Die Zimt Verschwörung

Kurzversion:

Hilft Zimt gegen Diabetes? Pharmavertreter bekommen Pickel, wenn sie danach gefragt werden. Was ist dran an der Behauptung, Zimt könne eine Zivilisationserkrankung wie Typ II Diabetes kurieren? Ich suche nach zuverlässigen Antworten.

Hilft Zimt gegen Diabetes? Enthält Zimt antidiabetische Wirkstoffe? Oder ist das eine gefährliche, uninformierte Behauptung, die das Leben von naiven Patienten aufs Spiel setzt?

Ich stieß auf das Thema bei einer Profi-Konferenz zum Thema Content Marketing. Man hatte die Strategin von einem Pharmakonzern zum Vortrag eingeladen. Sie brachte dem Publikum nahe, wie man Followern nützlichen Content rund um Medikamente bereitstellt. Beispielsweise zeigte sie eine Anleitung zu Einreichregularien für Patienten, die Diabetes-Medikamente von der Krankenversicherung erstattet bekommen möchten. Im Zuge dieses Vortrags echauffierte sich die Vortragende lautstark über Leute, die behaupten, Zimt würde gegen Diabetes helfen. Wenn sie so etwas nur höre …

Wo war das Problem? Es gibt so viele Naturheilmittel gegen schwere Erkrankungen – warum also nicht auch Zimt gegen Diabetes? Wenn Zimt ein bewährtes Hausmittel war, könnte es günstig sein, diese Information einzuweben in die Unternehmenskommunikation. Ich wollte gerne mehr wissen über Zimt als Arzneimittel und stellte eine Publikumsfrage. Die Antwort der Strategin war vernichtend: Ich solle versuchen, bei akuten Diabetes-Symptomen mit Zimt zu kommen … der Patient würde sterben. Der Moderator lenkte die Diskussion elegant auf Weihnachtsgebäck um.

Wer könnte Interesse daran haben, einen unseriösen Health Claim in Bezug auf Zimt in die Welt zu setzen? Die Zimtlobby? Gab es so etwas? Ein Industrieverband von Ceylon-Zimtbauern in Sri Lanka vielleicht? Oder war Zimt das Spielzeug eines zähen Spekulantius geworden, der mit würzigen Gesundheitsversprechen Umsätze versüßte?

Je mehr ich mich damit beschäftige, desto unklarer erscheint die Situation. Es gibt Studien, die eine blutzuckersenkende Wirkung von Zimt belegen. Es gibt Studien, die das Gegenteil nachweisen. Es gibt Forschung zu einem Zimt-Inhaltsstoff, Cumarin, die zeigt, dass dieser Inhaltsstoff gesundheitsschädlich sein kann. Gleichzeitig gibt es andere Aussagen zu Cumarin, die seine heilsame Wirkung belegen. Man findet keine endgültig eindeutigen Erkenntnisse dazu – weder zu Zimt und Diabetes, noch zu Cumarin und Gesundheit.

Lesen Sie mehr zu wissenschaftlichen Studien über Zimt als antidiabetisches Heilmittel in diesem umfassend recherchierten Artikel der Pharmazeutischen Zeitung.

Die Situation erinnert mich an eine Dokumentation auf ARTE: Es ging um Zucker. „Die große Zuckerlüge“ heißt der aufschlussreiche Film. Gut erzählt wird darin aufgedröselt, wie die Zuckerindustrie über Jahrzehnte eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse über die gesundheitlichen Schäden durch Zuckerkonsum verhindert hat. Für jeden wissenschaftlichen Beleg, dass Zucker die Zuckerkrankheit verursacht, wurde ein Gegenbeleg in die Welt gesetzt. Ein britischer Arzt, der gegen Zucker gewettert hatte, bekam einen lobbyfinanzierten US-Antagonisten, der ihn widerlegte.

Es ging der Zuckerindustrie nicht um einen Nachweis, dass Zucker gesund ist. Man wollte vielmehr Konfusion. Verwirrung der Konsumenten war das Ziel. War Zucker gesundheitsschädlich – ja oder nein? „Unentschieden“ sollte die Reaktion der Verbraucher sein.

Ist die Lage bei Zimt als Heilmittel gegen Diabetes ähnlich gestaltet? Wird seitens der Pharmaindustrie versucht, ein altbewährtes Naturheilmittel zum Saisongewürz zu degradieren? Werden Zimtpreise durch eine Nahrungsergänzungsmafia immer weiter in die Höhe getrieben? Gibt es – analog zur „großen Zuckerlüge“ – etwa eine weltweite Zimtverschwörung?

Welchen Anlass auch immer Sie als LeserIn dieses Artikels haben, sich mit Zimt gegen Diabetes zu beschäftigen – lassen Sie sich nicht entmutigen von VertreterInnen der Pharmaindustrie oder der Schulmedizin. Es gibt so viel, was wir heute noch nicht wissen. Es gibt auch in der Forschung Fehlschlüsse und statistische Manipulation. Die Behauptung, ein Naturheilmittel sei nicht wirksam, weil es keine schlüssige Wissenschaft dazu gäbe, ist nicht zulässig. Denn ein kausaler Zusammenhang zwischen Wirksamkeit und Unwissen ist nicht gegeben. „Ich weiß, dass es nicht wirkt, ich habe dafür Beweise“ ist eine ganz andere Aussage als „Ich weiß, dass es nicht wirkt, weil es dafür keine Beweise gibt“.

Haben Sie Erfahrung mit Zimt als Medikament? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!

Beteiligen Sie sich an der Diskussion!

3 Kommentare
  • Zimt ist nicht gleich Zimt.
    Es gibt neben teurerem Ceylon (Sri Lanka) Zimt noch den im Supermarkt üblich aufzufindenden billigen Cassia Zimt (der aus China kommt). Der Cumaringehalt unterscheidet sich in beiden Arten.

    Ich persönlich nehme Ceylon Zimt im Getränk zusammen mit Apfelessig und Salz in meiner Fastenzeit.
    Quelle: Verbraucherzentrale

    • Ich habe zeitweise 5g täglich zu mir genommen um meinen Fettabbau zu unterstützen. Dazu ist zu erwähnen, dass ich viel Sport treibe und keine Empfehlung aussprechen möchte. Ich denke jedoch, dass man mit 1-2g täglich (Ceylon!) nicht viel falsch machen kann.

Chromosome

Schlagwörter