Rettet das Klima! Esst mehr Fleisch!

Kurzversion:

Schädigt Fleischkonsum das Weltklima? Das hängt von der Tierhaltung ab. Wir Menschen haben es in der Hand: Sobald wir unseren Tieren artgerechtes Leben ermöglichen, schützen wir das Klima.

Schreib diesen Artikel besser nicht. Mein bester Freund Roland ist skeptisch. „Die Leute könnten ihn missverstehen.“ Roland macht sich Sorgen um die Zukunft seiner Kinder. Die Umwelt soll bewahrt werden, das Klima gerettet. Zudem sollen alle Menschen dieser Welt vor Hungersnöten sicher sein. „Es wird zu Massensterben kommen, wenn wir so weitermachen“ ist Roland überzeugt.
Politik und Wissenschaft predigen in allen Medien: Fleischkonsum ist klimaschädlich. Würden alle Menschen dieser Welt vegan leben, es würde für alle reichen. Denn um eine Kilokalorie Fleisch herzustellen braucht man durchschnittlich sieben Kilokalorien Tierfutter.
Man könnte bei veganer Ernährung vier Milliarden Menschen mehr ernähren auf der Welt. Würde man keine Futtermittel mehr brauchen, es gäbe genug Lebensmittel für alle.

Lange habe ich über das Dilemma nachgedacht: Sind Rolands Wünsche widersprüchlich? Klima retten und Umwelt bewahren, dabei gleichzeitig Nahrung für alle Menschen auf der Erde bereitstellen? Wie passt das zusammen?
Sind nicht wir Menschen das größte Klimarisiko schlechthin?

In der Kalkulation vom klimaschützenden Fleischverzicht steckt meiner Ansicht nach ein Denkfehler: Weidetiere ernähren sich von Gras. Gräser und Kräuter sind CO2 Depots. Diese Pflanzen sind Tiefwurzler. Sie leiten CO2 aus der Luft ab in den Boden. Artgerecht gehaltene Weidetiere, die sich von wilden Blumen, Gräsern, Saaten und Blättern ernähren, sind lebendige CO2 Speicher. Unsere Weidetiere sind für Bauern der beste und wichtigste Anlass, Blumenwiesen mit Kräutern und ihren Insekten zu erhalten.

Brandenburger Futterwiese: drei- bis viermal pro Jahr wird gemäht. Das Gras bleibt niedrig, Blumen und Kräuter können sich frei entwickeln. Die Wiese ist überreich an Insekten, Schnecken und Fröschen. Das Heu bringt sechzig Kühe gesund durch den Winter.

Wenn wir unsere natürlichen Tierweiden opfern zugunsten von Monokulturen zwecks Anbau von Soja, Genmais oder Pestizidweizen – was würden wir so gewinnen? Wer würde davon profitieren? Das Weltklima? Die Umwelt? Die globale Menschheit?
Soll jeder Quadratzentimeter Natur dem Anbau von veganen Nahrungsmitteln weichen? Ist das nicht eine grauenvolle Vorstellung? Noch weniger Insekten, noch weniger natürliche Ressourcen, noch weniger Vögel.

Blumenwiesen, Grasweiden oder Moore als Ackerland zerstören, um politischem Willen entgegen zu kommen? Ich halte das für einen völlig falschen Ansatz.
Lieber unterstütze ich Züchter, die in meinen Augen alles richtig machen:
Artgerechte Tierhaltung in Herden auf naturbelassenen Wiesen, regionales Futter, muttergebundene Aufzucht der Tierkinder bei Säugetieren, stressfreie Schlachtung.
Solches Fleisch, Eier und Milchprodukte kaufe und esse ich gerne.

Bio-Kühe freilaufend im artgerechten Stall. Sie fressen regionales Kräuterheu. Der grüne Futterberg vor ihren Mäulern entspricht gebundenem CO2. Wer ihre Milch trinkt oder von ihrem Fleisch isst, verbraucht CO2 komprimiert und schützt so das Klima.

„Und was ist mit Methan?“ Roland ist nicht überzeugt. Methan ist ein Klimakiller, das hat er nun schon oft gehört und gelesen. Ich kontere. Kennst du den Spruch „jedes Böhnchen gibt ein Tönchen“? Auch wir Menschen produzieren Methan – und das nicht zu knapp. Wenn wir Menschen Pflanzen essen, entsteht Methan. Wenn wir gleichzeitig Verdauungsbeschwerden haben, dann aber hallo. Reizdarm, Magenbeschwerden und ähnliche Beschwerden verschlimmern die menschlichen Abgase.
Bei Kühen ist das genauso. Wenn Kühe gefüttert werden mit nicht artgerechtem Kraftfutter aus dem gerodeten Regenwald, dazu unentwegt Antibiotika bekommen, dann haben sie eben Blähungen und Rülpsen. Daran sind nicht die Kühe schuld, sondern der Mensch, der die Tiere schwer verträgliche Nahrung fressen lässt.
Welche ach so modernen Futterzusätze schlagen Wissenschaftler vor aufgrund neuester Studien, um Rülpsen von Kühen zu verringern? Blätter vom Haselstrauch.

Vor ein paar Tagen hatte ich Bauchgrummeln. Ich hatte ein Stück Brot gegessen – bio-Vollkorn, angekeimt. Gesünderes Brot gibt es nicht. Dennoch fühlte ich mich wie ein Luftballon.
Als ich bei einem Spaziergang neben einer bio Futterwiese junge Schafgarbe entdeckte, aß ich davon ein paar frische Blätter. Die Luft in meinem Bauch löste sich durch die enthaltenen Tannine und Gerbstoffe. Nach zwanzig Minuten hörte das Grummeln auf.

Wilde Schafgarbe wächst natürlich auf Tierweiden. Die ätherischen Öle der Pflanze lösen Methan auf in den Verdauungswegen von Tier und Mensch. Würde man keine Tiere mehr mit dem Heu dieser Wiese füttern – es wäre das Ende nicht nur der Schafgarbe.

Sobald eine Kuh auf der Weide artgerecht Blätter, Gräser, Blumen, Körner und Zweiglein zupft, bekommt sie genug Ballaststoffe, Öle, Tannine und Saponine, um bei bester Verdauung zu sein. Ihr Mikrobiom im Magen bleibt ohne Antibiotika unzerstört. Gesunde Bakterien und Hefen verwandeln schwer verdauliche Ballaststoffe in Nährstoffe. So eine Kuh produziert keine „Fladen“, sondern gesunde Häufchen. So eine Kuh pupt auch nicht und rülpst wenig. Sie trägt bei zu einem biodynamischen Kreislauf, der die Natur erhält.

Damit diese Form der Tierhaltung nicht ausstirbt, braucht sie Unterstützer. Nicht zuletzt Enthusiasten, die gesundes Fleisch von landschaftspflegenden Tieren vermarkten. Soll man solche Leute steinigen und verdammen, weil sie tierische Produkte in Umlauf bringen? Ich finde nicht. Ich glaube, wer solches Fleisch kauft und isst, rettet das Klima.

Der Titel dieses Artikels ist wiedersprüchlich. Genau genommen müsste er viel länger sein. Er müsste lauten: „Rettet das Klima! Esst mehr Fleisch, Eier und Milchprodukte von regionalen bio-Weidetieren aus artgerechter Haltung. Boykottiert stattdessen industrielle Massentierhaltung.“ Doch Hand aufs Herz: Wer würde so einen Artikel jemals lesen?

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