan hat zwischen Hotellerie und gesunder Ernährung auf Teneriffa. In ihren Regalen stapeln sich persönlich ausgewählte bio Produkte aus aller Welt. Dazu bietet sie eine liebevoll bestückte Auslage von regionalem bio Obst und Gemüse. Frische bio Eier und sogar lokales bio Hühnerfleisch kann Tere auf Anfrage bestellen. Sie liefert auf Wunsch ins Hotel.
Parkplatz gibt es keinen vor Teres Laden. Für sie ist es nicht so einfach, regionale Lieferanten zu finden. Wer als Produzent einen längeren Fußmarsch in Kauf nehmen muss, um Frischware anzuliefern, verkauft lieber an Supermärkte. Doch der gute Ruf von Teres Geschäft hallt weithin über die Insel. Als ich ihr Lädchen zum ersten Mal erkunde, zeigt ein junger Unternehmer aus Teneriffa-Nord Tere sein einzigartiges Produkt: glutenarmes bio-Brot aus Getreide von Teneriffa. Tere hat es in ihr Sortiment aufgenommen. Es schmeckt köstlich.

Das klassische Reformhaus gibt es auf Teneriffa zahlreich. Hier heißt es Herbolario, sinngemäß Kräuterladen. Typischerweise ist ein Herbolario privater Einzelhandel, meist betrieben von naturheilkundlich versierten Frauen. Bioplaneta in Adeje gehört Valeria, einer coolen Kräuterhexe. Sie berät ihre KundInnen persönlich und bietet Gesundheitscoaching an.
Im Herbolario findet man individuell sortierte, verpackte bio Ware: Tee, Kaffee, Gewürze, Noni Saft, Öle und Nahrungsergänzung. Dazu Marmeladen, Gerstengraspulver und Flohsamenschalen, Kokoswasser, Ökowaschmittel und einige Produkte aus Deutschland. So manches Herbolario hat seinen Kühlschrank gefüllt mit Margarine und Tofu-Produkten.

Markthallen von Teneriffa Süd

Markthallen sind die wichtigste Quelle für regionale bio Lebensmittel auf Teneriffa Süd. Die Produzenten-Tempel heißen agromercado oder mercado del agricultor. Den Bauern der Region werden sie zur Selbstvermarktung ihrer landwirtschaftlichen Produkte von den jeweiligen Gemeinden zur Verfügung gestellt. In Teneriffa Süd betreiben Adeje, Arona (Valle San Lorenzo), San Miguel de Abona und Granadilla de Abona (San Isidro) ihre eigene Markthalle.
Die Mercados finden statt an Wochenenden. Adeje hat zusätzlich Mittwoch nachmittag geöffnet.

Während Markthallen auf dem spanischen Festland oft historische Schmuckstücke traditioneller Architektur sind, sehen die Gemindebauten im Süden Teneriffas wenig romantisch aus. Es sind moderne Mehrzweckhallen, ohne Stuck oder Dekor. Indoor-Stände sind fest gebucht. Parkplatz, Cafeteria und Waschräume begleiten die Infrastruktur.
Bio Anbieter sind sichtbar gekennzeichnet, sie haben ihre eigenen Verkaufszonen. Verkäufer von Biowaren dürfen ihren Stand mit dem Label „Ecologico“ schmücken.

Agromercado Adeje

Wuselig und ab 10 Uhr morgens hoffnungslos überlaufen: Der beliebte Agromercado Adeje. Fünf Stände für bio Obst und Gemüse werden belagert von ökobewussten Urlaubern.

Die beliebte Markthalle von Adeje liegt direkt neben der TF1 in einem Gewerbegebiet, unweit von LIDL, Mercadona und HiperDino. Eine ganze Hallenreihe ist Bioständen gewidmet. Die Produzenten machen sich wenig Konkurrenz, jeder Verkäufer bleibt individuell. Manch einer setzt auf Salat und Kräuter, der andere auf Obst und Rüben, der Nachbar hat Melonen und Kürbis. Man kennt sich, man hasst sich, als bio Urlauber kann hier gut einkaufen. Allerdings sollte man vor zehn Uhr morgens vor Ort sein. Sobald die Sonne etwas höher steht, wird es in der Markthalle von Adeje unangenehm voll. Da muss man um so manche reife Mango schon mal kämpfen.
Alleinstellungsmerkmal: Manolos göttliches Obst. Bessere Mangos von alten Sorten habe ich in meinem ganzen Leben nicht gegessen. Sie sind klein, gelb und faserig, und sie duften himmlisch.
Lesen Sie mehr über Manolo im Kapitel bio Obst vom Mangokönig.

Mercado del Agricultor de San Isidro

San Isidros Markthalle unweit von El Medano wurde mir von Überwinterern empfohlen. Ihr Outdoor-Parkplatz ist meist überfüllt. Hier parkt Sheila mit einem Tanklaster für Quellwasser, ihr Vater versorgt die Insel mit mobilem Wasser aus Galerias. In eigene Wasserbehälter kann man günstig Wasser abfüllen lassen aus dem Tanklaster. Es schmeckt grauenvoll, ich würde es im Leben nicht ungefiltert trinken wollen. Wozu Menschen dieses Wasser kaufen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht als Gießwasser für Blumen auf dem Balkon?
Lesen Sie mehr über Trinkwasser auf Teneriffa.

Stände mit Bioware sind im hinteren Bereich der Markthalle aufgebaut. Endlich finde ich gelbe Kanarenbananen aus bio-Anbau! Schwer zu glauben, aber wahr: Ausgerechnet der Exportschlager der kanarischen Inseln, die Banane, ist in bio-Qualität nur schwer zu bekommen auf Teneriffa Süd. Wenn überhaupt, dann verkaufen bio-Stände in Markthallen unfreife Bananenbüschel in giftgrün. Ich lasse sie gelb werden auf dem Balkon unter einem Badetuch, in einer improvisierten Reifekammer. Doch unweit von El Medano sind die Bioproduzenten vorbereitet auf spontanen Biobananenhunger. Kommen Sie rechtzeitig, andere Leute haben ähnlichen Heißhunger auf reife Bananen wie Sie.
Alleinstellungsmerkmal: Handgehäkelte Topflappen, Untersetzer und Tischdeckchen aus Biobaumwolle.

Mercado del Agricultor de San Miguel de Abona

San Miguel de Abona bietet die räumlich größte Markthalle mit den meisten Ständen. Deren Außenwände sind hübsch bemalt mit Kitschmotiven von idealisierter Landwirtschaft. Ein sympathischer Zug, weithin sichtbar, ich fühle mich an Neo Rauch erinnert. Positiv fällt mir neben den Verkäufern von Bioware Fausto auf mit schulterlangen grauen Locken und ungespritzen Mandarinen ohne bio Zertifikat.
Alleinstellungsmerkmal: Damián, junger Gründer der Bodega Vento, hat hier seinen Flagship-Marktstand. Preisgekrönter bio Wein kann probiert werden, auch ohne Zusatz von Sulfiten. Seine Frau Toñi hält währenddessen in der Markthalle von Arona (Valle San Lorenzo) die Stellung.

Mercado Agricultor Arona

Nieves Moro verkauft bio Lebensmittel im Mercado del Agricultor Arona. Er liegt abseits vom Touristentrubel in Valle San Lorenzo eher ruhig, hier hat man viel mehr Platz beim Einkaufen als in den wuseligen Markthallen neben der Autobahn.

Die jüngste Markthalle der Insel eröffnete im Jahr 2017, im beschaulichen Örtchen Valle San Lorenzo. Die Gemeinde Arona, zu der auch Los Christianos gehört, wollte gerne ihre eigenen Produzenten fördern. Der Mercado Agricultor ist ein Musterstück von einer Markthalle. Autos parken schön kühl indoor. Ein Kinderspielplatz innerhalb der Markthalle erleichtert Eltern das Einkaufen. Und, oh Jubel, die Markthalle hat große und blitzsaubere Waschräume.
Hier finde ich preisgekrönten Biowein von zwei Bodegas. Nieves verkauft biologisch-dynamisches Gemüse, größtenteils ungeschwefelt.
Lesen Sie mehr zu Nieves im Kapitel bio Gemüse nach Demeter Vorbild.

Man gibt sich große Mühe seitens der Gemeinde Arona, um Kunden am Wochenende in den höher gelegenen Ort Valle San Lorenzo zu locken. Sogar ein kostenloser Marktbus wurde eingerichtet, er shuttled Touristen ökofreundlich von Playa de Las Americas über Los Christianos durch La Camella und Cabo Blanco bis Valle San Lorenzo und zurück.
Lohnt die Mühe? Einige Bauern sind skeptisch. Die Markthallen von Adeje, San Miguel und San Isidro liegen verkehrstechnisch günstig – direkt neben Abfahrten der Autobahn. Sie sind etabliert, die KäuferInnen drängeln durch die Reihen. Ist die entspannte und wenig überfüllte Atmosphäre in Valle San Lorenzo ein Nachteil? Ist sie nicht eher ein Alleinstellungsmerkmal?
In aller Ruhe klaube ich bündelweise Kräuter ein am Stand von Nieves Moro, als mir ein Kunde eine Schale Rucola Salat in die Hand drückt. Den soll ich probieren, rät er. Zoran ist sein Name, er stammt aus Kroatien, seit einigen Jahren schon lebt er auf Teneriffa. Was ich als Touristin denn hier mache, wundert sich Zoran. Dieser Ort ist eher von Insidern besucht. Ich fühle mich geschmeichelt. Vielleicht bin ich keine Inselinsiderin, doch Biofreak und Gesundheitsscout bin ich sehr wohl. Ganz richtig fühle ich mich hier.

Wochenmarkt auf Teneriffa Süd

Zahlreiche Gemeinden stellen ein bis zweimal pro Woche prominente Plätze in wechselnden Orten für einen Wochenmarkt zur Verfügung, Mercadillo genannt. Arona beispielsweise hat jeden Donnerstag die Uferpromenande oberhalb des Playa de Los Christianos für seine regionalen Produzenten reserviert. Menschen mit Einschränkung können hier gut einkaufen, denn der Markt ist barrierefrei erreichbar. Nieves Moro verkauft in Los Christianos bio Gemüse und Toñi besten bio Wein, auch ungeschwefelt.

Mein persönlicher Lieblingsmarkt ist der Mercadillo de Playa San Juan. Er findet jeden Mittwoch statt. Die Stände schmiegen sich malerisch an unzerstörte Lavaküste. Dennoch ist Markt mit dem Auto sehr gut erreichbar. Es führt eine brandneue Schnellstraße von der Autobahn TF 1 nach Playa San Juan. Von Los Christianos fährt man knapp zwanzig Minuten mit dem Auto. Mit etwas Glück findet man schnell einen Parkplatz in Marktnähe. Bio Obst und Gemüse kaufe ich bei Marian, Südfrüchte bei Jose Carlos, glutenfreies Bio Brot bei Bio Panacea, bio Wein von der Bodega Vento bei Toñi und die artgerechten Ziegenkäse von Diana dürfen auch in meinen Einkaufskorb.
Lesen Sie mehr über den Mercadillo de Playa San Juan im Kapitel bio konforme Pestizide.

Vegetarische bio Einkaufsliste

  • Glutenfreies Buchweizenbrot, Ziegenbrie und -Frischkäse, Äpfel und Paprika: Mercadillo de Playa San Juan.
  • Mangos, Limetten, Zitronen, Avocados, Physalis und Melonen: Agromercado Adeje.
  • Mandarinen, Wein: Mercado del Agricultor de San Miguel de Abona.
  • Kräuter, Salat, Tee, tropische Früchte und Ziegenfrischmilch: Mercado Agricultor Arona.
  • Alpiste, Tempeh, Olivenöl, Eier und Rote Bete Saft: La Botika De La Salud.
  • Kamut-Drink, Schafjoghurt und Olivenöl-Kartoffelchips: HiperDino Siam Mall.
  • Staatlich Fachingen Mineralwasser: Tu Trebol Los Christianos.

Bio Landwirtschaft auf Teneriffa Süd

Bio Obst vom Mangokönig

Manolo hatte es nicht leicht im Leben. Er wuchs auf als Bauernsohn einer konventionellen Finca in Cabo Blanco. So lernte er harte Arbeit auf dem Feld kennen. Später erfüllte er sich einen Traum: Er kaufte eine Immobilie in Los Christianos, darin eröffnete ein Shop für Luxus-Jeans. Einige Jahre lief das Business blendend. Dann kam die Krise. Manolo musste schließen.
Manolo besann sich sprichwörtlich auf seine Wurzeln. Mit einem Partner pachtete er eine bio Finca unweit von Adeje. Einige Jahre ging das gut. Dann grub ihm sein Partner das Wasser ab. Er kaufte dem alten Landbesitzer die Wasserrechte der landeigenen Quelle ab. Das Wasser verkaufte er teuer. Für die Felder von Manolo blieb nicht genug übrig. Manolo fing noch einmal neu an. Unterhalb der Finca seiner Kindheit stand bio Land zur Pacht zur Verfügung. Der Besitzer ist schon zu alt für die Bewirtschaftung. Seine Tochter pflegt ihn, sie wollte keine Bäuerin sein. Sie behielt nur privat einen kleinen Hühnerstall. Den Rest des Landes übergab sie vertrauensvoll an Manolo. Der krempelte die Ärmel seiner teuren Poloshirts hoch und ackerte, was das Zeug hielt.

Manolo bei der Feldarbeit: Bio-Anbau erfordert Fingerspitzengefühl, viel Wasser und Geduld. Manolo meistert alle Aufgaben mit unerschütterlicher Lebensfreude.

Große Teile der alten Beete sind verwildert, überwuchert von Unkraut. Steine liegen darin. Furche für Furche zieht Manolo in den trockenen Boden, um ihm Ware für den Markt abzutrotzen. Melonen und Salat wechseln ab in der Fruchtfolge.
Prächtige Zitronenbäumchen sind von Läusen befallen. Sie gehen nicht ein davon, erklärt mir Manolo, aber sie sind nicht „happy“. Die Blätter sind verkrüppelt. Ein paar mickrige Zitrönchen hängen an den Zweigen. Manolo düngt die Bäume liebevoll mit Ziegenmist, damit sie sich erholen können. Die Läuse bekämpft er mit mineralischem Schwefel. Ungern setzt er ihn ein, denn seine Augen brennen, sobald sie mit dem Schwefelgemisch in Berührung kommen.

„Silas“, Läuse haben Manolos Zitronen besiedelt. Manolo spritzt nicht Pestizide, sondern setzt auf die Selbstheilungskräfte der Pflanze: mithilfe eines ausgefeilten Bewässerungsautomaten, Mineralien und Ziegenmist.

Manolo hat Spaliere gebaut für Physalis. Schon bald werden die Kletterpflanzen reiche Früchte tragen. Zäune der bio-Finca nutzt er als Stütze für Maracuja.
Große Teile von Manolos Ernte landen derzeit noch auf dem Kompost. Als ich ihn besuche, liegt ein Berg Tomatenstauden mit halbreifen Früchten neben dem Eingang zum Gemüsegarten. Sie sind zu schnell gewachsen, es war zu heiß. Gleichzeitig hat Manolo die Wassermenge nicht richtig eingeschätzt. Die Tomaten schmeckten faulig. Auch das Pak Choi Beet sieht traurig aus. Bio Anbau erfordert Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung. Manolo nimmt die Risiken gerne in Kauf, denn er sieht insbesondere Vorteile der bio Landwirtschaft. Er kennt die Nachteile von konventionellem Anbau aus seiner Kindheit und möchte nicht, dass sein Sohn mit Pesiziden und Chemie aufwächst. Zudem hat Manolo die vielen Dauergäste auf Teneriffa im Auge. Die „Überwinterer“, die Rentner und die Auswanderer aus Deutschland, England, Russland. Sie bringen Geld und Bildung mit. Viele von ihnen ernähren sich sehr bewusst, manchmal sind sie kränklich und deshalb kaufen sie Bio.

Manolos Cherrytomaten landeten auf dem Kompost: Der Sommer brachte zu viel Hitze und zu wenig Wasser. Das vertrocknete Tomatenheu tauscht Manolo beim Ziegenhof Motesdeoca gegen Dung.

Mitarbeiter hat Manolo keine. Sein junger Sohn hilft ihm bei der Arbeit. Der ist leider wenig begeistert von seinem Job. Als Teenager hat er andere Sachen im Kopf als Landwirtschaft. „Den ganzen Tag hockt er auf dem Sofa“ jammert Manolo. Um den Jungen weg von der Playstation auf die Felder zu locken, engagierte er dessen Kumpel als Hilfskraft. Zu zweit bringen sie nun Musik aufs Feld. Im Takt von Popsongs aus dem MP3 Player werden junge Pflänzchen in frischen Ziegendung gesetzt.
Reich wird Manolo mit seiner Finca nicht. Doch sein Einkommen ist respektabel, es reicht für ein Häuschen unweit von Adeje. Die Preise für bio Obst und Gemüse sind deutlich besser. Und das muss auch so sein. Sonst könnte Manolo nicht überleben. Alleine für den Haufen Ziegenmist hat er schon 200 Euro hingeblättert. Das Wasser ist teuer. Die Bewässerungsanlagen sind teuer. Wenn Regen ausbleibt, wie in den vergangenen Jahren, wird der Anbau noch teurer. Dann muss Wasser zugekauft werden. „Staatliches Wasser ist schlecht für die Landwirtschaft“ findet Manolo. Da sind kaum Mineralstoffe drin. Noch komplizierter ist es mit Meerwasser aus Entsalzungsanlagen. Sie sind chemisch so rein, dass große Mengen bio-konforme Mineralstoffe beigemischt werden müssen.

Als Produzent verkauft Manolo seine Ware im Agromercado von Adeje. An Samstagen ist er immer persönlich vor Ort. Manchmal trifft man ihn auch Mittwoch und am Sonntag an. Manolo hat viel Stammkundschaft, reife Bananen sind im Nu ausverkauft.

Manolo verkauft seine bio-Ware auf dem Wochenmarkt in Adeje. Jeden Samstag und Sonntag, manchmal auch Mittwoch nachmittag. Oft bringt er Produkte von anderen Farmen aus dem Bergland mit: winzige Äpfel und herbe Orangen, gerne auch bunte Papaya.
Für Kenner hat Manolo eine Geheimwaffe: in seinem Obstgarten wachsen die aromatischsten Mangos der Insel. Es sind alte Sorten, sie sind zuckersüß und schmecken so, wie Gott sich das wohl vorgestellt hat, als er Mangos gemacht hat.
Manolo träumt von einem eigenen Gemüseladen. Sein ehemaliger Shop steht leer. Am liebsten würde er dort eine bio zertifizierte Fruteria aufziehen. Doch derzeit hat er davor noch Scheu – er sieht zu viele Probleme. Die Steuern wären dann viel höher. Er wäre abhängig von Urlaubszeiten. Und er müsste Mitarbeiter beschäftigen.
Sorgen bereitet Manolo die Zukunft des Landes: Es gibt so viele Grundstücks-Spekulanten. Unterhalb von seiner Farm wurden gerade wieder große Felder an Immobilienhaie verkauft. „Überall sind Lügner“, weiß Manolo. Ob der Besitzer seiner Farm dessem Land behalten wird, damit Manolo Pächter bleiben kann?

Bio Gemüse nach Demeter Vorbild

Nieves Moro und ihr Gatte Antonio bauen bio Gemüse an und Kräuter, auf einem Stück Grund südlich von Valle San Lorenzo. Ihre Felder bewirtschaften sie mustergültig: Vor zehn Jahren brachten deutsche Einwanderer ihnen bio Landwirtschaft bei. Österreichische Kollegen begeisterten sie für Düngung mit Mikroorganismen. Anteile an Teneriffas mineralreichem Stollenwasser lassen pralle Ernte sprießen. Erde für ihre Felder beziehen Antonio und Nieves aus dem Norden Teneriffas, Boden von natürlich gewachsenem Lorbeerwald. Gedüngt wird mit Ziegenmist. Plastikplanen gegen Unkraut sucht man auf den Feldern von Antonio und Nieves vergeblich. Ihre Arbeit ist mühsam – alles wird von Hand gesetzt, gejätet und geerntet.

„Wasser ist Gold!“ Antonio hat Glück: Ihm gehören Anteile an Stollen-Genossenschaften, er hat genug Wasser für die Pflege seiner Felder.

Die Mühe lohnt. Koriander und Petersilie duften mit Basilikum um die Wette in ihren Beeten. Salat ist knackig, mittelscharfe rote Paprika leuchten aus grünen Stauden. Der Grünkohl wächst so hoch, beinahe könnte man ihn für Kitschpostkarten als Kanarenpalme missbrauchen. Leider hat der Klimawandel auch vor Teneriffa nicht halt gemacht. Im Jahresmittel war es zu warm in den vergangenen Jahren, es hat auch deutlich weniger geregnet. Die Traubenernte blieb weitestgehend aus bei Nieves und Antonio.

Antonios bio-Grünkohl auf ‚Teneriffa. Er wächst meterhoch. Trauben konnte er jedoch kaum noch ernten.

Insektenplagen sind über die kanarischen Fincas hergefallen. Um Cherrytomaten und Calabacin zu retten, wird mineralischer Schwefel auf den Feldern eingesetzt gegen Läuse und Käfer. Schwefel als Pestizid ist in der bio-Landwirtschaft erlaubt. Auch Nieves und Antonio nutzen ihn, wenngleich sehr sparsam.
Besonders Trauben werden von Fraßfeinden befallen. Abgesehen von ein paar kleinen Beeren auf wilden Traubenstöcken tief in den Hängen des Teno-Gebirges habe ich auf der ganzen Insel Teneriffa keine einzige ungeschwefelte Weintraube entdeckt!
Als lebenswichtiges Spurenelement brauchen wir Schwefelverbindungen ausreichend im Körper. Sie unterstützten nicht zuletzt unser körpereigenes Entgiftungssystem. Doch mineralischer Schwefel, der nicht organisch gebunden vorliegt, kann Augen und Schleimhäute reizen.
Geschwefeltes Obst und Gemüse schmeckt auch schlecht, ich finde, solche Lebensmittel stinken ganz seltsam. Wasser allein wäscht bio Schwefelpulver nicht ab. Ich bekomme Hautausschlag davon, auch mein Magen rebelliert.

Antonios ausbalanciertes Bewässerungsystem erreicht jeden Quadratmeter Land. Alleine durch mineralreiches Galeria-Wasser werden Insekten schon ausgebremst. Seine Kräuter, Radieschen und Salatköpfe sind weitestgehend ungeschwefelt.

Als bio Landwirt auf Teneriffa muss man Balance schaffen zwischen gesundem Gemüse und verkaufbarem. Wer möchte schon Zuccini auf den Markt bringen, auf deren Schale seltsame Käferkreise eingezeichnet sind, oder perforierten Blattsalat?
Wenn ich Kundinnen und Kunden auf dem Markt beobachte, fällt mir oft auf, wie wählerisch die Leute sind. Sobald auch nur ein kleines braunes Blättchen von einem Salatkopf hängt, wird er zurück gelegt. Wir wurden jahrzehntelang verbildet durch hochgezüchtetes Supergemüse im konventionellen Handel. Wie lange wird es dauern, bis wir natürliches Wachstum von unbehandelten Pflanzen wertschätzen können?

Eine kleine Raupe Nimmersatt finde ich auf Nieves´ Basilikum. Ich nenne sie Heidi, eine Woche lang hat sie tough im Kühlschrank überlebt, und wegen ihrem sexy Hüftschwung. Wo kann ich Heidi aussetzen auf Teneriffa, damit sie ein schönes Leben hat?

Verkauft wird die Ware von Antonio und Nieves im Mercado del Agricultor von Arona in Valle San Lorenzo. Nieves betreibt den einzigen Stand für zertifiziertes Biogemüse in dieser jungen Markthalle, man findet sie ganz weit vorne in der ersten Reihe rechts.
Geschwefelt erschienen mir an ihrem Stand nur die zucciniähnlichen Calabacin, Karotten und frische Paprika. Salat und Kräuter wie Petersilie, Koriander und Basilikum hingegen sind unbehandelt bei Nieves bio Gemüse.

Kann man als überzeugter Biofarmer auf Teneriffa einen akzeptablen Kompromiss finden zwischen biologisch-dynamischem Anbau im Klimawandel und Kundengusto? Ich suche unperfektes Gemüse und Obst – je mehr Insekten sich darauf verwirklicht haben, desto lieber kaufe ich es. Schon meine Oma pflegte zu sagen: „Es ist gut, wenn Würmer in den Himbeeren sind, denn da ist kein Gift drauf.“ Wer denkt ähnlich auf Teneriffa?

Bio Pestizide auf Teneriffa

Guia de Isora lädt jeden Mittwoch ein nach Playa San Juan zum Mercadillo, dem offenen Wochenmarkt. In malerischer Kulisse am Abgrund schwarzer Lavaklippen reihen sich ein paar Lebensmittelstände gemütlich aneinander. Einige dürfen das kanarische Biozertifikat an ihre Marktplanen hängen. Grundlage ist das EU-Gütesiegel Ökologischer Landbau. Doch das bekannte grüne Blättchen mit EU-Sternen ziert auch importierte Produkte vom Festland. Nur wo der gelbe Sonnenball der Kanarischen Inseln leuchtet, ist kanarischer Boden drin.

Auch wenn die Sonne nicht scheint über Teneriffa, leuchtet die Ökosonne des kanarischen Biosiegels hell über dem Horizont.

Schwefel als Pestizid

Ich frage alle Verkäufer von Eco-Ständen auf den Mercadillo de Playa San Juan nach bio-konformen Pestiziden, die sie verwenden auf ihren Plantagen. Heimlich hoffe ich auf mickriges Gemüse ohne Zusätze. Marktteilnehmer empfehlen mir den Stand von Ana Rosa: Sie hat das beste Gemüse weit und breit, wird mir versichert. Finde ich bei ihr pestizidfreie Nahrungsmittel?

Schädlinge im bio Anbau auf Teneriffa, gegen die mineralischer Schwefel als Pestizid eingesetzt wird. Liste von Ana Rosa.

„Wenn du allergisch bist auf Schwefel, solltest du bei mir gar nichts kaufen.“ Ana Rosa baut Biogemüse an, prächtige Paprika und knackigen Salat. Überall setzt sie mineralischen Schwefel ein. Welche Tiere sind es, die Ana Rosa bekämpfen muss? Fünf Schädlinge fallen ihr spontan ein, lediglich ein Bruchteil dessen, was ihr Gemüse angreift. Wenn Ana Rosa nicht unmittelbar nach dem Einpflanzen Schwefel auf die Erde streut, bleibt von ihren Setzlingen nichts übrig. Ich bin dankbar für ihre Ehrlichkeit. Denn mein Magen akzeptiert Gemüse mit hohem Schwefelgehalt nicht. Woran liegt das nur? Auch Karotten oder Rüben soll ich vermeiden, rät mir Ana Rosa, falls ich als Allergikerin Schwefel nicht gut vertragen kann. Denn er bleibt nicht oberflächlich auf den Beeten liegen, sondern dringt tief in die Erde ein. Ob Schwefel als organischer Bestandteil der Ernte besser verträglich ist, als das Düngepulver an der Oberfläche?

Ist Gemüse mit erhöhtem Schwefelgehalt gesund? Ich bin unsicher. Einerseits ist Schwefel ein essentielles Spurenelement. Es entgiftet, stärkt und wirkt entzündungshemmend. Ich nehme organisch gebundenen Schwefel ein mit MSM, Methylsulfonylmethan, ein Nahrungsergänzungsmittel. MSM vertrage ich gut. Doch anorganischen Schwefel auf Gemüse nicht. Warum nicht?

Dr. Patrick Assheuer gibt Auskunft. Als Arzt für Naturheilkunde setzt er organisch gebundenen Schwefel ein zur Entgiftung und Regeneration seiner Patienten. Doch auch anorganischer Schwefel hat als Therapeutikum seine Verfechter. Herr Dr. Assheuer empfiehlt Lektüre von Publikationen des Naturheilarztes Dr. Probst. Von diesem wird anorganischer Schwefel eingesetzt zur Darmsanierung gegen Parasiten und schlechte Bakterien. Ist meine Überreaktion auf geschwefeltes Gemüse vielleicht das Symptom einer therapeutischen Wirkung im Sinne einer Erstverschlimmerung?
„Bei einer Schwefel-Unverträglichkeit liegt häufig Molybdän-Mangel vor“ erklärt Dr. Assheuer. Ich lasse mich testen. Tatsächlich findet sich bei mir ausgeprägter Mangel, den ich nun ausgleiche durch Molybdän Nahrungsergänzung.

Kieselgur als Pestizid

Juan Carlos verkauft bio-Mangos. Er schwört: Hier ist kein Schwefel drauf. Schwefel setzt er als verdünnte Lösung ein während der Mangoblüte, um die sensible Vorstufe der Frucht zu schützen. Später nicht mehr. Der weiße Belag auf den Schalen seiner Mangos, das sind keine natürlichen Hefen, ähnlich den Pelzchen auf guten Trauben, wie ich anfänglich vermute. Vielmehr sind es Rückstände von Mikroorganismen.

Bio Mangos von Juan Carlos auf dem Mercadillo de Playa San Juan. Der weiße Belag ist weder Schwefel noch natürliche Hefe. Juan Carlos setzt Schalen von Mikroorganismen ein als Dünger und Pestizid. Ist das gesund?

Sanft nehme ich eine Mango in die Hand und reibe sie ein wenig. Mineralischer Schwefel würde einen seltsamen Geruch entwickeln, sobald er mit der Feuchtigkeit meiner Haut in Berührung kommt. Bei Juan Carlos Mangos merke ich nichts davon. Meine Hand duftet nach ätherischen Ölen der Mango. Juan Carlos zückt sein Smartphone. Er zeigt mir Fotos von Präparaten, die er als Pestizid und auch als Düngemittel einsetzt. Tierra de Diatomeas micronizada steht auf einem Produktbild geschrieben. Was mag das wohl sein?

Juan Carlos verkauft neben Mangos Longan Früchte und seltsame Baumgewächse, die man als Badeschwamm verwenden kann. Er hat wenig Zeit. Seine neuen Schneidezähne für strahlendstes Verkäuferlächeln waren teuer beim Zahnarzt.

Diatomeen sind natürliche Meeresbewohner, man findet sie auch ohne Düngung in der Luft von Teneriffa, erzählt mir Juan Carlos. Leider hat er keine Zeit, mir präzise zu erklären, was für ein Pestizid das ist und was es im menschlichen Körper bewirkt. Sein Zahnarzt hat ihm erst gestern tausend Euro abgeknöpft für zwei neue Schneidezähne. Um das zu erwirtschaften muss er dreihundert Baumschwämme verkaufen, oder vierhundert Kilo Mangos. Eine Mammutaufgabe, kein Kunde darf ihm entgehen, weil er mit mir schwatzt. Juan Carlos empfiehlt mir für meine Recherche eine Website, bei der er Diatomeenerde kauft.

Diatomeen sind Algen. Ihre Schalen bestehen aus Siliziumdioxid und anderen Mineralien. Wenn sie absterben, bilden ihre fossilen Rückstände über lange Zeiträume dicke Krusten auf dem Meeresboden. Mit dem Rückgang der Meere werden sie freigelegt. Durch Druck und Fossilation entsteht Diatomeenerde. Sie wird abbaut und mikrofein vermahlen. Die geborstenen Schalen ergeben winzige scharfkantige Nadeln aus Kieselerde, Insektenpanzer werden dadurch aufgeschnitten.
Tierra de Diatomeas ist in Deutschland bekannt als Kieselgur. Es soll Hautreizungen beim Menschen verursachen können und Schleimhäute angreifen. Kein chemisches Pestizid, dafür ein mechanisches. Auch hier bin ich unsicher: Silizium ist wie Schwefel ein essentielles Spurenelement. Ich substituiere Silizium als Nahrungsergänzung mit Schachtelhalmpulver. Wie wirken Carlos Mangos auf mich, wenn über ihre Schale Diatomeenerde in meine Verdauungswege gelangt?

Dr. Patrick Assheuer weiß: „Kieselgur ist super!“ Diatomeenerde wird eingesetzt als Therapeutikum bei Parasiten, selbst für Kinder soll sie geeignet sein. Pilze, Hefe, Würmer und Amöben werden damit bekämpft. Auch basische Ernährung wird mit Kieselgur unterstützt, denn es enthält neben Silizium auch Mineralien wie Mangan, Magnesium, Eisen und Kalzium. Man soll auf Kieselgur in Lebensmittelqualität achten und Diatomeenerde nicht trocken einnehmen. Atmet man das Pulver trocken ein oder kommt es in die Augen, kann es Reizungen und Entzündungen verursachen.

Pestizidfreie Lebensmittel

Pestizide? Nicht in unserem Wein! Toñi repräsentiert den Familienbetrieb Bodega Vento. Mit Mann Damián und ihrer kleinen Tochter als Unternehmensberaterin stellt sie besten naturbelassenen Biowein her im Wohnhaus ihrer Schwiegermutter.

„Wir verwenden keine Pestizide auf den Trauben!“ Toñi von der Bodega Vento ist stolz auf ihren naturbelassenen Biowein.

Mineralischer Schwefel wird auf die Stöcke der Bodega Vento einmal im Jahr gesprüht, im Frühjahr während der Blüte. Die reifen Trauben werden nicht behandelt. Andernfalls würde die natürliche Gärung der Weine gestört.
Lesen Sie weiter im Kapitel bester bio-Wein von Teneriffa Süd.

Hoffnung auf naturbelassenes Obst und Gemüse schöpfe ich am Stand von Marian: Sie hat winzige Äpfel, löffelweiche Cherimoya und knackige Minipaprika. Streng bewacht sie ihre wertvolle Ware. Ein junger Mann drückt eine ihrer Mangos, um zu testen, wie reif sie ist. Sofort greift Marian ein. Sie verbietet dem neugierigen Kunden, die Früchte zu berühren. Vielmehr berät sie ihn persönlich und sucht persönlich eine essreife Mango aus für ihn. Währenddessen betatscht eine neue Kundin eine Cherimoya. NO!! schallt es entstetzt über den Markt. In letzter Sekunde kann Marian die sensible Frucht retten vor Quetschflecken.

Marian ist überzeugte Ökofarmerin. Sie verzichtet weitestgehen auf Pestizide, jätet selbst per Hand und düngt ausschließlich mit Naturprodukten.

„Ich dünge mit Pferdemist“ erzählt Marian trocken. Ursprünglich stammt sie aus England, lebt aber schon seit vielen Jahren als Farmerin auf Teneriffa. Marian ist überzeugt von ihrer Arbeit. Sie verzichtet auf Pestizide so gut und lange sie kann. Ich bitte darum, sie auf ihrer Finca besuchen zu dürfen. Begeistert ist Marian davon nicht. Sie hat wenig Zeit. Alle wollen schauen, aber niemand will dafür bezahlen, schimpft sie. Wir machen einen Deal: Wenn ich ihr beim Jäten helfe, darf ich eine Stunde lang kommen.

Marian im Ökoglück

Mein Sohn hat kein Interesse an der Arbeit als Farmer, aber er ist sehr stolz auf mich.“
Marian erzählt bewegt von ihrem Jüngsten. Als er sie kürzlich erst besuchte, bestätigte er ihr, wie wichtig ihre Arbeit ist. Denn Marian bereitet Böden auf und reinigt sie von Schadstoffen. Die Inhaberin von ihrem Pachtgrund wollte schon wieder den Preis für die Felder erhöhen. „Sie müsste mich bezahlen, nicht ich sie“ murrt Marian, denn tatsächlich wertet sie mit ihrer unermüdlichen Handarbeit das Land auf.

Was ist Unkraut, was ist Gemüse? Marian erklärt mir den Unterschied. Jede einzelne Pflanze wird berücksichtigt, als sie neues Farmland urbar macht.

Natürliche Mischkultur ist das Zauberwort für Marians Pflanzerfolg. Sie belässt natürliche Vegetation weitestgehend im Boden. Als ich ihr dabei helfe, „Unkraut“ zu jäten, verrät sie mir, wie ich die Wurzeln im Boden lassen kann, sodass sie weder neu austreiben, noch als wertvoller Dünger verloren gehen. Aufpassen muss ich auf Samen, sie sollen nicht auf den Boden fallen, damit nicht noch mehr von den kleinen Büschen sprießen, die ich eben ausgeschnitten habe. Eine wilde Artischockenart wächst auf ihrem Feld. Marian kultiviert die Blätter als Gemüse. Sie sollen erhalten bleiben und sich selbst vermehren.

Weinstöcke brauchen Schwefel, sonst bleibt nichts von ihnen übrig. Doch alle anderen Gemüsesorten von Marians Beeten sind so robust, dass sie genügend Abwehrkräfte gegen Schädlinge haben.

Bio-zertifiziert ist Marian derzeit nicht. Sie hat ihre frühere bio Finca verloren, ihr Exmann hat sie ihr abgeluchst. Doch Marian gab nicht auf. Sie pachtete neues Land unweit der Küste, wo sie Südfrüchte für Stammkunden anbaut. Zusätzlich fand sie den von mir besuchten zweiten Ort in etwas höhren Lagen, ideal für Gemüse und Trauben. Hydra Marian: Nimmt man ihr eine Finca weg, bebaut sie anschließend zwei.
Die vorgeschriebene Karenzzeit von drei Jahren für bio-Zertifizierung wird bald überstanden sein. Dann darf auch Marian ihre Ware schmücken mit dem Zertifikat des Ministeriums für ökologische Landwirtschaft der Kanaren.

„Du kannst gern ein Praktikum bei mir machen“ schlägt Marian vor. Doch die Unterkunft muss ich mitbringen, ein Zelt oder einen Wohnwagen. Denn Marians Steinhütte ist zu klein für zwei. Sie lebt ohne Strom. Ihr Smartphone, ihr „einziger Luxus“ wird am Akku von ihrem Auto aufgeladen.

Die Preise für Marians Obst und Gemüse sind mehr als moderat. Warum sie ihre wertvollen Produkte aus Handarbeit nicht teurer verkauft, will ich erstaunt von ihr wissen.
Es gibt vorgeschriebene Preisunter- und -obergrenzen für Lebensmittel auf Teneriffa. Sie dürfen nicht überschritten werden. Deshalb sind Marians Produkte, wenngleich de facto bio, derzeit noch unschlagbar günstig.

Bester bio-Wein von Teneriffa

Damián und Toni keltern besten bio-Wein auf Teneriffa Süd. Ihre Trauben kommen aus den Wolken. Unweit der hoch gelegenen Ortschaft Vilaflor tut sich die berühmteste Weinregion von Teneriffa auf. Feuchte Nebel streifen über Lavahänge, schön kühl ist es hier. Mehrere Bodegas teilen sich das Land.
Die Bodega Vento liegt südöstlich von seinem Anbaugebiet. Im Haus seiner Kindheit richtete Damián einen underground Garagen-Weinkeller ein. Er ist kanarischer Pionier auf dem Gebiet des Vin Naturel. Damián rockt. Bisher ist er Teneriffas einziger Winzer, der sich an ungeschwefelten Wein herangewagt hat.
Wein ohne Zusatz von Sulfiten herstellen ist aufwändig und schwierig. Nur beste Trauben dürfen berücksichtigt werden. Man braucht Fingerspitzengefühl und sprichwörtlich eine gute Nase. Feiner Weißwein aus alten Traubensorten ist entstanden, mit allen Aromen, die eine Teneriffatraube hervorbringen kann. Das volle Spektrum der Lava schmeckt man in diesem bio Wein, nur für Kenner.

Verkostung von Biowein in der Bodega Vento. Die Probe zieht Winzer Damián persönlich.

Nicht für Teneriffa-Touristen ist der Wein der Bodega Vento gemacht – die meisten Flaschen gehen ins Ausland: Nach Japan, China, in die USA. Diese Weine sind Insidertipps. Sogar der Sommelier vom weltbekannten Restaurant Noma war schon zu Besuch.
Nur ein kleiner Teil der Flaschen wird verkauft auf den Märkten von Teneriffa: An Wochenenden in der Markthalle San Miguel kann man Proben von Damián bekommen. Seine Frau Toni verkauft währenddessen in der Markthalle Valle San Lorenzo. Unter der Woche findet man Toni auf den Mercadillos von Alcala (Montag), Playa San Juan (Mittwoch) und Los Christianos (Donnerstag).

Damiáns stolze Mutter schält Bohnen aus dem hauseigenen Garten zwischen Gärungstanks und Erntebottichen.

Volle Unterstützung bekommt Damián von seiner Familie: Alle ziehen an einem Strang. Die familiäre Stabilität überträgt sich auf die Weine: Sie schmecken ganz fein, mit der vollen Bandbreite an Aromen ohne unerwünschte Alterungsnoten. Hier wird auch Damiáns und Tonis kleine Tochter groß, sie kann schon im Vorschulalter gute Trauben von schlechten unterscheiden.
Leider hat auch die Bodega Vento mit dem Klimawandel zu kämpfen: Es gibt immer weniger Wolken. Die Weinregion von Vilaflor wird trockener. Das macht sich bemerkbar bei der Traubenernte. Nur noch halb so viel Ertrag wie früher hatten die Weinstöcke der Bodega Vento im Jahr 2019.
„Wir müssen umdenken!“ ist Damián überzeugt. Lanzarote soll Vorbild sein für die Umrüstung traditioneller Wein-Anbauweise auf Teneriffa. Damián will wasserspeichernde Lavagruben für Weinstöcke errichten, die von Steinwänden geschützt sind. So soll sein Wein hohe Qualität halten, wenn nicht sogar noch besser werden.

Ein zweites Glas geht immer: Weißwein der Bodega Vento ungeschwefelt. Ein drittes auch, und auch ein viertes, bis die Lichtgemälde der untergehenden Sonne über Teneriffa Süd ausgegangen sind. Kopfschmerzen? Niemals von diesem Wein.

Kleiner Tipp an Weintrinker: Sulfit wird gereiftem Wein zugesetzt, um die Gärung zu stoppen. Schwefel tötet Hefen ab und auch Bakterien vor dem Abfüllen des Weins in Flaschen. So bleibt der Geschmack lange Zeit konstant. Der Wein reift nicht länger, kann also auch nicht „kippen“ zu Essig. Leider zerstört Schwefel den Geschmack einer natürlichen Traube. Er killt die Bandbreite an Aromen. Zudem kann man davon Kopfschmerzen bekommen.
Geschwefelter Wein schmeckt schon auch noch gut, Beerenaromen gehen daraus hervor. Aber letztlich sind solche Weine uninteressant für mich. Warum sollte mich fesseln, ob ein Wein mehr nach Erdbeere, Brombeere oder Stachelbeere schmeckt? Spannend wird ein Wein meiner bescheidenen Ansicht nach durch seine Herkunft, die man nur ohne zugesetzte Sulfite natürlich schmeckt.

Trinkwasser auf Teneriffa

Teneriffas Quellwasser

Sickerwasser aus dem Fels wird auf Teneriffa durch Lavastollen gewonnen, den sogenannten Galerias. Sie sind zumeist von privaten Initiativen gegraben, oder von Genossenschaften betrieben. Ihr Wasser ist reich an Kohlensäure. Diese löst Kalzium, Kalium und Magnesium aus dem Lavagestein.
Tausende Kilometer lang erstrecken sich Wasserleitungen als Versorgungsnetz über die Insel. Man sieht sie mit freiem Auge in den Berghängen. Bauern bewässern über diese Leitungen ihre Felder. Mineralien gehen ueber in regionales Obst und Gemüse.

Nord-Süd Wasserleitung von Galerias zu Anteilseignern, beobachtet oberhalb von Valle San Lorenzo.

Teneriffas Quellwasser enthält Mineralstoffe aus Lava. Neben gesunden Erdalkalimetallen wie Magnesium findet sich darin leider auch das bedenkliche Halogen Flour mit erhöhten Werten. Der Flourgehalt in Teneriffas Quellwasser ist so hoch, dass man es meiner Ansicht nach nicht ungefiltert trinken sollte. Denn Flour ist Gift für den menschlichen Körper. Es schädigt Knochen und Zähne, fördert neurologische Schäden und mindert die Intelligenz.
Viele Einheimische trinken Quellwasser. Ich sehe mich um in Tamaimo, einem Ort im Westen von Teneriffa, wo Quellwasser öffentlich verfügbar ist. Einige Bewohner fallen auf mit erschreckend schlechten Zähnen. In einer Bar in Tamaimo bestelle ich eine Tasse Kaffee. Ein bildhübscher Keeper bedient, etwa Mitte dreissig. Zarte Haut mit Sommersprossen trifft auf schwarze Haare und dunkle Augen, super süß. Er lächelt mich flirty an. Was unter seinen schön geschwungenen Lippen zum Vorschein kommt, ist … krümelig. Abgebrochen und braun.
Zufall? Schlecht geputzt? Auch sein Kollege sieht ähnlich aus. Ihm sind drei Schneidezähne auch schon ausgefallen.
Die Alzheimer Quote ist auf Teneriffa statistisch höher als auf dem spanischen Festland. Gedächtnisschwäche im Alter kann von Flour getriggert werden, denn Flour fördert Ablagerungen im Kopf.

Mineralwasser aus Teneriffa kaufen

Nicht alle, doch die meisten regionalen Mineralwässer aus Teneriffa im Handel haben erhöhte Werte an Flourid. Meistens sind die Analysen veröffentlich auf Etiketten der Plastikkanister, in denen sie käuflich erworben werden können. Solches Wasser würde ich nicht ungefiltert trinken wollen – nicht zuletzt wegen der Rückstände von Plastik nicht.

Trinkwasser ist ein großes Geschäft auf Teneriffa. Wasserbetriebe im Nordteil der Insel verkaufen ihr Quellwasser in Plastikflaschen und Kanistern. Von einem halben Liter bis acht Litern Füllmenge bekommt man dieses regionale Wasser im Supermarkt. Zu großen Pyramiden gestapelt sieht man die Kanister aufgetürmt.
Man sollte grundsätzlich kein Wasser aus Plastikverpackungen trinken, wegen der Weichmacher, Schwermetalle und Mikroplastikpartikel. Zudem sorgen die Unmengen von Kanistern für ein Müllproblem. Pfandsysteme gibt es auf Teneriffa zwar für die Gastronomie, nicht jedoch für Konsumenten, weder für Plastikverpackungen noch für Glasflaschen.
Fonteide Mineralwasser weist einen etwas niedrigeren Flourgehalt auf als andere Mineralwässer aus Teneriffa. Stolz bewirbt man diesen USP auf Etiketten mit dem Porträt von einem glücklichen Baby. Für die Gastronomie wird Fonteide in Glasflaschen kastenweise mit Pfand verkauft. Falls Sie Gelegenheit haben, Fonteide über Gewerbetreibende zu beziehen, wäre das meiner Ansicht nach eine akzeptable Trinkwasserversorgung für Ihren bio Urlaub auf Teneriffa.

Mineralwasser aus Europa kaufen

Die Alternative zu regionalem Mineralwasser wäre Plastikwasser vom spanischen Festland. Solan de Cabras beispielsweise ist sehr gutes Wasser aus einem Naturschutzgebiet 160 Kilometer östlich von Madrid. Es wird in leuchtend blauen Plastikverpackungen verkauft, man kann sie nicht übersehen im Supermarkt. Doch tut man seinem Körper damit wirklich Gutes?

Mineralwasser in Glasflaschen ist auf Teneriffa schwer zu bekommen: Nicht einmal das bekannteste Kaufhaus El Corte Jingles in Santa Cruz hat große Auswahl: Umgeben von Plastik findet man hier Vichy Catalan und Perrier mit Kohlensäure.

Mineralwasser in Glasflaschen vom europäischen Festland ist auf Teneriffa schwer zu finden. Sprudelwasser in der Glasflasche finde ich von Vichy Catalan in einigen Supermärkten, selten auch von Perrier (gesehen bei El Corte Jingles in Santa Cruz). Stilles Mineralwasser in der Glasflasche kaufe ich bei Tu Trebol: Staatlich Fachingen zu 1,79 Euro für eine 0,7 Liter Flasche.

Leitungswasser auf Teneriffa

Gemeinden liefern Leitungswasser an Haushalte. Quellwasser fließt übertag kilometerweit durch Leitungsrohre. Einige davon sind aus Eisen, manche aus Kunststoff oder Verbundstoffen. Alleine schon die Leitungen bergen ein gewisses Gesundheitsrisiko.

Parallel entstehen zunehmend Entsalzungsanlagen für Meerwasser. Leitungswasser auf Teneriffa ist eine Mischung aus mehreren Ressourcen, je nach Standort. Bevor das Wasser Haushalte erreicht, wird es gefiltert und Chlorung ausgesetzt. Zum Halogen Flour gesellt sich das Halogen Chlor, meist molekular gebunden als Chlordioxid – ein Radikal mit oxidierenden Eigenschaften.

Kleine Chemiekunde Halogene: Jedes Atom strebt Harmonie an durch ausgeglichene Verteilung von Elektronen in den Elektronenschalen. Die stabilsten Atome sind Edelgase, ihre Elektronenhülle ist ausgeglichen. Sie reagieren nicht mit anderen Atomen. Halogenen wie Flour, Chlor, Jod und Brom fehlt ein einziges Elektron zur vollkommenen Harmonie der Edelgase, ihren direkten Nachbarn. Deshalb sind sie besonders reaktionsfreudig. Sie benehmen sich wie hungrige Esel, denen man eine Karotte vor die Nase gebunden hat. Sie reagieren aggressiver als alle anderen Atome. Am liebsten binden sie sich an Elemente, die ein Elektron in der äußeren Schale übrig haben. Natrium beispielsweise. Die Hochzeit von Chlor mit Natrium heißt Natriumchlorid, Kochsalz. Als Elektronen-Akzeptoren sind sie säurebildend. Chlor und Jod sind essentiell für den Körper, beschleunigen in hohen Dosen jedoch Alterung und Zelltod.

Chlorid (das Ion in Verbindung mit Natrium) ist in kleinen Mengen lebenswichtig. Wir nehmen es auf über Kochsalz in Nahrung und Trinkwasser. Ohne Chlorid kann es keine Energieflüsse geben im Körper, es kommt zu neurologischen Störungen und zum Zelltod durch intrazelluläre Übererregung. Doch sobald man Chlorid in höheren Dosen im Körper hat, stört man damit das Ruhemembranpotenzial zwischen Muskel- und Nervenzellen. Neurologische Störungen wie Ängste, Muskelkrämpfe und Herzprobleme können die Folge sein. Die antibakterielle Wirkung von Chlor erstreckt sich zudem auf unseren ganzen Körper und stört unser Mikrobiom. So wird man chronisch krank und verrückt.

Prinzipiell wäre das Leitungswasser auf Teneriffa trinkbar ohne sofortige Gesundheitsgefahr. Potenziell toxisch wirkende Keime werden durch den Zusatz an Chlor vernichtet. Doch von diesem Genuss rate ich dringend ab. Weder zum trinken, noch zum kochen verwende ich Leitungswasser aus Teneriffa. Als meine Reisefreundin Maggy Süßkartoffeln auf den Tisch bringt, die sie in Leitungswasser gekocht hat, verderbe ich ihr den Appetit. „Aber Chlor geht doch nicht durch die Schale“ protestiert Maggy. Irrtum!

Kochen von Leitungswasser tötet Bakterien ab, jedoch lässt sich weder Flour noch Chlor damit restlos entfernen. Zwanzig Minuten lang Leitungswasser sprudelnd kochen entfernt Chlor teilweise durch Wärme und Belüftung des Wassers in die Raumluft. Auch Vitamin C Zusatz neutralisiert Chlor im Wasser. Doch vollständig bekommt man weder Chlor noch Flour aus Leitungswasser ohne Filter. Wer auf Teneriffa seine Gesundheit durch einen bio-Urlaub fördern möchte, sollte weder Wasser im Supermarkt kaufen, noch ungefiltertes Leitungswasser trinken. Vielmehr sollte man einen hochwertigen Wasserfilter nutzen, um Leitungswasser trinkbar aufzubereiten. Ich empfehle, vor dem Teneriffa Urlaub im Heimatland einen Filter zu kaufen und mitzubringen. Achten Sie darauf, dass Ihr Filter Flour und Chlor aus Wasser entfernen kann.

Wasserfilter auf Teneriffa kaufen ist kompliziert und teuer. Nur wenige Einheimische sprechen Englisch oder gar Deutsch. Kundenberatung für Touristen ohne Spanischkenntnisse im Fachhandel? Das ist selten. Die wenigen Filter, die vor Ort angeboten werden, erscheinen mir qualitativ auch nicht geeignet für die Filterung von Halogenen aus Trinkwasser.

Bio Milchprodukte auf Teneriffa

Bio Milchprodukte aus regionaler Viehzucht gibt es nicht auf Teneriffa. Es werden nicht ausreichend bio Futtermittel angebaut. Transport von bio Tierfutter vom Festland wäre zu teuer und wenig sinnvoll ökologisch. Es ist günstiger, Biomilch zu importieren. Im Kühlregal weniger Hipermercados kann man sie als Tourist frisch kaufen. Die bio Milchmarke El Cantero de Letur aus der spanischen Region La Mancha mit Frischmilch aus Glasflaschen sah ich bei Carrefour und HiperDino Siam Mall.

Doch nun die gute Nachricht: Teneriffas Berghänge ermöglichen kleinen Ziegenherden artgerechtes Dasein inmitten von Kräuterfarmen. Früher hatte fast jede einheimische Familie ein bis zwei Milchtiere. Mit den EU-Regulatorien wurde das zu kompliziert. Weidehaltung auf den Hängen des Teide wurde teilweise verboten, große Regionen von Teneriffa stehen heute unter Naturschutz. Ohrmarken, Impfungen, Kosten für den Tierarzt, Naturschutz … die Einwohner haben ihre privaten Tiere weggegeben. Milchwirtschaft bleibt auf Teneriffa professionellen ProduzentInnen überlassen, und sei der Betrieb auch noch so klein.

Carmens Ziegenfamilie

Ziegen und ihr Käse funktionieren in Teneriffa wie Tauschwährung. Eindrucksvoll lerne ich die Macht von Käse in einer gesunden Dorfgemeinschaft kennen. Carmen kam vor einigen Jahrzehnten mit ihrem Mann aus La Gomera nach Teneriffa. Sie versorgte die ganze Region mit Ziegenkäse von frei weidenden Tieren. Seit dem Tod ihres Gatten kümmert sie sich allein um rund hundert Ziegen. Als verspielte Herde mit Mutter, Vater und vielen Zicklein leben sie in einer Koppel auf Lavaerde.

Kanarischer Ziegenkäse, echte Handarbeit von Carmen auf Teneriffa.
Stolz zeigt mir Carmen zwei große, frische Käselaibe. Sie hat alles selbst gemacht – die Ziegen hat sie gemolken, die Milch verarbeitet, den Käse in Formen gepresst … jetzt tut ihr Rücken weh. Tapfer lässt sie sich die Schmerzen sich für das Foto nicht anmerken.

Unterstützt bei ihrer Arbeit wird Carmen von Nachbarn und manchmal auch ihren Kindern. „Mir tut alles weh“ klagt sie, auf ihren schmerzenden Rücken zeigend – „nur die Zunge nicht“. Carmen lacht laut. In ihrer winzigen Molkereibaracke neben der Ziegenkoppel macht sie täglich frischen Käse. Bis zu zehn Laibe gewinnt sie aus der Milch. Mit einer Krücke schleppt sie die frischen Käse in einen kleinen Laster und fährt damit zu ihrer Wohngarage.

Es warten schon sieben Nachbarn, als Carmen aus dem Auto humpelt. Neben ihrem Wohnhaus hat sie eine Garage als Wohnküche, Käseladen, Cafeteria, Lagerraum und soziokulturellen Treffpunkt eingerichtet. Ich fühle mich willkommen geheißen in einem Gesamtkunstwerk. Carmen öffnet ihr Refugium, alle sind willkommen. Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen – mit einem guten Schuss euterfrischer Ziegenmilch. Carmen kocht sie in einem alten Milchtopf – die gelbe Kruste am Rand ist schon zentimeterdick. Feierlich öffnet Carmen ihren Käsekühlschrank. Stück für Stück reibt sie die Frischkäselaibe liebevoll trocken. Sie werden in Küchentücher verpackt, bevor sie einzeln in Plastiktüten wandern. Jeder Besucher darf einen Käse kaufen. Ob Carmen auch für mich einen hat? Oh je, nein, alle Käselaibe sind vorbestellt. Wirklich? Alle?

Soziokultureller Teffpunkt Wohngarage: Carmen verbindet Ziegenkäseverkauf mit Kaffeekränzchen und Regionalfunk.

Ich bitte um ein Glas Frischmilch. Carmen macht große Augen. „Crudo?“ Fast ängstlich blickt sie in die Runde. Jemand will freiwillig rohe Ziegenmilch trinken, das erscheint unheimlich für sie. Nickende Köpfe geben den Anstoß: Carmen schenkt mir eine Tasse euterwarme Milch ein. Sie schmeckt köstlich süß und sahnig. Sie macht fröhlich. Ein bisschen Zickleinspucke schwimmt hoffentlich noch darin. Das regt Glückshormone an.

Ob das denn Biomilch ist, will ich gerne wissen. Naja, fast. Den Ziegenmist liefert Carmen an Biobetriebe, als Dünger. Sie bekommt im Gegenzug übrig gebliebenes Grünzeug. Carmen füttert ihre Ziegen aber auch mit Bananen vom Nachbarn ohne bio-Zertifikat. Es gibt Probleme mit Grünfutter. Der Regen wird schon seit Jahren immer weniger. Carmen bekommt zu wenig frische Grünpfanzen für die Ziegen. Sie muss Getreide zufüttern. Das ist nicht bio. Die Ziegen haben deswegen auch weniger Milch.

Alles picobello: In Carmens Minimolkerei gibt es kein Krümelchen Schmutz. Welches Wasser nutzt Carmen für den Abwasch? Womit putzt sie ihre Werkzeuge?

Zum Abschied bekomme ich doch einen halben Ziegenkäse. Er schmeckt sehr frisch und fein. Ein Hauch Chlor bleibt auf der Zunge. Teneriffa und Chlorreiniger, das ist eine Liebesgeschichte. Fast scheint das Aroma zum guten Geschmack der Insel zu zählen. Sauberkeit und Hygiene stehen ganz weit oben im sozialen Ansehen. Sobald Carmen ihre frische Milch zu Käse verarbeitet hat, wird alles peinlichst gereinigt. Kommen so kleine Reste vom Chlorreiniger in den Käse? Oder vielleicht Chlor aus Leitungswasser? Niemanden stört es.

Carmens kreativ gestaltete Ziegenfarm ist tierfreundlich und ressourcenschonend gleichzeitig. Doch leider hat Carmen keine Nachfolger. Ihre Kinder interessieren sich nicht sehr für die schwere Arbeit. Immer wieder hat Carmen schon angekündigt, dass sie ihre Ziegen verkaufen wird. Wo werden die Tiere unterkommen, wenn Carmen eines Tages die gewichtigen Käselaibe nicht mehr tragen kann?
Carmens Adresse darf ich in meinem Artikel nicht verraten. Sie hätte sowieso keinen Käse für Touristen – ihre rare Ware geht restlos in die Dorfkultur ein.

Dianas preisgekrönter Ziegenkäse

Diana ist Ziegenfarmerin aus Leidenschaft. Ihr Land liegt in Tamaimo, einem felsigen Ort unweit der Küste im Südwesten Teneriffas. Dianas Ziegenherde darf sich artgerecht austoben in den Felsen ober ihrem Stall. Während der ärgsten Mittagshitze bleiben die Tiere unter Dach in einer offenen Koppel. Futterkrippen stehen auf dem Gelände, darin Basilikumstauden und Heu. Hinter Wassertrögen legen freilaufende Hühner ihre Nester. „So möchte man Ziege sein“, finde ich, als ich die Finca La Pasada besuche, um mir das einmal anzusehen.

Im Gastraum der hofeigenen Minimolkerei kann ich Zertifikate bewundern von Preisen, Diana hat sie gewonnen für ihre hochwertigen Ziegenkäse. Sie stellt Ziegen-Camembert her und Brie, Frischkäse, Hartkäse und Räucherkäse. Ich kann Ziegen-Frischmilch bei Diana ab Hof kaufen, gerade erst gemolken und unbehandelt. Als ich unangemeldet zu Besuch komme, ist man nicht vorbereitet. Abgefüllt wird die Milch in gebrauchte Plastik-Wasserflaschen. Das geht natürlich gar nicht. Nächstes Mal werde ich schlauer sein und eigene Glasflaschen mitbringen.

Frischmilch von Ziegen schmeckt sehr gut – sie ist bestens verträglich. Nach „Ziege“ riecht sie kaum. Ich trinke die Milch ungekocht, nie bekomme ich Durchfall. Sie ist bestens haltbar. Erst nach einer Woche im Kühlschrank wird die Milch säuerlich. Sie schmeckt dann sogar noch besser. Flüssig, leicht spritzig, mit einem Löffel von Manuels Teneriffahonig, ist die saure Ziegenmilch ein köstlicher Frühstücksdrink – die gesunden Bakterien der rohen Milch schützen vor schlechten Keimen und fermentieren die Milch, bis sie dickflüssig wird.

Ziegenbrie der Finca La Pasada, präsentiert auf dem Mercadillo de Playa San Juan, jeden Mittwoch von 9:00 bis 14:00 Uhr. Rechtzeitig kommen, die Ware ist rar!

Ihre Ziegenkäse verkauft Diana jeden Mittwoch auf dem Mercadillo von Playa San Juan. Gerne will ich ein Porträtfoto von Diana schießen, als ich sie an ihrem Marktstand besuche. Doch die junge Frau ist zu schüchtern. Ich mache ihr Mut, betone ihre Bedeutung als Vorbild für andere junge Frauen, einem coolen Business nachzugehen. Doch Diana weigert sich hartnäckig. Ihren Käse, den darf ich aber gern fotografieren, erlaubt sie mir fröhlich. Und auch ihr Ehegatte stellte sich gern zur Verfügung für ein Porträt von ihrem gemeinsamen Geschäft.

Leider kann ich Ihnen keine Fotos von Dianas glücklichen Ziegen zeigen. Meine Kamera wird ein paar Tage später gestohlen, mitsamt allen Bildern, während einer Rast mit dem Auto auf einer Tour durch die Berge. Räubertourismus hat Einzug gehalten auf Teneriffa. Diebesbanden landen mit dem Flugzeug als Gäste, um ebendiese zu bestehlen. Nicht die Einheimischen sind dafür verantwortlich. „Jeden Tag werden hier weggeworfene Taschen abgegeben“ erzählt mir ein genervter Gastronom. Er kennt die Route, die Diebe nehmen, um für sie wertloses Diebesgut in die Natur zu entsorgen. Als wir eine Stunde lang erfolglos nach meiner Tasche suchen sammeln wir stapelweise verwitterte Ausweise aus Gräben neben der Straße. Die Polizei ist weitestgehend machtlos. Schützen kann man sich durch Umsicht. Dabei bitte die Kirche im Dorf lassen und nicht übertreiben, sonst ist die Urlaubstimmung verdorben. Falls doch einmal etwas gestohlen wird: Behalten Sie Ihren Optimismus. Ärger macht alt. Lassen Sie wichtige Wertsachen einfach zu Hause und melden Sie den Diebstahl ihrer Reiseversicherung.

Alpiste – die beste bio Milchalternative von Teneriffa

Die beste vegane Milch-Alternative von Teneriffa ist ein Drink aus Alpiste. Der Auszug von Kanariengras Samen schmeckt weich und ein bisschen ölig. In Deutschland ist Alpiste Milch unbekannt. Wir verwenden Alpiste Körner als Tierfutter für Kanarienvögel. In Spanien jedoch hat man Alpiste entdeckt als gesunde und glutenfreie Alternative zu Hafer. Alpiste Zubereitungen im Tetrapack bekommt man in ausgewählten Reformhäusern. Alpiste-Körner führen manche Herbolarios für Insider unter der Ladentheke. Auch Tere von der Botika De La Salud hat Alpiste Körner im Programm. Sie kennt das Geheimrezept für selbstgemachte Alpiste Milch. Fragen Sie einfach danach.

Fisch aus regionalem Wildfang kaufen

Wer hat in Teneriffa die besten Informationen über Land und Leute? Die deutsche Friseurin Ingrid in Los Christianos. Ingrid kennt jeden und weiß alles. Sie lebt schon seit zwanzig Jahren auf Teneriffa. In den Norden wollte sie nicht, er war ihr zu deutsch. Da hätte sie gleich in Düsseldorf bleiben können. Doch im Süden fühlt sie sich pudelwohl. Gerne gibt sie Tipps an ihre Stammkundinnen weiter.
Wo kann ich frischen kanarischen Fisch bekommen?“ Während Ingrid meine meerwassergebleichten Spitzen faconniert, hoffe ich auf Infos über geheime Anlegeplätze. Regionale Fischer möchte ich finden, die ihre fangfrischen Waren des Tages verkaufen.

Der Mercadona hat guten Fisch“ weiß Ingrid.

Mercadona? Die größte Supermarktkette von ganz Spanien! In den Mercadona-Regalen von Teneriffa finde ich keine bio-Produkte. Da soll es frischen, kanarischen Atlantikfisch geben?
Es kommt auf die Fanggebiete an, erklärt Ingrid. FAO 27 bis 41 sind in Ordnung: Atlantik und Mittelmeer. Teneriffa ist FAO 34. Alles andere kann man vergessen, schimpft sie. Fisch aus dem Pazifischen Ozean? Nein danke! Alles verseucht. Auf Dorada und Lubina verzichtet Ingrid auch, auf Lachse sowieso. Sie kommen aus Fischzuchten. Die großen Zuchtbecken im Meer kann man sogar sehen vor der Küste von Teneriffa, wenn man weiß, wo sie sind. Aber warum der Mercadona?

Unweit vom Hafen von Los Christianos stehen ein paar Verkaufsbüdchen. Drei Ständchen mit Fisch locken Touristen an. Ich hatte gedacht, das sind Fischer von Los Christianos. Doch Friseurin Ingrid raubt mir alle Illusionen. Hier wird Weltware aus Santa Cruz verkauft. Montag ist Ruhetag.

Fischhütten am Hafen von Los Christianos wirken authentisch. Bekommt man hier keine Ware von Fischern aus Los Christianos? Ingrid verneint. Das sind keine Fischer, die in diesen Büdchen ihren Fang anbieten, sondern Händler. Sie kaufen ihre Ware in Santa Cruz. Da ist alles dabei. Die Verkäuferinnen sprechen nur Spanisch und sie lügen, warnt Ingrid. Erst neulich hat sie herausgefunden, dass angebotene Fische aus FAO 34 in Wahrheit aus dem Pazifik kommen. Bei ihrem Mercadona hingegen gibt es zwei nette Verkäuferinnen, die sind ehrlich, ist Ingrid sicher. Für sie als Stammkundin wird auch gerne ein Stück auf die Seite gelegt, wenn schöne FAO 34 Fische hereinkommen.

Friseurin Ingrid glaubt an das saubere Klima von Teneriffa und die gute Qualität der Meeresbewohner. Doch auch hier bleibt man nicht verschont von Luftverschmutzung. Die Abgasschwaden über dem Hafen von Los Christianos von Inselfähren sieht man stündlich mit bloßem Auge.

Ein großer Mercadona findet sich neben Adeje, er liegt in einem eher uncharmanten Industriegebiet. Ich will es genau wissen: Wie sieht die Fischtheke in diesem Einkaufstempel aus?
Wunderschöne blaue Augen auf Eis leuchten mich an. Unter dem Schildchen „Variado Canario“ werden fangfrische regionale Fische angeboten. Pipifein sieht es hier aus, alles ist sauber und frisch. Ich entscheide mich für Caballa Estornino, eine kanarische Makrele. Sie ist schön klein, passt gut in meine Appartment-Pfanne. Wen auch immer ich frage auf Teneriffa – wie aus der Pistole geschossen sagen mir die Einheimischen: Guten Fisch hat Mercadona. Respekt! LIDL, nimm dir ein Beispiel.

Mercadona-Ware: Ofenmakrele. Man nehme eine Pfanne, vier Makrelen, etwas Olivenöl, fünfzehn Minuten in den Ofen bei 180 Grad, fertig.

Was passiert mit den fangfrischen Fischen der kanarischen Fischer? Sie sind größtenteils vorbestellt von Restaurants, seufzt Ingrid. Da kommt man als Tourist nur in zubereiteter Form heran. Und Restaurants? Die Fischrestaurants in Los Christianos und Playa de las Americas findet Ingrid viel zu teuer. Guten, fangfrischen Fisch isst sie im Fischerdörfchen San Miguel de Tajao und in Las Galletas.

Fisch kaufen in Las Galletas

Unscheinbare weiße Büdchen finden sich entlang der Einfahrtstraße in las Galletas. Sie sind bestimmt für Fischer. Jeden Morgen ab acht Uhr stehen regionale Fische bereit für den Verkauf an Privatpersonen. Ich bin zu früh, es ist erst sieben Uhr.

Wo es Fischer gibt, sollte man auch frischen Fisch kaufen können, hoffe ich. Noch vor Sonnenaufgang springe ich in mein kleines Urlaubsauto. Ich fahre nach Las Galletas, von Los Christianos aus braucht man eine knappe Viertelstunde auf der Landstraße. Die blaue Stunde erhellt meine Ankunft an der Südküste. Frühe Bars haben schon geöffnet, ein einsamer Surfer wartet auf einem Felsen auf Licht. Ich gönne mir einen Americano, er schmeckt nach alten Schuhen, und frage am Tresen nach Fischern. Niemand spricht Englisch, mit etwas Mühe kann ich mich verständlich machen. Ein nettes Bargirl zeigt mir verschlossene Fischerbüdchen, sie warten entlang der Landstraße auf ihre Öffnungszeiten. Woher kommen die Fischer? Wo sind ihre Boote?
Ich höre metallisches Rumpeln, es scheppert aus Richtung Hafenpromenade. Ein Einkaufswagen rollt das Pflaster entlang. Darin glänzen dicke Thunfische. Hola, rufe ich dem Mann zu, der den Einkaufswagen schiebt. „Sind das Fische für ein Restaurant?“ No, no, winkt der Mann ab. Er heißt Angel. Die Fische hat er gerade gefangen – für den Verkauf in seinem Marktstand. Ab acht Uhr kann ich kommen.

Hola, sind das Fische für ein Restaurant? „Was will die Frau, wer ist sie und warum fotografiert sie mich?“ Angels skeptischer Blick gilt meiner Kamera. Ich erkläre „articulo, internet, vida sana, Teneriffa“.

Angel fährt jede Nacht aufs Meer. Drei, vier, auch mal acht Stunden fischt er. Jeden Tag öffnet er seinen Marktstand, Sommer wie Winter. Heute hat er neben prächtigen Thunfischen auch zwei glänzende Petos mitgebracht. Einen kräftigen Kiefer haben sie, mit scharfen Zähnen. Raubfische offensichtlich. Wahoo heißt der Fisch in deutscher Sprache, ein Stachelflosser aus der Familie der Thunfische. Sehr erfreut. An seinem kleinen Stand filetiert Angel die Petos. Blut spritzt in alle Richtungen. Köpfe und Nackenstücke legt er beiseite. Ob ich daraus Fischsuppe machen kann? Aus den Köpfen der Petos schon, meint Angel, und zerhackt mir die harten Köpfe in kochbare Stücke. Vorher scheucht er mich weg von seinem Stand, damit mich kein Knochensplitter trifft. Ich bezahle vierzehn Euro für einen Riesensack Fischkopfstücke. Das sollte reichen für ein Festessen mit vier Personen. Ein kleines Thunfischfilet schenkt mir Angel dazu, als Kostprobe.

Angel ist Fischer in Las Galletas. Schon seine Großeltern waren Fischer, auch seine Kinder treten in die Fußstapfen der Vorfahren. An seinem Stand neben der Strandpromenade filetiert er einen Peto, auf Deutsch heißt der Raubfisch Wahoo. Kopf und Nacken des Peto hat mir Angel für Suppe vorbereitet.

Neben Angel verkauft seine Kollegin Juana Makrelen und Sardinen. Ob sie auch Fischerin ist, will ich wissen. Juana lacht. Sie fährt nicht auf das Meer. Sie ist Händlerin. Sie kauft den Fischern ab, was die Restaurants übrig lassen und bringt kleine Fische auf den Markt. Auch ihre Ware hat Fans, schnell sind die Sardinen ausverkauft. Ob es Fischerinnen in Las Galletas gibt? Eine Frau hat wohl ein eigenes Boot, erfahre ich. Fischen für eine Frau, das ist hier eher nicht üblich. Die schweren Trümmer von zappelnden Fischen muss man erst einmal in das Boot gehievt bekommen, dafür braucht man Muskeln.

„Ist Angel dein Mann?“ Juana grinst. Sie ist selbstständig als Fischhändlerin, Angel ist ein netter Kollege. Sardinen verkauft sie, und Makrelen. Sie bekommt ihre Ware von Fischern aus Las Galletas.

Im Internet finde ich ein Rezept für kanarische Fischsuppe, mit Lorbeer und Weißwein. Mal sehen, was das wird, mit dem Kopf vom Wahoo. Klingt irgendwie nach High Speed Performance, dieser Fisch.
Was hätte Angel mit dem Fischkopf gemacht, wenn ich ihn nicht gekauft hätte? Innereien aus dem Peto wirft er hungrigen Möwen vom Strand in den Schnabel, sie fangen die blutigen Fetzen noch im Flug. Doch die meisten Reste, die sich nicht filetieren lassen, landen in einer Tonne mit dickem, grauen Müllsack. Ist das alles Basura? Gegenüber vom Markt wartet ein dunkler Container. Könnte man die wertvollen Proteine nicht verwerten als Tierfutter?

Bio Fischsuppe mit regionalen Zutaten aus Teneriffa Süd

Teneriffa bio Abendessen für vier Personen: Kanarische Fischsuppe aus dem Kopf eines Peto, Salat mit Koriander, ungeschwefelter Weißwein und Limonade, dazu Kartoffelchips. Zum Nachtisch gibt es Obst.

Hauptspeise: Kopf und Nacken eines Peto vom Fischmarkt Las Galletas (täglich). Paprikapulver, Pfeffer, Olivenöl, gelbe Zwiebeln und grobes Meersalz von Tere aus der Botika de Salud in Los Christianos. Mittelscharfe Paprika, Petersilie, Lauch und Lorbeerblätter von Nieves´ Marktstand im Mercado del Agricultor Valle San Lorenzo (Samstag/Sonntag). Süßkartoffeln von Manolos Marktstand im Agromercado Adeje (Samstag/Sonntag). Tomatenpassata aus dem Glas von Carrefour in Santa Cruz.
Beilagen: Grüner Salat mit Koriander und Paprika, alles von Nieves aus Valle San Lorenzo. Den Rotweinessig für den Salat fand ich im Bioregal von Tu Trebol. Olivenöl-Kartoffelchips von Carrefour.
Getränke: Ungeschwefelten bio Weißwein aus der Bodega Vento entdeckte ich auf dem Wochenmarkt von Los Christianos (Donnerstag). Die Limonade besteht aus seltenen gelben Limetten, erkämpft bei Manolo im Agromercado Adeje. Dazu Pfefferminze und Rosmarin von Nieves, Mercado del Agricultor Valle San Lorenzo. Deutsches Mineralwasser von Staatl. Fachingen aus der Glasflasche von Tu Trebol.
Nachtisch: Granatäpfel und gelbe Orangen von Manolo, Agromercado Adeje. Avocados und Guaven von Carlos´ Finca Niguaria, Markthalle Valle San Lorenzo. Mangos von Jose Carlos aus Guia de Isora, gekauft am Wochenmarkt von Playa San Juan (Mittwoch).

Fischrestaurant Geheimtipps

San Telmo, Ausgehparadies von Los Christianos, hat einige hübsche Lokale. Angetan bin ich von der schönen Aussicht im Fischrestaurant Sal Negra. Sonnenuntergang über dem Meer kann ungestört bewundert werden bei Speis und Trank. Als eingefleischte Weizenvermeiderin wünsche ich mir Minitintenfische – gegrillt, nicht gebacken. Der Kellner versteht mich nicht. Er holt den Koch. Der Koch rät mir ab. Er kann schon Minitintenfischchen grillen, aber das schmeckt nicht, findet er. Ob ich lieber die Chocos möchte, die kann er auf den Grill legen. Ich bestehe auf Minitintenfische, bekomme sie glutenfrei in der Pfanne zubereitet und bin glücklich: Es schmeckt wunderbar.
Woher das Restaurant seine Ware bezieht, will ich neugierig wissen. Der Kellner fragt den Koch, der Koch fragt den Geschäftsführer, der Geschäftsführer ruft den Händler an: Er liefert Weltware vom Hafen in Santa Cruz.

Teneriffa Fisch im Restaurant essen

Der kanarische Fisch Cherne hat weißes, saftiges Fleisch. Ein großer gegrillter Fisch reicht für drei bis vier Personen. Im Restaurant Abordo in Los Christianos haben sich ein paar fesche Damen für die kanarische Spezialität aus der Fischtheke entschieden.

Los Christianos hat feine Fischrestaurants, die sich kanarischen Fisch aus Wildfang auf die Fahne schreiben. Sie liegen im Zentrum unweit vom Hafen. Im Restaurant Abordo probieren wir kanarischen Cherne, einen ganzen Wrackbarsch gegrillt. Alles schmeckt wunderbar, der Preis ist salzig: Pro Kilo Fisch im Ganzen werden 36 Euro aufgerufen. Auch die Rosada von den Gewässern Teneriffas geht hübsch ins Geld, Beilagen sind extra. Die Bedienung ist exzellent und versteht unsere Wünsche, alle Getränke sind frisch, das Ambiente hübsch – man kann sich so ein Festgelage schon einmal gönnen.

Las Galletas wirkt im Vergleich zu Los Christianos wenig touristisch. Die Küste ist naturbelassen schwarz und felsig. Wenige Surfer tummeln sich zwischen den Felsen. Ein Restaurant neben dem anderen wartet entlang einer malerischen Uferpromenade auf fischhungrige Touristen. Ich wähle ein wenig aufregendes Plätzchen auf der Veranda von einem unscheinbaren Fischrestaurant mit Blick auf den Sonnenuntergang. Der Kellner könnte der Besitzer des Lokals sein. Stolzgeschwellt bringt er uns die Karte. Sie ist in fünf Sprachen verfasst. „Wir möchten gerne frischen kanarischen Fisch essen“ wünschen wir uns. Uns wird die „Fischplatte“ empfohlen. Neugierig betrachten wir, was uns da so vorgesetzt wird.

Auf der Platte liegen zwei sehr kleine gegrillte Fischchen. Leider sind sie voller Gräten. Etwas mühsam ist es, ihr weißes gegrilltes Fleisch zu filetieren. In Berlin würde man sie wohl eher als Suppenfische verkochen. Einer der Fische schmeckt köstlich, der andere tranig. Dazu ein Stückchen Krake, Muscheln und die berühmten Chocos, die kanarischen Tintenfische. Man bekommt sie auf Teneriffa fast überall in Fischrestaurants. Chocos sind super – ihr festes Sepia-Fleisch liebe ich. Die Meeresfrüchte sind wunderbar knackig und frisch. Kommen sie aus Teneriffa oder aus der Tiefkühltruhe? Ich habe den Verdacht, die „Fischplatte“ ist ein Angebot für Neuankömmlinge. Hier wird vergrillt, was der Kenner nicht bestellt.

Cherne, die typische kanarische Fischdelikatesse, kennen wir schon aus Los Christianos. Falls frische Exemplare in der Theke liegen, werden wir darauf hingewiesen. Auch den Papageienfisch kann man getrost bestellen, auf Spanisch Vieja. Seine dicken Gräten kann man nicht übersehen. Wer „Fisch in Salzkruste“ bestellt, bekommt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Dorade. Und die sollte man ja lieber nicht essen, meinte unsere Informantin Ingrid …
Der „Fish of the day“ ist meist eine Abenteuerreise. Nicht selten bekommt man eine Schuhsole von Thunfisch. Allgemein gilt: Ein vorab-Blick in die Fischtheke lohnt immer.

Das beste Fischrestaurant

Gegrillter Sama mit Knoblauch und frischer Koriander-Mojo im Restaurant Varadero Viejo, Las Galletas, Teneriffa Süd.

Bei unserem nächsten Besuch in Las Galletas lernen wir Santiago kennen, kurz Santi. Er ist der Inhaber vom Restaurant Varadero Viejo. Das liegt ein wenig abseits vom Touristenpfad, auf der Hauswand prangt „Cocina canaria“. Santi hat die größten und leckersten regionalen Fische, die wir bisher gesehen haben. Der Fisch des Tages ist Sama, mit herrlich festem weißem Fleisch.

Santi ist geboren in Las Galletas. Er konnte eher fischen als laufen. Später wurde er internationaler Fußballprofi, als Trainer kam er bis in das arabische Katar, um letztendlich seine heimatlichen Netze wiederzufinden. Mit seinem Strandbuddy aus der Kindheit eröffnete er zwei Fischrestaurants, eines davon in El Medano.
Seine Fische bekommt Santi er von seinem Onkel, hauptberuflicher Fischer. Auch sein Vetter ist Fischer. Im Restaurant zieren Familienfotos die Wände – Großeltern, Eltern, Kinder … seine ganze Familie ist auf dem Meer groß geworden. Der Fang war größer als der kleine Santi.

Santiago, gebürtig aus Las Galletas, hat sein Restaurant Varadero Viejo mit Familienfotos geschmückt. Hier zeigt er auf eine Aufnahme aus seiner Kindheit – als kleiner Junge war er schon Fischer. Die Fische waren größer als er.

Was er sich wünscht für die Zukunft, frage ich Santi neugierig. „I live day-by-day“ philosophiert er, er nimmt das Leben wie es kommt und über die Zukunft macht er sich keine Gedanken.
Wir werden Fans von Santis Restaurant – seine Servicekräfte sind fit und verständnisvoll, ihr gegrillter Humor würzt unseren Aufenthalt. Alle Speisen sind köstlich, auch die berühmten kanarischen Runzelkartoffeln. Der Kilopreis pro Fisch ist wesentlich günstiger als in Los Christianos. Grüne Mojo aus frisch gehacktem Koriander wird begleitet von geräucherter roter Mojo und Knoblauchmajo. Wein in ordentlichen Regalen kommt aus Teneriffa, auch in bio-Qualität für Kennerinnen wie mich. Besser können wir es uns beinahe nicht wünschen, und wir versprechen Santi, bald wiederzukommen.

Wunschzettel an die Inselregierung

  1. Verlangt von jedem Touristenbomber Wegezoll. Führt über eure Flughäfen die CO2 Steuer ein. 10 Euro mehr pro Flug tun keinem Urlauber weh. Mit den erbeuteten 400 Millionen Euro könnt ihr eure ökologischen Landwirte fördern.
  2. Teneriffa hat so viel ungenutzes, aufgegebenes Farmland. Gebt diesen Grund pachtfrei an Ökofarmer. Versorgt die Farmen unentgeltlich mit entsalztem Meerwasser. Die kommenden Generationen werden es euch danken.
  3. Verbannt chemische Pestizide von Teneriffa. Verhängt ein inselweites Spritzverbot. Eure Insel ist viel zu schön, um dauerhaft vergiftet zu werden.
  4. Bananenrepublik Teneriffa: Lasst euch nicht länger als Treibhaus für konventionellen Bananenanbau missbrauchen. Fördert lieber bio-Lebensmittel für die Insel, statt umweltschädlich das spanische Festland mit euren Exportbananen zu versorgen.
  5. Kümmert euch mehr um Abwasser und Wasseraufbereitung.
  6. Bitte liefert trinkbares Leitungswasser in Teneriffas Haushalte. So wird nicht zuletzt der Plastikmüll durch Wasserkanister von Teneriffa reduziert. Ihr habt dann zwar weniger Steuern durch den Verkauf von Mineralwasser. Dafür bleibt die Volksgesundheit intakt.
  7. Führt das Flaschen- und Dosenpfand ein. Glaubt mir, das funktioniert! Berlin ist Vorbild für Müllvermeidung: Junges, wohlhabendes Partyvolk wirft Pfandfgut weg, arme Rentner sammeln es auf. Seit es steuerfreies Flaschensammeln als Lebensaufgabe gibt, findet man in Berlin keine einzige weggeworfene Dose mehr.

Herzensangelegenheiten

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14 Kommentare
  • Hallo, das ist ein großartig geschriebener Artikel. Wir betreiben selbst eine Finca nach ökologischen Grundsätzen und können bestätigen wie viele Anläufe man machen muss, bis es wirklich klappt. Auch deine ganzen Ratschläge sind wirklich super. Und deinem Wunschzettel an die Inselregierung schließe ich mich sofort an. Ich würde gerne noch einen Punkt dazusetzen: Bereits in der Schule die Kinder auf gesunde Lebensmittel und gesunde Ernährung einnorden. Damit würde das Bewusstsein sicherlich steigen und nicht so viele Menschen rumlaufen, die so richtig vollschlank sind.

    Danke für den super Artikel!

    • Lieber Josef,
      vielen Dank für das freundliche Lob!
      Eure Finca la Castana ist mir schon vor zwei Jahren in Publikationen aufgefallen. Ich wollte längst bei euch vorbeischauen. Euer Ruf ist legendär auf der Insel. Doch da ihr im Norden seid, habe ich es zeitlich noch nicht geschafft. Bei meinem nächsten Besuch auf Teneriffa werde ich das Versäumnis nachholen, versprochen. Bald gibt es einen Artikel über Bio Urlaub auf Teneriffa Nord.

  • Fantastic article !! May I ask you if you visited any of the health food stores in Santa Cruz and did any of them have a good supply of organic food ? Thank-you once again for a “ ausgezeichnet “ article !

    • Dear Roy, going to Santa Cruz by car is an hourlong ride. As I could buy great organic local food close to Los Christianos, I did not (yet) explore organic food stores or mercadillos in Santa Cruz. I did pass by at Carrefour though after having visited Palmetum Park (awesome by the way). Carrefour has got (imported) organic milk and yoghurt, olive oil potato crisps, a small variety of organic meat and organic quinoa.
      Our receptionist Manuel recommended Mercado Municipal Nuestra Senora de Africa in Santa Cruz (daily), apparently it is huge. Mercado agricultor of Tegueste is famous, people say, it is the best mercadillo of Tenerife, a 20 minutes ride from Santa Cruz by car.
      Please keep us informed about your findings!

    • Liebe Marianne,
      das Abama sollte meiner Einschätzung nach von Dezember bis Mitte Januar Sonnenuntergang über dem Ozean südlich von La Gomera haben, also links neben der Insel. Es könnte knapp werden mit dem Abstand zur Küste, aber ich schätze, es geht sich aus. Dann Sonnenuntergang über den Gebirgszügen von La Gomera bis Mitte April. Rechts neben der Insel sollte die Sonne von Mitte April bis Ende August über den Meer untergehen, bevor sie von September bis November über La Gomera zurück wandert. Diese Angabe bitte ohne Gewähr betrachten.

  • Liebe Joanna,
    ich bin kurz vor unserer Reise nach Teneriffa auf Deinen Blog gestossen. Super klasse, jetzt wissen wir auch, wo wir gut Fisch essen gehen und auf welchen Märkten wir Bioprodukte einkaufen können. Wir haben uns in der Nähe von Arona ein kleines Häuschen gemietet und werden uns mehr oder weniger selbst versorgen. Vielen Dank für Deine wertvollen Tipps!
    Liebe Grüße Nana

    • Liebe Nana, am Standort Arona ist der Mercado del Agricultor in Valle San Lorenzo gut gelegen. Jeden Samstag und Sonntag vormittag kannst du feine Bioware bei Nieves Moro kaufen. Ich empfehle ihren Salat, Kräuter und Té Canarias. Zudem hat sie bio Eier im Verkauf.
      Lasst es euch gutgehen! :)

      • Vielen Dank liebe Joanna! Und auch die anderen Märkte lassen wir uns nicht entgehen, besonders den mit der schönsten Aussicht :-)
        Noch 1 Tag arbeiten, dann ist es soweit.
        Liebe Grüße
        Nana

  • Liebe Joanna !
    Wunderbar zu lesen. Da ich Dank Dir schon an mancher Stelle mit war, konnte ich einiges schnell zuordnen oder erinnern. Sehr schöne Fotos hast Du gemacht – und unsere Hände habe ich auch erkannt – lach !!!
    Freue mich auch dieses Jahr in Teneriffa. Bis bald und liebe Grüße
    Uschi mit Mutti Siegi

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