Quellwasser trinken

Sprudelnder Gebirgsbach vom Untersberg, daneben die Quelle am Veitlbruch
Kurzversion:

Wie fühlt es sich an, wenn man nur noch frisches Quellwasser trinkt aus dem Untersberg? Neugierig folge ich als Biohackerin dem Vorbild der alten Salzburger Fürsterzbischöfe.

Jedes Wasser sei so wie das andere, sollte man glauben. Ein Wasser-Molekül besteht immer aus den gleichen Zutaten: Zwei Wasserstoff-Atome und ein Sauerstoff-Atom. Doch Wasser ist nicht gleich Wasser.

Eigenschaften von Wasser

Wasser ist das stärkste Lösungsmittel der Natur. Das Wasser-Molekül ist ein Dipol, ausgestattet mit positiver und negativer Ladung. So kann Wasser alle möglichen Atome, Moleküle oder Organismen aufnehmen und transportieren, in alle Richtungen. Im menschlichen Körper bringt Wasser lebenswichtige Nährstoffe in die Zellen, toxische Schlacken schwemmt es aus.
Je nachdem, was im Wasser enthalten ist, in welcher Dosis, in welchem Ambiente, auf welchen Organismus, wirkt es gesund oder giftig. Ist es salzig oder ist es süß? Wurde es verunreinigt oder angereichert? Ist es basisch oder sauer? Enthält es gesunde Mikroorganismen oder tödliche Keime?

Der Untersberg bei Salzburg von seiner Nordflanke. Niederschläge werden gefiltert durch Kalkstein-Marmor und Dolomit. Untersberger Wasser ist bekannt seit Tausenden von Jahren. Hier zutage tritt die Quelle am Veitlbruch.

Nicht zuletzt die Anordnung seiner Wassermoleküle ist unterschiedlich von Wasser zu Wasser. Ist dessen Struktur geordnet oder chaotisch? Folgen die Moleküle einer natürlichen Drehung, oder wurden sie chemisch verstört? Wurde das Wasser gegossen oder gepresst? Ist das Wasser sterilisiert oder gefiltert?
Seit mindestens drei Jahrtausenden schon beschäftigen sich Menschen mit heilsamen Effekten von Quellwasser.

Leitungswasser vs Quellwasser

In Berlin trinke ich niemals Leitungswasser. Zu viele Verschmutzungen befürchte ich in diesem Wasser, zu wenig transportfähig wirkt es in meinem Körper. Wadenkrämpfe bekomme ich, sobald ich Berliner Leitungswasser trinke. Mische ich Leitungswasser mit natürlichem und ungefärbtem Bio Preiselbeersaft, wird der saure rote Saft der Beeren basisch blau. Von Kalzium oder von Waschmittelresten?
Lauretana Quellwasser aus der Glasflasche erhält den Saft schön rot, auch Spreequell Natur verfärbt nicht in Richtung Lauge.

Als ich einige Monate lang in Salzburg lebe, gebe ich dem Leitungswasser aus den Alpen eine Chance. Salzburger Leitungswasser habe hervorragende Qualität, heißt es, größtenteils Quellwasser der umliegenden Bergmassive wird gepumpt nach Salzburg. Doch auch in Salzburg fühle ich mich unwohl, sobald ich nur noch Leitungswasser trinke. Ich werde nervös, unleidlich, wenig geduldig. Wird das Salzburger Leitungswasser mit Chlor versetzt? Darauf reagiere ich empfindlich.

Wassermangel kennen die Regionen nicht am Fuße des Untersberg. Die Vegetation durchkämmt Nebel und Niederschläge, sie leitet Schnee und Regen in die Tiefen des Berges.


Angeblich wird Salzburger Trinkwasser mit UV-Licht desinfiziert. Vielleicht wirkt das Licht so stark energetisierend, dass mich behandeltes Wasser aufregt? Oder sind die Leitungsrohre schuld?
Anstelle einer Antwort suche ich nach gutem Wasser ohne Leitung. Könnte ich mir nicht selbst Wasser abfüllen an einer Quelle der umliegenden Berge, garantiert unbehandelt und energetisch intakt?

Energetisiertes Wasser

In ayurvedischen Texten wird empfohlen, Wasser zehn Minuten lang sprudelnd zu kochen – nicht zur Desinfektion von Keimen. Auch nicht, um Chlor durch heißes Versprudeln auszudampfen. Das Wasser wird energetisiert durch blubbernde Bewegung aus Hitze. So geordnet, kann es auch die kleinsten Kanäle erreichen im Körper, Schlacken ausspülen. Meine Tante hat chronische Sinusitis kuriert mit gekochtem Wasser. Kannten vielleicht schon die historischen Fürsterzbischöfe von Salzburg sechstausend Jahre alte ayurvedische Lehren?

Geschichten von Wasserreitern lese ich in Salzburger Chroniken. Die weltlich-kirchlichen Fürsterzbischöfe von Salzburg ließen sprudelndes Quellwasser abholen vom Fuße des Untersberg aus den Gebirgszügen der Berchtesgadener Alpen, vor über sechshundert Jahren schon. Wollten sie einfach sauberes Wasser, schmeckte das Untersberger Quellewasser besser als Großstadtbrackwasser? Oder erkannten die Herrscher von Salzburg Heilkraft aus Quellen?

Die Wasserreiter der Erzbischöfe trugen Wasserfässer huckepack. Sie ritten täglich rund dreißig Kilometer von Salzburg nach Fürstenbrunn. Mindestens dreißig Kilo schwer dürften die vollen Fässer gewesen sein.

Ein Pferd mit Wasserfass nach Vorbild der Salzburger Erzbischöfe habe ich nicht zur Verfügung. Ich lade stattdessen den Kofferraum vom Auto voll. Glasflaschen mit geripptem Hals habe ich besorgt mit breitem Ausguss, für einen guten Halt beim Abfüllen.

Suche nach der Marmorquelle

In alten Wanderkarten finde ich eine historische Römerquelle vermerkt oberhalb von Fürstenbrunn, mehr als zweitausend Jahre schon ist sie bekannt. Die Quelle ist gelegen an einem Marmorsteinbruch. Untersberger Marmor wurde hier abgebaut, für Prunkbauten der Römer von Passau bis Untertauern. Marmor vom Untersberg ist berühmt, in ganz Europa finden sich Gedenkstätten, Brunnen und Fliesen.
Die Traditionelle Europäischen Medizin (TEM) verwendet Marmor gemahlen als Magenschutz, auch für starke Knochen wird er eingenommen. Als anthroposophische Verreibung heilt Marmor innere Blutungen und Menstruationsbeschwerden. Vielleicht wirkt Quellwasser durch Marmorfelsen gefiltert ganz besonders gesund?

Etwa dreißig Kilometer sind es von Salzburg bis Fürstenbrunn und zurück. Am Zielort angekommen, frage ich einen einheimischen Wanderer nach der Römerquelle.
Leider hat er schlechte Nachrichten: Die historische Quelle existiert noch, nicht jedoch der beliebte Wandererbrunnen. Er wurde abgebaut, angeblich wegen Keimbelastungen. Fäkalkeime seien gefunden worden von einem Labor. Immer wieder habe der Wanderer tote Tiere liegen sehen im Bach oberhalb des Brunnes, vielleicht seien dadurch Bakterien ins Wasser gekommen?
Niemals sei irgend jemand krank geworden von diesem Wasser, ist sich der Wanderer sicher, alle Einheimischen hätten es getrunken, doch wenn die Obrigkeit sich etwas einbilde …

Zerstörter Brunnen der Quelle am Veitlbruch
Schon zehn Jahre lang stillgelegt ist der beliebte Marmorbrunnen für Quellwasser vom Veitlbruch. Keime sind gefunden worden im Wasser.

Zu Keimen habe ich mein eigenes Wissen. Natürliche Mikroorganismen aus dem Waldboden sind sehr gesund. Fäkalkeime heißen so mit Trivialnamen, weil sie im Darm von Lebewesen vorkommen. Sie subsummieren die Gruppe der Coliformen: Escherichia und Enterobacter gehören dazu. Coliforme Bakterien sind lebensnotwendig, auch für uns Menschen. Man kann sie in der Apotheke kaufen, für teures Geld. Unsummen habe ich schon ausgegeben für Mutaflor (E. coli) und Symbioflor (Enterococcus faecalis) gegen Reizdarm und Atemwegsbeschwerden.
Auch meine Allergien auf Frühblüher hoffte ich damit kurieren zu können. Bislang ist es mir nicht gelungen. Während ich diesen Artikel schreibe, plagen mich juckende Augenlieder und Triefnase. Findet man eine natürliche Quelle, die hilfreiche Bakterien liefert, kann man sich glücklich schätzen als sagrotanverseuchter Städter. Her mit den echten Waldkeimen, wo ist es, das köstliche Naturkeimwasser?

Quellwasser aus dem Untersberg

Schon seit zehn Jahren still gelegt ist der kleine Brunnen mit Wasser aus dem Marmorberg an der Römerstraße auf dem Weg nach Großgmain an der Grenze zu Bayern. Doch der Wanderer hat einen Tipp für mich: Ober dem Brunnen sei ein Bachlauf. Hier könne ich Wasser holen. Nur ein paar Meter hinabsteigen müsse ich zum Bachbett, sobald ich die Brücke erreicht hätte.

In einem Bachlauf an der Nordflanke vom Untersberg soll Quellwasser zu finden sein. Ich muss nur in das Bachbett steigen, dann finde ich die Quelle schon, erzählt ein Wanderer aus Fürstenbrunn.

Mein Weg führt steil eine saubere Asphaltstraße den Berg hinauf, durch den verschneiten Wald, vorbei am Marmorwerk Wallinger. Endlich erreiche ich die kleine Brücke. Neugierig sehe ich mich um: Es ist sehr kalt, frischer Schnee ist gefallen. Das Bachbett unter der Brücke ist trocken neben dem ehemaligen Marmorbrunnen, nur ein Gedenkschild erinnert daran. Doch ich höre Wasser rauschen.
Eine ältere Frau hat ihren PKW geparkt an der Kehre neben der Brücke. Sie hält Blumen in der Hand und eine Friedhofskerze. Eine Kapelle steht neben dem Bach. Ob sie etwas weiß über die Quelle? Immer die Herzal nachi, verrät sie mir lächelnd.

Kleine, rote Herzen sind aufgemalt auf Marmorblöcken Richtung Bachbett. Ich folge ihnen ein paar Meter durch Findlinge und Geröll. Der Bachlauf teilt sich. Schnell erblicke ich ein Stahlrohr, es ist gegraben in das trockene Bachbett. Hier sprudelt klares Wasser. Überall sind rote Herzen aufgemalt.

Rote Herzen auf Marmorblöcken weisen den Weg zur Quelle vom Veitlbruch. Marmorwasser sprudelt regelmäßig und silbrig glasklar aus einem Stahlrohr neben dem Bachbett.

Zwölf Flaschen fülle ich mit Quellwasser. Es ist eiskalt, meine Hände werden blau. Ich koste ein paar Schlucke noch vor Ort. Das Wasser ist klar, ohne Einschlüsse. Silbrig glänzt es, mit hellen Reflektionen. Sehr frisch schmeckt das Wasser, auch ein wenig bitter. Ist es Salz, das hier vorschmeckt, oder sind es milde Moos-Aromen aus dem Bachbett? Das Wasser aus dem Rohr scheint unabhängig zu sein vom Bach. Die Quelle sprudelt sehr regelmäßig, ohne Intervalle und ohne jeden Schaum. Der Wald duftet nach Baumrinde und Tannennadeln. Schon zehn Minuten Waldluft atmen stärkt nachweislich das Immunsystem, hat ein japanischer Wissenschaftler nachgewiesen.

Quellwasser vom Veitlbruch, frisch aus dem Berg. Umliegende Bäume strecken durstig ihre Wurzeln aus nach dem Wasser.

Nur noch Quellwasser aus dieser verborgenen Herzensquelle trinke ich in den kommenden zwei Tagen. Ich koche Kaffee daraus und Tee. Viel besser schmeckt der schwarze Auszug aus gerösteten Bohnen als sonst. Fein ist das Aroma, ohne alle Bitterstoffe. Ist das Einbildung? Natürlich konsumiere ich das Wasser auch pur, niemals abgekocht. Meine Kräuter gieße ich mit Quellwasser, sie drehen geradezu durch vor Begeisterung: Täglich legen sie einen Zentimeter zu.

Effekte von Quellwasser

Seltsame Dinge passieren mit meinem Körper. Meine Blase drückt, alle zwei Stunden muss ich zur Toilette, auch in der Nacht. Mein Körper scheint das Wasser nicht gut aufnehmen zu können, rinnt es durch mich hindurch? Seltsam sauer riecht mein Urin. Pfui, meine Haut stinkt wie Essig. Entgiftet das historische Römerwasser meine Säurespeicher? Wirkt es entwässernd?
Ständig habe ich Durst. Pro Tag verbrauche ich fünf bis sechs Liter von dem Römerwasser, ich trinke ohne Unterlass. Meine Lippen werden trocken und auch rissig. Ist das eine Erstverschlechterung? Sollte ich das Experiment lieber abbrechen?

Meine Pflanzen raten mir: Mach weiter. Sobald ich sie gieße mit dem Marmorwasser, sprießen sie wie verrückt. Geschnittene Petersilie wird eine Woche lang nicht welk im Wasserglas der Römerquelle.

Unweit der Quelle am Veitlbruch sprießt die Natur in leuchtendem Grün. Haben Sie schon einmal Farne frostresistent wachsenen sehen auf einem vermoosten Baum?

Ein zweites Mal fahre ich zur Quelle. Frischer Schnee ist gefallen. Vor mir sind Fußabdrücke zu sehen im weißen Matsch auf Marmorblöcken. Diese Wasserquelle ist nicht so geheim, wie es scheint. Erneut fülle ich zwölf Flaschen. Ich mache Fotos, es duftet nach Schnee und Moos.
Suppe koche ich aus dem Wasser, mit Gulaschfleisch vom Rind und vielen Karotten. Sie schmeckt köstlich. Immer wieder fülle ich frisches Wasser auf, koche die Zutaten ein zweites Mal aus und auch ein drittes Mal. Sogar jetzt mundet die Suppe noch fein. Verwandelt das Wasser Gewürze in Aromaquellen?

Meine heiße Schokolade am Morgen gelingt cremig wie nie. Himbeerlimonade mit Limetten wird köstlicher denn je, geradezu sahnig weich rinnt sie als Gesamtkunstwerk durch die Kehle.
Wie geht das? Warum bringt dieses Wasser Aromen aus Gewürzen und Früchten so gut zur Geltung?

Immer mehr Wasser muss ich trinken, ich bin SO durstig. Verändert natürliches Salz im Quellwasser den osmotischen Druck in meinen Zellen? Möglich wäre das. Wenn osmotisch aktive Stoffe aus dem Wasser übergehen ins Blut, diffundiert Wasser durch die Zellmembranen in den interzellulären Raum. Oder ist es umgekehrt? Ist dieses Wasser so rein, dass es Schlacken aus dem Gewebe zieht? Reinige ich mit dem Wasser meine intercellular spaces?
Ganze Vorträge habe ich darüber gehört, wie man den interzellulären Bereich säubert, um Krankheiten und Alter vorzubeugen. Findet das gerade statt bei mir durch Wasser vom Veitlbruch? Ich muss zwar dauernd zur Toilette, doch ich bin erstaunlich munter. Vielleicht macht das Fürstenbrunner Quellwasser meine Zellmembranen stärker durchlässig, wodurch mehr ATP entsteht und auch die Nieren besser arbeiten?

Am ersten warmen Frühlingstag ist das Bachbett geflutet mit Schmelzwasser. Auf dem Herzerlweg zur Quelle kann man nur noch mit Gummistiefeln trockenen Fußes durch das Bachbett wandern.

Zum dritten Mal reinige ich meine Wasserflaschen, um noch einmal zur Quelle zu fahren. Was wird mich erwarten?
Es ist ein schöner Tag, endlich wird es warm. Der Frühling ist nun unvermeidbar, der Pullover bleibt im Schrank. Als ich mich der Brücke nähere, höre ich lautes Rauschen. Das Bachbett ist gefüllt mit Schmelzwasser, sprudelnd schnellt es Richtung Tal. Mein bekannter Herzweg ist überspült. Will ich nicht nass werden bis zum Knie, brauche ich einen Umweg. Ich wandere über die Brücke, den Waldboden entlang. Ein atemberaubender Blick tut sich auf. Der Bach, in dessen Bett der Quellauslass getrieben ist, schmückt sich mit Wasserströmen wie Brüsseler Klöppelspitze.

Nach wie vor rinnt Wasser mit gleichem Druck aus dem Quellrohr – sein Volumen hat sich nicht verändert. Nun bin ich sicher, dieses Wasser kommt nicht aus dem Bach, sondern aus der tieferen Erde.

Frühlingshafte Natur am Untersberg säumt den Bach, in dessen Bett ein Quellrohr getrieben wurde. Weltbekannt ist dieses Wasser, durch Hörensagen und Reiseführer.

Quellbesuche

Ein Paar kommt zur Quelle. Ronny trägt eine Umhängetasche aus Kunststoff, ich kenne das Motiv: Eva und ihr Mann sind Kunden vom Bio Supermarktriesen BASIC in Salzburg. Ein paar leere Flaschen haben sie dabei. Ab und an kommen sie hierher, aus Salzburg, um Wasser abzufüllen – eine Bekannte hat ihnen diesen Tipp gegeben.

Die Quelle am Veitlbruch ist uralt und berühmt, weit über Einheimischenwissen hinaus. Salzburger Kräuterfrauen würden sie ebenso kennen, wie spirituelle Hexen aus Bayern.

Als Heilquelle gilt das Römerwasser am Veitlbruch. Namenspatron Veit ist immerhin Schutzheiliger der Apotheker und der Jugend. Wie und wodurch die Quelle heilen soll, können mir Eva und Ronny nicht verraten. Eva ist Coach für Ernährung, Lebensstil und Bewegung. Ronny beschäftigt sich mit ursprünglicher Landwirtschaft. Vielleicht sind es die guten Keime, die das natürlich-ursprüngliche Mikrobiom wiederherstellen. Oder der rechtsdrehende Schwingungszustand des Wassers. Vielleicht heilt aber auch einfach nur die gute Luft des Waldes, sobald man zur Quelle wandert. Das Wasser trinkt das Paar pur, als natürliches Probiotikum zur Nahrungsergänzung.
Salzburg sei die Stadt mit dem höchsten Anteil an Porsches und Bordellen, witzelt Ronny. Auch er habe früher Ansehen und Wohlstand hinterhergejagt. Doch seit der Geburt der gemeinsamen Tochter hat sich sein Fokus verändert. Wissenschaftlich begründen kann er den wachstumsfördernden Effekt von Regenwasser für Pflanzen, anstelle von Wasser aus Bewässerungsanlagen. Als ich ihm erzähle von meinen glücklichen Kräutern durch Quellwasser, leuchten seine Augen, das ist sein Fachgebiet.

An Vollmondtagen ist Hochkonjunktur an der Quelle, erfahre ich von Eva, dann kommen heilkundige Frauen und Männer auch von weither, um ganz besonders gutes Wasser zu holen. Als Kraftort gilt der Wald, hier finden sich Steinkreise und andere spirituelle Treffpunkte für rituelle Zeremonien.

Ein bekannter Kraftort ist der Wald um die Quelle, erfahre ich von Besuchern. Sehen Sie den Steinkreis auf dem Findling vorne rechts?

Heilkraft der Quelle

Zu gerne möchte ich wissen, was alles drin ist in diesem Wasser. Wie komme ich heran an Laboranalysen?
Mein Bruder ist geistig behindert. Wahnsinnig ist er geworden, schon vor Jahren. Würde er diesen Artikel lesen, er würde ihn ausdrucken und zur nächsten Kriminalpolizei laufen: Meine Schwester ist gemeingefährlich, würde er anzeigen, sie rät ihren Lesern zu gesundheitsschädlichen Praktiken.
Niemals dürfe die Schwester aus Berlin für die gemeinsame Mutter sorgen, diese wäre dann in Lebensgefahr, hat er schon des Öfteren vorgetragen vor diversen Ämter und Gerichten.
Ich glaube, der Wahn meines Bruders sitzt in seinem Darm. Er trinkt gechlortes Leitungswasser, offenbar hat er damit sein Mikrobiom zerschossen. Wahrscheinlich wäre das Wasser aus der Römerquelle am Veitlbruch genau das Richtige für ihn. Doch um das herauszufinden, brauche ich ein Labor.

Es ist Samstag, acht Uhr morgens. Ich fühle mich blendend. Mein Körper ist warm, die Haut schön feucht und glatt. Meine Trockenheitsfalten an den Händen sehen aus wie gebügelt. Geschlafen habe ich tief und traumlos. Zwar musste ich zweimal zur Toilette in der Nacht, doch ich fiel danach gleich wieder in tiefen Schlaf. Quellwasser? Machst du das?

Nach einem Tag in der Glasflasche bei Zimmertemperatur schmeckt mein Quellwasser vom Veitlbruch noch ein wenig bitterer, als eiskalt aus dem Rohr. Es könnten durchaus Mineralien sein, die hier vorschmecken. Der Untersberg ist zusammen gesetzt aus Schichten von Kalkstein und Dolomit. Gemahlen verwendet wird Dolomit als Nahrungsergänzung für die optimale Aufnahme von Magnesium und Kalzium.

Untersberger Marmor ist ein Kalkstein, sehen Sie die typischen rosafarbenen Einschlüsse?

Zum vierten Mal fahre ich zur Quelle. Heute ist ein sonniger Frühlingstag. Ich streife durch den Wald, befinde mich inmitten von Bäumen. Dennoch habe ich keinerlei allergische Beschwerden. Sind die Blütenpollen erfroren im Schnee der Vortage? Warum jucken meine Lider nicht? Der Pollenkalender im Internet weist eine Belastung mit Stärke zwei aus, gilt das nur für die Stadt?

Kneippen im Quellbach

Ein junges Paar watet barfuß im sonnenbeschienenen Bach. Wir kneippen, verrät mir Dominik.

Dominik und Leah beim kneippen im Bachbett unterhalb der Quelle am Veitlbruch. Das Wasser hat etwa drei Grad, die Luft ist heute schon ein bisschen wärmer.

Oft sind sie unterwegs in der Gegend. Kneippen und Eisbaden sind ihre Hobbys, Leah und Dominik stärken dadurch ihr Immunsystem. Den ganzen Tag zu Hause am Rechner sitzen macht krank, ist das junge Studentenpaar überzeugt. Das Wasser von der Quelle trinken sie aber nicht. Wir haben dieses Wasser in unserer Wohnung als Leitungswasser, glaubt Dominik. Nicht geläufig ist ihm Wissenschaft von Quellwasser im Vergleich zu Leitungswasser. Auch Keime als Kur gegen sein Asthma sind ihm fremd. Sobald er Quellwasser trinkt aus dem Berg, bekommt er arge Beschwerden im Magen-Darm Bereich, erzählt mir Dominik.
Ein halbes Jahr lang hat er in den USA gelebt. Vermutlich stammt daher seine Fruktose-Intoleranz, glaubt er, denn in den USA ist jedes Lebensmittel gesüßt mit schädlichem High Fructose Corn Sirup. Auch das Wasser drüben ist stark gechlort. Fruktose-Intoleranz kommt vom gestörten Mikrobiom im Darm, weiß ich. Vielleicht wäre das frische Quellwasser heilsam für Dominik? Sind Gasansammlungen durch Quellwasser eine Erstverschlechterung, die nach ein paar Tagen abklingt?

Komm auch rein, ruft Dominik mir zu, als er fröhlich bis zum Knie in einem Bachbecken watet. Soll ich es versuchen?

Hier ist es gut, hier kann man gut kneippen! Dominik lädt mich ein, mitzumachen. Kalt scheint ihm jedenfalls nicht zu sein.

Ein bisschen peinlich ist mir die Sache, ich warte, bis ich wieder alleine bin. Dann ziehe ich mir Barfußstiefel aus und Socken, kremple meine Hose nach oben und steige ins Wasser. Die Kälte ist nicht so sehr ein Problem für mich, aber die Steine! Das sind keine sanften Bachkiesel am Grund, sondern Marmorstückchen mit harten Kanten. Autsch.
Tapfer trete ich eine halbe Minute herum auf den Steinchen, ehe ich schnell wieder in meine Stiefel schlüpfe.
Du musst Badeschuhe mitbringen das nächste Mal, rät mir meine Mutter, als ich ihr von meinem Abenteuer erzähle. Folgsam bestelle ich Schwimmschuhe mit Barfußsohle.
Hol dir keine Blasenentzündung, mahnt Mama. Davon ist nichts zu merken, eher im Gegenteil. Meine Blase spült und spült, da kann sich gar nichts entzünden, bei der Pissfrequenz. Mein Urin riecht übrigens gar nicht mehr sauer. Fast süßlich duftet er, nach Reisbrei mit Aprikosen. Schlapper Grünkohl aus dem Import-Kisterl vom Biomarkt wird knackig wie nie im Quellwasser-Glas.
Osmose-Wunder Marmorwasser?

Labberiger Grünkohl geschnitten aus spanischem Bio-Import wird fest und knackig im Quellwasser-Glas.

Hat das Wassertreten gut getan? Ich finde, schon. Noch am Abend kribbeln die Fußsohlen angenehm, der ganze Körper fühlt sich gut durchblutet an.

Veränderungen im Körper durch Quellwasser

Seit einer Woche trinke ich Quellwasser. Sieben Tage lang beobachte ich nun die Veränderungen an meinem Körper. Pampstig und glatt fühlt sich mein Gesicht an, wie aufgepolstert. Meine Haut duftet fein, geradezu blumig. Werde ich zum Farn?
Meine Verdauung ist gut, die Stimmung auch. Durchfall habe ich nicht bekommen vom angeblich verkeimten Quellwasser, nur ein bisschen weich und hell ist mein Stuhl. Das schiebe ich nicht auf das Wasser, sondern auf Schlacken, die mein Körper ausspuckt. Offenbar will er gerade eine Menge loswerden. Vielleicht verändert auch Magnesium im Wasser meinen Darm.

Wie viel von dem Quellwasser brauche ich, bis das gesamte Körperwasser ausgetauscht ist in allen Zellen? Hundert Liter vielleicht? Wie viel kostet das eigentlich? Wenn ich knapp drei Liter Benzin verbrauche pro Fahrt, kostet mich jede Fahrt um die drei Euro fünfzig. Dreißig Cent wären das etwa pro Liter, nicht mitgerechnet das Wasser, das ich vor Ort trinke. Vergleichbar wäre dieser Preis mit Märkisch Kristall Naturell, sogar etwas günstiger noch.

Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht wegen dem verbrauchten Benzin. Wasser holen ist immerhin verbunden mit Wellness und Bewegung. Und schließlich wird ja Mineralwasser auch transportiert in den Supermarkt. Ich hingegen spare Verpackungsmaterial, verwende immer die gleichen Glasflaschen.
Dennoch könnte ich den Wassertransport optimieren, beschließe ich. Sollte ich vielleicht doch ein Holzfaß besorgen?
Lieber nicht, sonst wird das Wasser noch verunreinigt mit Imprägnierungsmitteln. Besser noch mehr Glasflaschen anfüllen, das Wasser hält sich darin angeblich ein halbes Jahr lang, lese ich in einem älteren Buchkapitel über diese Quelle.

Ist Quellwasser schädlich?

Können Kühe oberhalb der Quelle Fladen hinterlassen, auf einem Steilhang mit weichem Waldboden und moosigen Steinen? Ich kann mir das nicht vorstellen, beim besten Willen nicht.

Die Analyse des alten Brunnenwassers hatte vor über zehn Jahren ein Salzburger Pensionist durchführen lassen. Ich finde seinen Namen in einem Artikel einer Regionalzeitung. Seine Telefonnummer ist eingetragen im österreichischen Telefonbuch, ich rufe ihn an.
Noch gut erinnern kann sich Wolfgang Leitner an die Analyse, er hat sie durchführen lassen vom Labor AGES in Salzburg. Ein eigenes Gefäß hat er bekommen dafür, rund siebzig Euro hat alles gekostet. Seine Auslagen wurden ihm ersetzt vom Eigentümer des Grundstücks, das Marmorwerk Wallinger sei zuständig gewesen.
Furchtbare Verdauungsbeschwerden hat Wolfgang Leitner bekommen von dem Wasser, sie seien im Laufe der Zeit immer schlimmer geworden. Seit er jedoch nur mehr gefiltertes Leitungswasser trinkt, fühlt er sich wieder gesund. Sein Heilpraktiker hat ihm einen ECAIA Filter empfohlen, damit ist er sehr zufrieden. Hilfsbereit und freundlich ist Herr Leitner, er bietet mir sogar einen Test an mit seinem Filter. Die Analyse-Ergebnisse von damals hat er leider nicht mehr.

Schade findet Wolfgang Leitner die Entwicklung des Quellbrunnen, denn auch sein Nachbar hat das Quellwasser vom Veitlbruch gerne getrunken. Sogar nach Italien mitgenommen hat der Nachbar das Wasser, in den Urlaub.
Die nachgewiesenen Keime seien E. coli Bakterien gewesen. Schon vor seiner Analyse war dem Gesundheitsamt bekannt, dass in den Wasser Keime vorhanden sind – da hätten halt Kühe von der Weide hineingeschissen, habe eine Amtsärztin ihm gesagt. Zornig klingt seine Stimme, als er davon erzählt. Dabei ist Herr Leitner sehr gesundheitsbewusst, die Bedeutung von gesunden Bakterien im Darm kennt er.

Vielleicht sind Verunreinigungen entstanden auf dem Weg von der Quelle zum Brunnen, glaubt er heute. Die Quelle direkt im Bachbett könne unverseucht sein, findet auch Wolfgang Leitner. Denn Kühe sind auf diesem steilen Hang weit und breit nicht zu finden.

Hat das Wasser der Veitlquelle meine Allergien auf Frühblüherpollen kuriert? Innerhalb von einer Woche? Ich kann das noch nicht so recht glauben. Keine allergischen Beschwerden habe ich, gar keine. Der Pollenwarndienst hat nur ein geringes Allergierisiko berechnet für den heutigen Tag, die Warnstufe liegt bei einer niedrigen Eins. Es ist trübe, kalt und windig. Mal sehen, wie es mir geht, sobald die Sonne wieder scheint.

Anna geht spazieren im Schneesturm entlang der Quelle am Veitlbruch. Im Vordergrund sieht man den zerstörten Marmorbrunnen. Die Gedenktafel erinnert an den Fund von einem römischen Bronzschatz, er ist verschlollen.

Jüngere Geschichte der Marmorquelle

Der Winter ist zurück mit Minusgraden und Schneesturm. Das ist der Nachteil am Biohack mit Quellwasser: Sind die Flaschen leer, muss man hinaus in die Natur, bei jedem Wetter. Als ich zum fünften Mal an der Brücke ankomme zur Quelle, treffe ich Anna. Sie geht Gassi mit Hundedame Lotti, angeleint wegen der Wildtiere im Wald. Anna kennt die Gegend um den Veitlbruch seit vielen Jahren, sie stammt aus Fürstenbrunn. Früher sind ganze Busladungen hierher gekommen, mit Touristen aus Europa und Asien, erzählt Anna. Die Natur sei zertrampelt worden von den Schaulustigen, bis der Bustourismus zur Quelle verboten wurde. Ein Fahrverbotschild am Anfang der Römerstraße versperrt heute größeren Fahrzeugen die Fahrt durch den Wald. Doch immer noch kämen viele Wanderer hierher in PKW. Überall sei Müll. Plastikflaschen, Verpackungen, sogar Glasscherben. Erst vor wenigen Tagen hat sie leere Bierflaschen gefunden im Bachbett. Ich werfe doch auch keinen Müll in Nachbars Garten, schimpft Anna.

Anna ist Projektmanagerin für Krisenmanagement, dazu studiert sie Politikwissenschaften. Sie will etwas verändern im Leben, mindestens im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Das Wasser aus der Quelle trinkt sie nicht, doch interessiert sie sich für Naturkosmetik. Sie mischt selbst Lotions an und Cremes. Was drin ist, will sie wissen, plastikfrei, ehe sie Substanzen auf ihre Haut aufträgt. Mit Kräutern kennt sie sich bestens aus, gegen Schlaflosigkeit oder Nervosität, auch gegen Entzündungen. Anna lobt meine schöne, glatte Haut. Das kommt vom Quellwasser, bin ich überzeugt und rate ihr, das Wasser selbst einmal auszuprobieren. Wir tauschen Gesundheitstipps aus. Ich empfehle MCT Öl gegen geschwollene Lider, sie Backpulver für leuchtend weiße Zähne.

Mein Körper hat sich gewöhnt an das Quellwasser. Die Lippen sind seidig, meine Haut schimmert prall. Zur Toilette muss ich nicht mehr übermäßig oft. Meine Nase ist frei, die Allergie ruhig. Das Gemüt ist ausgeglichen, Hände und Füße sind warm. Zehn Tage lang trinke ich das Quellwasser nun. Nie spürte ich Heißhunger oder Appetit auf Zucker. Einschlafen kann ich wie ein Baby. Auch ein paar Kilos sind runter.

Verschneiter Mischwald vom Untersberg im Schneesturm. Schwere Pappschneelawinen donnern von den Ästen.

Salzburg versinkt im Schneesturm. Bei diesem Wetter jagt man keine Bloggerin vor die Tür. Das Quellwasser ist aus, aber nein. Ich mag heute nicht Wasser holen, da breche ich mir ja sämtliche Beine beim Abstieg in den Bach, fürchte ich, denn unter dem hohen Schnee sieht man die Steine nicht.
Ausnahmsweise trinke ich Leitungswasser. Es schmeckt mir überhaupt nicht. Leitungswasser füllt hart meinen Mund, als sei es ein Knochen. Eine Viertelstunde später jucken meine Augenlider – die Baumpollenallergie meldet sich zurück. Ich bekomme Ohrensausen, in der Nacht kann ich nicht gut schlafen.
Frühstückskaffee aus Leitungswasser schmeckt wiederlich. Gewöhnt bin ich den aromatischen Geschmack der Kaffeebohnen mit Quellwasser. Wie konnte ich jemals hartes, schwarzes Gesöff trinken mit Kalkflecken?
So müde bin ich heute, ich muss schlafen nach dem Mittagessen. Traumlos falle ich in tiefen Schlummer, benommen wache ich auf vor Anbruch der Dunkelheit.

Der Schneesturm tobt noch vor dem Fenster. Bald wird es Abend. Ich will Quellwasser. Schnell springe ich ins Auto, auf dem Weg zur Quelle brauche ich Tageslicht. Als ich ankomme am Parkplatz neben der Marmorkapelle, sehe ich Spuren im tiefen Schnee. Sie führen zum Bach.

Frische Spuren im Schnee auf dem Weg vom Parkplatz zur Quelle am Veitlbruch: Selbst bei Schneegestöber kommen Insider hierher für Marmorwasser.

Dankbar bin ich meinem Vor-Gänger, er hat den Weg markiert zur Stahlquelle über Steinstufen durch zugeschneite Findlinge. Schnell fülle ich meine Flaschen. Keinesfalls in die Dunkelheit will ich geraten – würde ich stürzen und mich verletzen, hier fände mich heute niemand mehr. Der Schnee ist tief und pappig, er festigt meinen Schritt. Rutschig ist es nicht, nur ein schneefreier Findling im Bach ist glitschig.
Beladen mit zwei vollen Wasserkästen mache ich mich auf den Rückweg. Diesmal wähle ich den längeren Weg durch den Wald, mit Gewichten beladen vermeide ich die Natursteintreppe am Bachbett.
Bis zum Knie versinke ich im Pappschnee. Toll fühlt sich das an, ich werde zum Kind. Am liebsten würde ich ein Schneehaus bauen. Der Schnee wäre perfekt dafür, schön schwer und gut formbar.
Wind kommt auf. Schneebomben donnern zur Erde von wehenden Bäumen. Jetzt schnell ins Auto, die Astlawinen sind zwar weich, aber schwer und nass.

Knietief wandere ich durch den Schnee, vorbei am still gelegten Marmorbrunnen aus alten Tagen. Sehen Sie die Abdrücke meiner Wasserkästen im Schnee?

Angekommem im gemütlich warmen Wohnzimmer, gieße ich Blumen und Grünpflanzen mit dem frischen Quellasser. Wussten Sie, dass Pflanzen untereinander kommunizieren? Wenn Regen kommt, senden sie Signale aus, an umliegende Pflanzen. Der Gummibaum hat Wasserspender, sie sind nicht leer. Dennoch spüre ich ihn rufen, ich auch, ich auch.

Unaufhörlich schneit es in Salzburg. Regen mischt sich zwischen feste Graupen. Die Quelle ist zu weit für mich bei diesem Wetter. Ich mache einen Test: Wie geht es mir, wenn ich abgefülltes Mineralwasser trinke aus der Alpenregion? Ich probiere Gasteiner Mineralwasser. Damit fühle ich mich überhaupt nicht gut. Ich werde unruhig und zornig. Meine Allergie meldet sich: Augenlider jucken, Ohren sausen, ich huste. Drei Liter trinke ich davon, den Rest gebe ich den Pflanzen. Sehr glücklich sind die Stöcke nicht damit – anstelle von fest und knackig, fühlen sich die Blätter labberig an.
Viel angenehmer ist Preblauer Mineralwasser: Damit beruhigt sich mein Gemüt, der Durst lässt sich gut stillen.

Unweit „meiner“ Marmorquelle am Veitlbruch liegt der Gutshof Glanegg. Aus dem 15. Jahrhundert stammen seine ältesten Bauteile. Hier entdecke ich historische Ornament auf einer handgewirkten Eisentüre. Stellen sie reiche Blüte dar durch Quellwasser?

Es klart auf, ich fahre zur Quelle. Zwei Tage lang habe ich kein Quellwasser mehr getrunken. Der Schnee liegt so hoch, bis zum Oberschenkel sinke ich ein in Haxnbrecherschnee, so nennen Einheimische die pappige Masse. Sie kommen auf Tourenskiern durch den Wald.
Als ich schwitzend am Auslass der Quelle stehe, als Wasser rinnt in meine Flaschen, spüre ich den beruhigenden Effekt von diesem Umfeld. Waldluft, Plätschern, Ruhe … positive Gedanken steigen in mein Bewusstsein. Ich verweile einen Augenblick, ehe ich Quellwasser trinke vor Ort. Das Wasser ist so angenehm, so rund und kühl und weich, ich mag gar nicht mehr aufhören.

Unberührte Winterlandschaft am Untersberg. Das Bachbett vom Quellbach am Veitlbruch ist ausgetrocknet. Der Schnee liegt kniehoch auf Marmorblöcken.

Auch diesmal habe ich mehr Durst mit Quellwasser. Mein Körper scheint schnell loswerden zu wollen, was sich angesammelt hat in den vergangenen Tagen mit Mineralwasser. Ein bisschen weich wird mein Stuhl, sogar Durchfall stellt sich ein.
Vielleicht bekam Wolfgang Leitner seine Verdauungsbeschwerden gar nicht vom Quellwasser? Waren es Erstverschlimmerungen? Hat sich sein Mikrobiom verschoben von sauer nach basisch? Hat sein Körper entgiftet, sobald er Quellwasser getrunken hat? Haben sich osmotische Bewegungen eingestellt durch das Marmorwasser aus dem Römerbrunnen, die Durchfall verursachten bei ihm? Vielleicht hätte er ausschließlich Quellwasser verzehren müssen, um pumperlgesund zu sein?
Es entspricht einer linearen Logik, anzunehmen, Quellwasser sei schuld an Durchfall, der sich einstellt, sobald man Quellwasser trinkt. Ebenso logisch ist es, E. coli Bakterien verantwortlich zu machen für Durchfall, wenn diese nachgewiesen werden im Wasser. Escherichia coli Bakterien können Gase bilden, unter bestimmten Umständen stellen sie CO2 her durch ihren Stoffwechsel. Sie sind sehr wichtig im Darm, ihre Ausscheidungen schützen den Körper. Wurde jemals die objektive Verbindung hergestellt zwischen E. coli Bakterien im Quellwasser vom Untersberg und Durchfall? Vielleicht müsste man genauer hinsehen, Zwischentöne suchen, Ursachen und Wirkungen verstehen?
Durchfälle stellen sich jetzt auch bei mir ein, manchmal. Sie scheinen Spontanreaktionen zu sein auf für mich unverträgliche Nahrungsmittel wie Weizen, frische Erbsen oder Schwarzbohnen.

Mögliche Erklärungen für Durchfall durch Quellwasser:

  • Das Wasser enthält basische Mineralsalze – ungewohnt, das Mikrobiom verändert sich, Erstverschlimmerung
  • Das Wasser enthält organische Salze – reizend
  • Lebendiges Quellwasser öffnet die Wasserkanäle der Zellen, der Körper entschlackt – reinigend
  • Natürliche Waldkeime ersetzen vorhandene Keime in den Verdauungswegen. Bakterien werden ausgetauscht, existierende (Fehl-)Population stirbt ab. Toxine werden ausgeschieden – reinigend
  • Durch absterbende Bestandspopulatoin im Darm wird Kalium frei, der Stuhl wird weich – Erstverschlimmerung
  • Der Körper ist besser hydriert, die Darmzellen absorbieren weniger Wasser aus dem Stuhl – Erstverschlimmerung
  • ?

Nachdem ich selbst erneut vier Liter Quellwasser getrunken habe, sind jedenfalls alle allergischen Beschwerden auf Frühblüher abgeklungen, restlos. Autoimmunes Geschehen im Bewegungsapparat (Schmerzen) ist kaum zu spüren. Dieses Quellwasser beruhigt mein Immunsystem, darauf hoffe ich, auch durch Waldspaziergang und Wasserplätschern.

Bekräftigt wird mein Eindruck durch Elisabeth. Sie kommt mit schweren Glasflaschen zur Quelle, als ich gerade mit nackten Füßen im Bachbett stake. Elisabeth stammt aus Salzburg. Sie leidet an Brain Fog, gerade macht sie eine Therapie zur Ausleitung von Schwermetallen. Sobald sie Wasser holt und trinkt, frisch von der Quelle, wird ihr Kopf so klar wie das Wasser. Schwermetalle stören das Immunsystem.
Verwirrtheit und Immunsystem gehen Hand-in-Hand, weiß die Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie. Beruhigt Quellwasser das Immunsystem von Elisabeth, ebenso wie es meine Allergien lindert?

Kunst an der Quelle

Jeder Ausflug zur Quelle bringt neue Kontakte: Ich lerne Roland kennen, er ist Land Artist. Land Art ist eine eigene Kunstform. Sie nutzt natürliche Materialien oder Orte, um mit der Natur künstlerisch zu interagieren. Readymade Technik fließt ein in die Land Art: Roland gestaltet die Natur in der Nähe der Quelle mit vorgefundenen Elementen: Ein simpler Ast wird zum Omega, als Torbogen des Lebens über einem Wasserfall.

Der Ast als Readymade: Ein Omega als Symbol für das Tor am Ende des Lebens spannt sich über einen Kunst-Wasserfall von Land Artist Roland.

Roland zeigt mir die Gegend: Er führt mich zum Ursprung vom Bach oberhalb meiner Stahlquelle: Das Bachwasser entspringt einer Quellhöhle, etwa fünfzehn Höhenmeter oberhalb der Brücke. Ein Metallschild ist getrieben in einen Felsen an der Höhle. VEITLBRUCHQUELLHÖHLE steht darauf geschrieben in kapitalen Lettern, dazu eine Nummer. Jede Quelle ist registriert in Österreich. Ganze Vereine gibt es rund um Quellen, erzählt Roland, auch im nahe gelegenen Bayern. Endlich stehe ich vor der wahren Quelle am Veitlbruch. Hier wurde der Römerschatz gefunden, hier haben die antiken Legionen ihre Flaschen gefüllt. Das Stahlrohr unweit der Brücke ist nur eine zeitgenössische Lösung, für Quelltourismus entlang der Straße.

Die gesamte Region um den Veitlbruch ist übervoll mit Frühlingswasser: Über den Steinbruch strömen helle Flüsse, sie sammeln sich in Rinnen und Spalten. Diese Einkerbung stammt aus der Römerzeit, ist Roland sicher, denn er kennt die Werkzeuge der alten Römer und ihre Spuren.

Wir halten Ausschau nach Wildtieren: Gemsen und Rehe kommen hier vorbei, auch Hasen und andere Nagetiere haben Spuren in den Schnee gezeichnet. An Kot finden wir gesunde dunkle Kügelchen, von einer Gams. Man könnte sie aufklauben und mitnehmen, als Dünger für das Kräuterbeet.

Vor zwei Wochen erst hat er die Steintreppe gebaut ins Bachbett zum Stahlrohr, erzählt Roland. Dankbar bin ich für seine Arbeit, denn sie erleichtert den Weg ins Bachbett. Ob er mir wohl ein Kneippbecken bauen kann? Er lässt sich nicht lange bitten: Roland gräbt seine Hände in die Bachkisel, staut den Quellbach für mich an einer günstigen Stelle mit bequemem Einstieg.

Ein Kneippbecken im Bach ist errichtet in Windeseile: Land Artist Roland staut den Bach mit bloßen Händen.

Bei jedem Besuch steige ich in mein Kneippbecken, mindestens ein paar Minuten lang. Es fühlt sich gut an. Für mich ist Quellwasser gesund vom Marmorbrunnen, bin ich überzeugt.
Anfängliche Verdauungsbeschwerden und überschießende Säure durch Quellwasser führe ich zurück auf Selbstreinigungsprozesse des Körpers.

Die Quellhöhle

Mein Kneipp-Becken ist trocken – der warme Frühling hat den Quellbach beruhigt. Ich steige hinauf zur Quellhöhle vom Veitlbruch. Sie ist gefüllt mit eiskaltem Wasser. Vorsichtig grabe ich meine Zehen in die Marmorkiesel. Bis zum Knie wate ich in der Quellhöhle, es fühlt sich toll an. Warm kribbeln meine Beine, als ich wieder ins Freie steige. Gemütlich setze ich mich auf einen umgestürzten Baum, lasse meine Zehen trocknen in goldenen Sonnenstrahlen, die durch die Bäume fallen. Friedlich ist es hier, niemand ist laut, nichts stört.

Die Quellhöhle am Veitlbruch ist randvoll mit klarem Wasser. Bis zum Knie steige ich hinein in die Mulde am Berghang. Das Wasser hat acht Grad..

Merke ich einen Unterschied zwischen original Quellhöhlenwasser und dem Stahlrohrwasser weiter unten? Ich trage einen lebensmittelechten Wasserkanister den weichen Berghang hinauf zur Quellhöhle. Vorsichtig tauche ich ihn tief in das kristallkare Wasser. Werde ich gegenüber dem Stahlrohrwasser andere Eigenschaften bemerken zu Hause, sobald der Kanister Raumtemperatur erreicht hat?
Ich finde tatsächlich einen geschmacklichen Unterschied. Das Stahlrohrwasser schmeckt bitterer, auch ein wenig härter. Das Höhlenwasser ist so rund und glatt, fast schon ölig ist seine Textur. Können objektive Testergebnisse meine sinnliche Wahrnehmung bestätigen?

Wissenschaft von Quellwasser

Das Allergiker-Risiko durch Pollen liegt bei roten drei Messwerten in Salzburg. Ich habe keine Beschwerden. Wie weggeblasen ist meine saisonale Allergie auf Frühblüher. Sobald ich Quellwasser trinke vom Veitlbruch, jucken meine Lider nicht mehr. Auch mein Atem bleibt frei.
Magie? Einbildung? Placebo? Kann man eine antiallergische Spontanheilung durch Quellwasser wissenschaftlich erklären?

Wissenschaftliche Literatur wird von mir durchforstet. Quellwasser kann das Immunsystem beruhigen, so steht es geschrieben in Literatur über Jahrtausende. Beobachtet wurden die gesundheitlichen Effekte durch Heilkundige von Hippokrates über Hildegard von Bingen bis Sebastian Kneipp. Heilkraft schreibt man Mineralien zu im Wasser, Temperatur (Kälte/Hitze), Information/Schwingung oder seiner treibenden Wirkung. Doch derzeit gibt es nur wenige wissenschaftliche Publikationen zur heilsamen Wirkung von Quellwässern. Selbst Studien der Gegenwart beobachten zumeist empirisch, wenngleich auf biochemischem Niveau.

Drei Studien finde ich zu Avene Quellwasser in wissenschaftlichen Bibliotheken. Antiallergische und antientzündliche Wirkung in Vitro wurde nachgewiesen von der Societe d’Etudes en Pharmacologie in Paris. Histamin wird unterdrückt durch Avene Mineralwasser, ebenso die Ausschüttung von Prostaglandin D2 – ein erhöhter Gehalt an diesem Gewebshormon geht einher mit Asthma, Chronic Fatigue und Haarausfall.
Avene Quellwasser moduliert die Durchlässigkeit der Zellmembranen, beeinflusst immunulogische Zytokine, reguliert Immunantworten durch Einfluss auf einige Mitogene und senkt immunrelevante Interleukine, beobachtete das Laboratoire d’Immunologie, Hopital Saint-Eloi, Montpellier, Frankreich.
Von der European Academy of Dermatology and Venereology wird Avene Mineralwasser Einfluss zugeschrieben auf das tolerogene Potenzial vom Immunsystem.
Hinter Avene steckt die Pierre Fabre Dermo-Cosmetique GmbH in Wien. Mit pharmazeutischen und kosmetischen Produkten wird der runde Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro produziert. Ob diese Studien unvoreingenommen sind, sei dahingestellt – sie geben mir immerhin wissenschaftliche Hinweise auf mögliche Erklärungen für meine eigenen gesundheitlichen Verbesserungen durch Quellwasser vom Untersberg. Sind die Resulate skalierbar?

Eine koreanische Studie prüft an Mäusen das Potenzial von hochkonzentriertem Mineralwasser gegen Dermatitis. Dabei werden ähnliche Schlüsse gezogen – Mineralwasser senkt entzündungsfördernde Zytokine. Die Koreaner stellten zudem fest, baden in Mineralwasser mindert oxidativen Stress und stärkt gleichzeitig körpereigene Antioxidantien.

An Ratten testete man in Russland die heilsame Wirkung von Khadyzhenskaya Mineralwasser auf Atherosklerose.

Schlank durch Quellwasser dokumentiert eine japanische Studie über alkalisches Wasser aus dem Hita Becken, im Norden der Kyushu Insel. Alkalisches Mineralwasser verändert das Mikrobiom im Darm, zeigen die Wissenschaftler. Lactobazillen werden gefördert, Klostridien sterben ab. So kann Übergewicht abgebaut werden. Schon nach nur einer Woche Konsumation zeigen sich schlanke Veränderungen, fanden die Forscher heraus an Mäusen.
In dieser Studie verlinkt sind weitere Studien, als Referenzen. Darunter eine ebenfalls japanische Studie, sie untersucht Effekte von geordneten Wasserstrukturen durch Keramik. Behandelt man destilliertes Wasser mit Keramik, schlussfolgert man, erhöht man mit geordnetem Wasser die Durchlässigkeit der Aquaporine.
Strukturiertes Wasser wirkt gesundheitsförderlich sowohl bei Pflanzen als auch bei Menschen, schreiben die Wissenschaftler, sie haben das verbesserte Pflanzenwachstum getestet an einer Begonie.

An einem kühlen Frühlingabend nach zwei Regentagen strömen Wasserkaskaden über den historischen Marmorbruch an der Römerstraße

Aquaporine sind Proteinkanäle in organischen Zellmembranen, sie bilden Wasserkanäle in einer Zellewand. Angetrieben wird der Fluss nicht durch Pumpen, sondern durch Osmose. Das Wasser wandert durch Aquaporine in Richtung des osmotischen Gradienten. Schwermetalle können Aquaporine verstopfen, strukturiertes Wasser kann sie öffnen, so die Wissenschaft.

Wissenschaftlich glänzen konnte Hita Tenryosui Mineralwasser auch in einem umfangreichen Wasser-Vergleich mit zwei weiteren Mineralwässern und Leitungswasser. Beobachtet wurden Veränderungen an der Durchlässigkeit der Aquaporine, sowie der Aktivität von menschlichen Killerzellen.
Die Wasserproben wurden durch zahlreiche Methoden aneinander angeglichen: Ihr PH Wert wurde angepasst, ihre Temperatur, sie wurden gekocht, gefriergetrocknet und mit Extraktion behandelt. Hita Tenryosui Wasser steigerte die Durchlässigkeit der Aquaporine in allen Tests – nur dann nicht, wenn das Wasser vor Behandlung gefriergetrocknet worden war, oder einer Flüssig-Flüssig Extraktion ausgesetzt worden war. Was genau zerstört wurde durch die Behandlungen, warum Hita Tenryosui Wasser seine Eigenschaften verlor, ist derzeit noch unklar. Das Mineralwasser wirkte am besten auf die Durchlässigkeit der Aquaporine bei 37 Grad Celsius.

Bislang beobachtete ich an mir selbst einige gesundheitliche Verbesserungen durch Quellwasser vom Veitlbruch:

  • Gewichtsabnahme
  • Angenehm blumiger Körpergeruch
  • Verbesserte Nierenfunktion,
  • Entsäuerung der Zellzwischenräume
  • Schöne glatte pralle Haut ohne Rötungen
  • Kräftiges Gewebe
  • Keine allergischen Beschwerden mehr
  • Keine Schmerzen im Bewegungsapparat mehr
  • Verbesserter Schlaf
  • Mehr Energie

Die gefundenen Studien von anderen Quellen stützen meine Beobachtungen. Sind sie übertragbar auf das Marmorwasser vom Veitlbruch? Heilkraft durch Marmor-Quellwasser könnte mehr sein als ein Placebo-Effekt. Vielmehr könnte sie biochemisch erklärbar sein.

Retterin der Quelle

Maria betet an der Kapelle am Fuße des Veilbruch. Sie ist mit einem Kombi gekommen, der Kofferraum ist voll gepackt mit Wasserkästen. Regelmäßig reist Maria an aus Bayern, um Wasser zu holen. Ihr Pflegekind ist krank. Maria bekam eine Corona-Ausnahmegenehmigung für den Grenzübertritt von Deutschland nach Österreich, denn ihre Anfahrt hat medizinische Zwecke: Ein halbes Herz nur hat ihr Pflegesohn, schon von Geburt an. Leitungswasser verträgt er gar nicht, auch Mineralwasser tut ihm nicht gut. Das Quellwasser vom Veitlbruch jedoch liebt er. Seine Lebenserwartung hat er bereits überschritten um Jahre.

Marias Pflegesohn ist chronisch krank. Regelmäßig holt sie Wasser für ihn, zu medizinischen Zwecken. Ihr verdanke ich das offene Quellrohr – sie hat sich dafür eingesetzt, die verschlossene Quelle öffnen zu dürfen.

Schon vor mehr als zehn Jahren kam Maria hierher, um Wasser abzufüllen, damals noch am Wanderbrunnen. Als er geschlossen war, kontaktierte sie den Marmorsteinbruch Wallinger. Das beste Wasser weit und breit sei das, habe ihr Wallinger damals gesteckt, man hatte Analysen anfertigen lassen. Doch ein Bürger hatte sich beschwert gehabt. Nun befand man sich in einer unklaren Rechtslage: War das Quellwasser am Brunnen Trinkwasser, oder eben nicht? Das Problem schien unlösbar. Um sich zu schützen vor weiteren Schmerzensgeldforderungen, verschloss Wallinger das Quellrohr. Maria bat darum, es öffnen zu dürfen, für ihr krankes Kind. Sie durfte. Seither steigt sie regelmäßig in das Bachbett, bei jedem Wetter. Ihre ganze Familie trinkt Quellwasser, niemand wurde je davon krank, versichert mir Maria – ihr Pflegesohn profitiert gesundheitlich enorm.

Sehr dankbar bin ich Maria – ohne ihr Engagement hätte ich niemals dieses Wasser entdeckt. Auch sie bestätigt meine Vermutung: Wasser aus dem Stahlrohr ist unabhängig vom Bachbett – es ist eine eigene Quelle, aus den Tiefen des Berges.

Gabriele geht regelmäßig spazieren am Untersberg. Sie kennt die Geschichte des Brunnen. Früher stand ein Försterhaus an der Stelle des heutigen Marmorblock, erzählt sie. Der Förster hatte den Brunnen gebaut. Das war sein Fließwasser, für das ganze Haus. Die Rohe hatte er selbst verlegt. Sogar ein kleiner Obstgarten ist noch zu sehen, mit morschen vermoosten Bäumen, gegenüber vom alten Brunnen. Später wurde das Haus abgerissen, der Brunnen jedoch blieb.

Offenbar sei der Brunnen geschlossen worden aus Unmut über den Quelltourismus, durch die Forstverwaltung im Gutshof Glanegg. Eigentümer Maximilian Mayr-Melnhof halte nichts von Untersberg-Touristen, glaubt Gabriele.

Vielleicht könnte man eine gemeinsame Lösung finden, eine win-win Situation für alle? Ich kontaktiere die Forstverwaltung von Maximilian Mayr-Melnhof. Hoffe auf wissenschaftliche Neugier zur Heilkraft des Quellwassers. Ich bekomme einen Korb, höflich aber bestimmt. Max MM schreibt, mehr und mehr Menschen würden der Natur bereits mehr als zusetzen. Man solle die Natur so belassen wie sie ist, auch wenn der Mensch und dessen Bewirtschaftung bereits überall mitreden würden. Die Tiere, in deren Wohnzimmer wir uns bewegen, würden auf der Strecke bleiben.
Eine respektable Haltung, ohne monetäres Interesse an der Existenz dieser Heilquelle. Vielleicht kann ja alles so bleiben, wie es ist?
Vielleicht ist alles gut so, wie es ist?

Meine Winterbekanntschaft Anna kommt regelmäßig hier vorbei, ich treffe sie erneut auf dem Weg zum Veitlbruch. Sie spaziert durch den Wald mit einer Mülltüte in der Hand. Der transparente Beutel ist angefüllt mit Zivilisationsabfall: Getränkedosen, Schokoladepapier, alte Zeitungen, Kronenkorken. Wir fahren gemeinsam ein Stück im Auto. Am Wegesrand liegt ein leerer Becher von McDonalds.

Vollmondabfüllung

So mache Wasser-KonsumentInnen glauben an die Kraft des Vollmonds. Besonders heilkräftig soll Wasser sein, abgefüllt im vollen Mondlicht. Man kann Vollmondwasser sogar im Bioladen kaufen, ganz regulär im Wasserkasten.

Ein Supermond steht über dem Untersberg in der blauen Morgenstunde von Salzburg. Noch eine knappe halbe Stunde fehlt ihm, um ganz voll zu sein.

Wissenschaft zu Vollmondwasser finde ich nicht. Sehr wohl jedoch beschäftigten sich Wissenschaftler mit Effekten des Mondes auf Meereslebewesen. Mondlicht, Gezeiten und geomagnetische Felder stehen im Fokus der Geowissenschaft – seinen starken Einfluss des Mondes auf die Erde erkennt man spätestens beim ersten Sonnenbad am Meeresstrand.

Wenn andere Leute überzeugt sind von der Kraft des Vollmondes auf Wasser, warum soll ich Mondwasser nicht ausprobieren? Der Volksmund hat Wissen durch jahrtausendealte Empirie. Selbst wenn bislang keine Schulmeinung aufgesprungen ist auf diesen Trend, kann man sich das doch mal anschauen, nicht wahr?

Ein Supermond ist angekündigt, um 5:37 morgens soll er ganz voll sein, der Mond über Salzburg. Ich stelle die App, fahre verschlafen zur Veitlbruchquelle im düsterblauen Morgenlicht. Ein riesengroßer Rosenmond strahlt hell über dem Untersberg. Alleine dieses Erlebnis ist einen Ausflug wert – heute kann ich die Welt verändern, glaube ich in diesem Licht, und fühle mich glücklich.

Angekommen an der Quelle bin ich ganz alleine. Der Mond ist nicht zu sehen, er ist untergegangen hinter Berghängen und Waldwipfeln. Keine Hexenschlage steht am Bachbett, keine Teufelsanbeterclique tanzt um Steinkreise. Habe ich die Idee der Vollmondabfüllung missverstanden? Hätte ich im hoch stehenden Mondlicht um Mitternacht abfüllen müssen, umgeben von Werwölfen?

Das Naturschutzgebiet Untersberg im frühen Morgenlicht bei Vollmond.

Pünktlich stehe ich am Quellauslass. Das Smartphone piept, die astronomische Vollmondzeit beginnt. Meine Kanister und Flaschen fülle ich innerhalb weniger Minuten vor und nach dem offiziellen Termin. Der Mond hingegen ist nicht mehr zu sehen an der Quelle, zu tief steht er schon hinter den Berghängen.

Zwei Kanister fülle ich mit Wasser, und ein paar Glasflaschen. Spaß macht es allemal, ob es auch wirkt? Ich trinke von dem Wasser, steige auch hinein in den Quellbach, genieße die Stille im Rauschen. Ruhig setze ich mich auf den großen Findling neben der Quelle, lasse mich trocknen. Schön ist es jetzt hier, im ersten Morgenlicht der Sonne über dem Horizont.

Morgenlicht der aufgehenden Sonne löst das silbrige Licht des Vollmondes ab am Bach der Veitlbruchquelle.

Matt fühle ich mich, als ich nach Hause fahre. Erschöpft bis auf die Knochen bin ich. Auch heiß ist mir, als hätte meine Haut einen unsichtbaren Thermostat hoch geregelt. Habe ich etwa Fieber?

Mein Körper spuckt grauenvolle Gerüche aus, unvorstellbar. Entgiftung aus allen Poren hat mein Organismus in Gang gesetzt, höllisch anstrengend ist das. Hunger habe ich keinen, nur Durst, großen Durst. Am Nachmittag schlafe ich fest wie ein Findling im Bach.
Erst gegen Abend werde ich wieder lebendig. Ich fühle mich sauber, fast wie neu.
Hat mein Immunsystem fiebrig reagiert auf die Kälte des Waldes? Hatte das Vollmondwasser ganz besonders energetisierende, entgiftende Effekte? Oder was ist hier passiert mit mir am fühen Vollmondmorgen des Veitlbruch?

Süchtig bin ich nach dem Untersberg, hatte mir eine Wanderin erzhält bei einem meiner frühen Besuche an der Quelle. Zweimal pro Woche kommt sie hierher, angereist aus Linz, um zu Wandern auf dem Untersberg und zu meditieren. Ich verstehe jetzt, was sie meint. Dieser Ort ist wundervoll. Auch mich zieht es immer öfter hierher, als wäre der Veitlbruch ein zweites Zuhause.

Wie geht es Ihnen? Was halten Sie von der Geschichte der Marmorquelle vom Veitlbruch? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!

9 Kommentare
  • Ja, wir haben das Wasser vom Untersberg vor der Haustüre. Natürlich kennen wir das. Am Veitelbruch haben wir schon als Kinder gespielt. Aber trinken tun wir nichts dort. Wir trinken nur Leitungswasser. Unser Wasser kommt vom Untersberg. Wir entgiften mit Brennesseltee. Die wächst hinter unserem Haus. Vielen Dank für den schönen Artikel!

    • Liebe Miranda,
      probieren Sie das Wasser bitte, dann berichten Sie von Ihren Erfahrungen. Würde mich sehr interessieren!

  • Haben Sie TDS Messgeräte zur Verfügung? Damit messen Sie die Gesamtzahl aller gelösten Feststoffe im Quellwasser, gleich PPM (parts per million). Reines Wasser ist nicht leitfähig. Erst die darin gelösten Ionen können Elektrizität übertragen. Metalle und Salze werden berücksichtigt vom TDS Messgerät, nicht jedoch Pestizide oder Keime. Grundsätzlich geht man davon aus, dass ein niedriger PPM Wert für hochwertiges Wasser spricht. Wasser ist ein Transportmedium. Je weniger Ionen darin gelöst sind, desto besser kann es Nährstoffe aus Nahrung aufnehmen. Gut wäre ein Wert von 40 – 70 PPM. Deutsches Leitungswasser hat rund 200 – 500 PPM.

        • Das Quellwasser vom Untersberg direkt aus der Quelle am Veitlbruch hatte am Tag der Messung einen PPM Wert von 113. Der pH Wert schwankte während der Messung zwischen 8,74 und 8.86.

          PPM und pH Wert vom Quellwasser am Veitlbruch im Naturschutzgebiet Untersberg bei Salzburg.

          Drei Tage lang abgefülltes Quellwasser aus der Glasflasche hat einen PPM von 102 bei einem pH-Wert von 9,12. Das korreliert auch mit den Werten von offenem Bachwasser am Veitlbruch.
          Salzburger Leitungswasser hat 195 PPM und den pH Wert 8,5.
          Was schließen Sie daraus?

          • Scheint so als wäre das Wasser reich an basischen Kationen. Nicht jedoch übersättigt, sodass es als gutes Transportmedium fungieren kann. Dürfte sehr gutes Wasser sein gegen Übersäuerung oder Ödeme.

  • Wir leben in einer Waldstadt. Wir haben eine natürliche Quelle aber die kommt nicht aus dem Berg. Haben wir bemerkt beim Wandern, schöne Gegend. Pissen tun wir davon wie ein Zirkuspferd.
    Dachte, das wär ungesund? Nitrat, Nitrit oder so was?

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