Sanatorium Liebhartstal, Pflege-Hölle in Wien

Sanatorium Liebhartstal bei Nacht, Haupthaus
Kurzversion:

Zwangsweise wurde meine Mutter überstellt in das Wiener Pflegeheim Sanatorium Liebhartstal. Ihre Erwachsenenvertreterin hatte es angeordnet. Was dort geschah, ist unvorstellbar.

Missbrauch im Pflegeheim: Nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen ausgemalt hätte ich mir, was Ärzte anstellen können im Umfeld von einem Wiener Sanatorium mit hilflosen Pfleglingen, zu monetären Zwecken. Doch dann wurde meine Mutter eingeliefert in das private Pflegeheim Sanatorium Liebhartstal.

Meine Mutter und ich wurden gewaltsam voneinander getrennt. Zwangsweise wurde sie untergebracht im Sanatorium Liebhartstal von ihren Erwachsenenvertretern. Seither bekomme ich interne Einblicke in den Alltag vom diesem privaten Pflegeheim und seinen Angeboten.
Zwangsmedikation, Übermedikation und Medikamentenmissbrauch erscheinen mir alltäglich. Werden die Nebenwirkungen von Medikamenten im Sanatorium Liebhartstal zur gewünschten Wirkung?
Aus Schmerzen und Schwäche durch medikamentös induzierte Demenz kann die Leitung des Pflegeheims Profit schlagen.
Lesen Sie, was meiner Mutter und mir alles wiederfuhr, seit sie untergebracht ist im Sanatorium Liebhartstal.

Leitung vom Sanatorium

Sanatorium Liebhartstal wurde 1954 gegründet von Psychiater Dr. Reinhard Franz Formanek in Wien. Schon dessen Vater war Psychiater gewesen. Franz Formanek war zweimal verheiratet, er hatte sechs Kinder. Seine zahlreichen Nachkommen dieser Wiener Psychiater-Familie betreiben heute das Sanatorium Liebhartstal. Geschäftsführung der GmbH, Sekretariat, ärztliche Leitung und Pflegeleitung sind fest in der Hand dieser einer Familie – sämtliche Schlüsselpositionen sind besetzt von Geschwistern und Angehörigen.
Die hochgelobte „familiäre Atmosphäre“ des Sanatorium Liebhartstal beschreibt Zustände in den oberen Positionen, nicht jedoch das Umfeld für Pfleglinge und Angehörige. Gewaltenkontrolle gibt es keine im Sanatorium Liebhartstal. Die Familie Formanek schiebt sich in ihrem eigenen Interesse die Karten zu.

Kritik wird nicht gewürdigt, sondern umgehend zensuriert, ob am Haus, seinem Angebot, seiner Führung oder an ärztlichen Entscheidungen. Familiär ist das leider gar nicht für die Familie der PatientInnen: Äußert man als Angehörige eigenständige Worte, bekommt man umgehend Hausverbot. So ist es jedenfalls mir ergangen.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
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Hausverbot im Sanatorium Liebhartstal

Verlassen Sie das Haus, sonst rufe ich die Polizei! Herwig Formanek

WARUM hast du Hausverbot? Meine Mutter konnte das nicht verstehen.
Ich weiß nicht, Mama, es hat mir nie jemand einen Grund gesagt.
WER hat dir Hausverbot gegeben? Der Verwalter, der Herwig?
Ja, genau der. Er hat mir mit der Polizei gedroht, gestern.
Na geh, der spinnt doch! Ich habe angerufen in der Rezeption, der Primar wollte heute noch vorbei kommen und mir sagen, was los ist, aber er ist nicht gekommen. Morgen klären wir das.

Ja, Mama, wir klären das morgen.
Geklärt wurde gar nichts, über Monate. Primar Dieter Formanek berief sich auf die Erwachsenenvertreterin. Die Erwachsenenvertreterin berief sich auf interne Entscheidungen des Pflegeheims, da wolle sie sich nicht einmischen. Einen Grund für das Besuchsverbot erfuhr meine Mutter nie, ebenso wenig ich.

Meine Kritik an ärztlichen oder pflegerischen Entscheidungen wurde unverzüglich unterdrückt durch Geschäftsführer Herwig Formanek. Er erteilte mir zuerst per E-Mail Besuchsverbot bei meiner Mutter, nach meinem Vorschlag einer naturheilkundlichen Schmerztherapie für sie ohne Nebenwirkungen. Schließlich bekam ich sogar Hausverbot, nachdem ich meiner Mutter eine Kiste Bio Obst in ihr Zimmer gebracht hatte.

Die ärztliche Leitung vom Sanatorium Liebhartstal unterliegt Primar Dieter Formanek, der meiner Ansicht nach medizinische Entscheidungen trifft zum Nachteil seiner Patienten. Anders kann ich mir die toxische Medikation für meine Mutter nicht erklären, die ihr jeden Tag aufs Neue offen oder auch versteckt eingeflößt wird. Ihre Magensäure wird blockiert durch Protonenpumpenhemmer, ohne säurebildende Medikamente. Allgemein bekannt ist die demenzfördernde Wirkung von Protonenpumpenhemmern, welche stets nur kurzfristig verschrieben werden sollten zusammen mit säurebildenden Medikamenten, um Magenwände zu schonen während kurzfristiger Analgetika-Therapie. Doch meine Mutter bekommt Pantip seit Monaten, obwohl säurebildende Analgetika längst abgesetzt sind.

Betablocker mit schweren Nebenwirkungen senken den Blutdruck meiner Mutter auf 120 : 70 mmHg und niedriger. Das ist viel zu niedrig für eine ältere Dame, so erhöht sich die Sturzgefahr. Sie bekommt lähmende, muskelrelaxierende Schlafmittel, die ebenfalls ihre Sturzgefahr erhöhen. Warme Milch mit Honig jedoch zum Einschlafen bekommt sie nicht.
Versteckt in Brei zum Frühstück und Suppe vor dem Mittagessen dürften meiner Mutter zudem Herzmedikamente verabreicht werden, die sie weder braucht noch bekommen sollte. Ich vermute dies aufgrund von dementiellen Einbrüchen und Schmerzen, die meine Mutter täglich entwickelt nach dem Verzehr von Suppe und Brei, sie erzählt mir davon am Telefon.

Auch Wolf Formanek ist Arzt im Sanatorium Liebhartstal. Doch ebenso wie Dieter Formanek verweigert er jedes Gespräch mit mir. Es ist unmöglich für mich, mit einem Arzt normal zu sprechen in diesem Haus. Kein einziges Anliegen wird ernst genommen. Wenn ich von der Rezeption des Hauses telefonisch überhaupt durchgestellt wurde zu einem Arzt, was höchst selten war, wurde das Gespräch innerhalb von wenigen Sätzen gewaltsam abgebrochen durch den betreffenden Arzt.

Pflege im Sanatorium Liebhartstal

Das Pflegepersonal, welches meine Mutter versorgt, spricht größtenteils gebrochen Deutsch: Krankenschwestern und Pfleger kommen nicht aus Österreich. Sie verstehen zwar, was meine Mutter zu ihnen sagt und können auch adäquat antworten. Doch es fällt ihnen schwer, die Wünsche meiner Mutter vollumfänglich zu erfassen. Die Angebote der Pflege beschränken sich auf „satt und sauber“. Meine Mutter wird gewaschen, ihr wird viermal täglich etwas zu essen gebracht. Psychosoziale Angebote gibt es nicht. Zuhören tut niemand. Vorlesen, Gesellschaft leisten, Geschichten erzählen, dafür ist keine Zeit.
Aufgrund von schädlichen Medikamenten, die ihr von den Ärzten des Hauses verschrieben wird, hat meine Mutter so- oder so Kommunikationsprobleme, denn ihre Zunge ist schwer als Nebenwirkung von Pharmazeutika. Sie hat eine medikamenteninduzierte Hirnleistungsstörung davon getragen und leidet deshalb unter einem gestörten Kurzzeitgedächtnis.

Wenn meine Mutter eine Frage hat an das Pflegepersonal, oder einen Bitte äußern möchte, muss sie diese oft mehrmals wiederholen am Tag. Das ist das sehr anstrengend für meine Mutter. Es ist ein Kommunikationsproblem einerseits, andererseits auch Überforderung des knapp eingeteilten Personals. Immer wieder bittet meine Mutter beispielsweise um ein Glas Milch zum Schlafengehen. Sie bekommt es aber nicht. Entweder die Schwestern verstehen nicht, was sie möchte, oder der Weg in die Küche ist ihnen zu weit.

Meine Mutter ist durch die tägliche Übermedikation schwach und bettlägerig. Sie braucht Hilfe, wenn sie sich entleeren möchte. Dafür muss sie die Schwesternglocke läuten. Doch leider ist der Stecker der Glocke an der Wand immer wieder lose oder gar herausgezogen. Oft muss meine Mutter ihre Bedürfnisse unterdrücken, damit sie sich nicht schmutzig macht. Wenn sie dann ihre Schüssel bekommen hat, liegt sie manchmal eine halbe Stunde lang unbequem auf dem Topf, bis sie endlich wieder davon befreit wird.

Die Asiatin hat schlechte Laune.
Mama

Mittlerweile haben die Schwestern keine Lust mehr, meine Mama immer wieder sauber zu machen. Sie haben ihr eine Windel angezogen. Sobald sie klein muss bekommt sie keine Schüssel mehr. Sie solle einfach in die Windel machen, sagt man ihr dann.
Für meine kluge Mama ist das eine sehr unangenehme Situation. Sie möchte sich gerne so entleeren, wie sie es gewöhnt ist. Unselbstständigkeit lernt sie durch die Windel, es fühlt sich unangenehm an für sie. Doch es gibt keine Alternative. Zur Toilette gehen alleine, das traut sich meine Mama nicht, weil sie unsicher ist und schwindelig, körperlich schwach durch Medikamente, und weil sie Angst hat, sie könne ausrutschen auf dem glatten Parkett in ihrem Zimmer.

Die Namen der Pflegerinnen und Pfleger kennt meine Mutter nicht persönlich – es kommen jeden Tag unterschiedliche Kräfte. Meine Mutter ist verwirrt dadurch. Sie weiß nicht, wem sie was sagen kann. Die Asiatin, der Neue, die Hilfskraft, die Muslimin … wenn meine Mutter versucht, mir zu erzählen, wer mit ihr welche Sachen macht, kann sie das Personal nur anhand von äußeren Merkmalen identifizieren.
Nur von wenigen Pflegern kennt sie Namen, und wenn, dann nur ihre Vornamen.

Hin und wieder telefoniere ich mit Pflegerinnen oder Pflegern. Einige von ihnen sind sehr nett und hilfsbereit. Anja zum Beispiel, die Nachtschwester. Oder Sebastian, der neue Pfleger. Doch das ist wirklich das einzig lobenswerte am Sanatorium Liebhartstal, das ich vorbringen kann ich diesem Artikel.

Essensausgabe und Qualität des Essens

Sobald ihr das Essen gebracht wird, möchte meine Mutter manchmal Wünsche äußern. Doch die Ablage des Tabletts geht ruck-zuck. Manchmal ist die Servicekraft schon weg, noch bevor meine Mutter Gelegenheit dazu bekommen hat, auch nur ein Wort zu sagen. Du musst läuten, Mama, und der Schwester Bescheid sagen, dass du ein Glas Milch möchtest. Doch meine Mutter hat Angst davor, den Schwesternknopf zu drücken. Die mögen das nicht, wenn man sie extra herläutet, meinte sie besorgt.

Angebote im Sanatorium Liebhartstal

Physikalische Therapie

Ärztlich begleitete physikalische Rehabilitation bekommt meine Mutter nicht. Lediglich dreißig Minuten Seniorengymnastik wochentags absolviert sie mit einem Mann namens Zoran. Um herauszufinden, ob dieser Herr Zoran einem eingetragenen Gesundheitsberuf nachgeht, ob er Pfleger ist oder Therapeut, fragte ich meine Mutter nach seinem Familiennamen. Sie sprach ihn offen darauf an. Doch er sagte meiner Mutter seinen Namen nicht. Das sei privat, meinte er.
Seinen Familiennamen kennt meine Mutter bis heute nicht, nach einem halben Jahr Aufenthalt.

Zoran läuft von Patientin zu Patientin, bewegt eine nach der anderen, wie am Fließband. Schon mehr als einmal hat dieser Pfleger meine Mutter einfach vergessen. Er ließ sie sitzen, stundenlang an der Bettkante, bis sie weinte. Die Gymnastik findet vormittags statt, doch meine Mutter weiß nie, wann sie drankommt. Manchmal schon um halb zehn, manchmal erst um halb zwölf, wenn eigentlich schon das Mittagessen da ist.

Rehabilitative Therapien sind im Angebot des Pflegeheims nicht enthalten für meine Mutter. Auf der Website des Sanatorium Liebhartstal wird zwar geworben mit Begriffen wie modernste Therapie. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Das Sanatorium Liebhartstal ist technisch modern ausgestattet wie ein Krankenhaus, mit Pflegebetten, Rollwägen und kleinen Tischen. Es wirkt unpersönlich und rein funktional, wenig wohnlich.
Die vielgepriesene modernste Therapie besteht darin, meine Mutter ans Bett zu fesseln mit lähmenden Medikamenten und Schläuchen. Sedieren statt Therapieren ist an der Tagesordnung, Insidern ist der Hausbrauch im Sanatorium Liebhartstal einschlägig bekannt.
Schon mehrfach kam die Menschenrechtskommission vorbei, immer wieder gibt es Beschwerden über das Sanatorium Liebhartstal bei der Volksanwaltschaft und der Wiener Bewohnervertretung.
Modern am Sanatorium Liebhartstal im zeitgenössischen Sinne ist nur, dass es zu wenig Personal gibt.

Ich bestellte einen externen Facharzt für physikalische Rehabilitation aus Wien, um meiner Mutter bessere Therapie zu ermöglichen mit einem hochwertigen medizinischen Gerät. Als ich sein Kommen ankündigte an der Rezeption, hieß es lapidar: So ein Gerät haben wir eh hier im Haus. Warum meine Mutter nie mit dem hauseigenen Gerät physikalisch therapiert worden war, entzog sich meiner Kenntnis. Den Arzt wollte man erst gar nicht einlassen, es bedurfte seinerseits längerer Diskussionen, bevor er zu meiner Mutter in ihr Zimmer gehen konnte.

Der Arzt verschrieb meiner Mutter Elektrotherapie und Physiotherapie. Er schulte eine Therapeutin ein, die zweimal extern zu meiner Mutter in ihr Pflegezimmer hätte kommen können. Die Erwachsenenvertreterin meiner Mutter sagte jedoch die Therapie ab und ließ ihr Therapiegerät abholen. Den Grund dafür kann ich nur erahnen – hat das Ärzteteam vom Sanatorium Liebhartstal der Erwachsenenvertreterin meiner Mutter abgeraten von der externen, ärztlich unterstützten Therapie?

Wozu bin ich hier?
Mitpatientin

Während meine Mutter durch Nebenwirkungen von therapeutisch überflüssigen Pharmazeutika immer kränker wird, bekommt sie im Sanatorium Liebhartstal physiotherapeutisch so gut wie keine Unterstützung. Abgesehen von der wochentäglichen, recht freudlosen, Gymnastik mit Zoran, auf die sie wenig Lust hat, wird sie nicht rehabilitiert. Schon die ehemalige Zimmerkollegin meiner Mutter hatte dies bemängelt. Sie litt an starken Schmerzen nach einer Hüft-OP. Die Dame lag immer nur im Bett, wurde nicht bewegt. Geistig war sie voll da, doch immer wieder beschwerte sie sich bei Pflegern und Schwestern, dass sie nur herumliegt und keine Therapie bekommt. Auch meiner Mutter geht es so. Mit jedem Tag der Bewegungslosigkeit verfällt sie mehr, meine liebe Mama, die unter meiner Obhut stets fröhlich und fit gewesen war

Wie man hier nicht behandelt wird, das ist eine Frechheit!
Mama

Es gibt im Sanatorium Liebhartstal keine seriösen Therapeutinnen und Therapeuten für meine Mutter. Weder Osteopathie gegen Schmerzen bekommt sie, noch Ultraschall zur besseren Wundheilung. Weder gibt es Akupunktur, noch Elektrotherapie. Nicht einmal klassische Physiotherapie zur Remobilisierung bietet dieses Haus an, das pro Monat einen hohen vierstelligen Geldbetrag für die Unterbringung von alten Leuten in Rechnung stellt. In jeder Reha-Einrichtung auf Kasse wäre meine Mutter besser behandelt als in diesem teuren Privathaus, das die gesamte Pension meiner Mutter aufzehrt für deren Unterbringung.

Probleme im Pflegeheim

Verletzung der Persönlichkeitsrechte

Neben dem Bett meiner Mutter dürfte eine Abhöranlage installiert sein. Zwei Besucher berichteten unabhängig voneinander von einer Wanze auf dem Kleiderschrank meiner Mutter neben ihrem Bett. Sobald sie das Zimmer meiner Mutter betreten hatten, kam unverzüglich Pflegepersonal mit einem Telefon in der Hand. Die BesucherInnen wurden befragt nach ihren Personalien, wurden telefonisch mit Besuchsverbot bedroht und mussten sich beschimpfen lassen von einem angeblichen Hausverwalter. Dessen Namen erfuhren sie nicht.

Verletzung der Corona-Vorgaben

Selbst im härtesten Corona Lockdown bekommt mein geistig behinderter Bruder täglich Zugang zum Sanatorium Liebhartstal über mehrere Stunden. Er ist gewalttätig mit wahnhaften Zügen. Jedoch unterstützt er die Ziele des Sanatoriums, meine Mutter als lebenslangen Pflegling zu behalten. Folglich kann er in diesem Pflegeheim ein- und ausgehen nach Belieben, blockiert so anderen BesucherInnen den Zugang. Die Maske permanent tragen muss er nicht. Meine Mutter erzählte mir, dass sich mein Bruder auch ohne Mund-Nasen-Schutz Maske in ihrem Zimmer ebenso wie im Aufenthaltsraum bewegen kann. Die sind hier sehr großzügig mit Corona-Richtlinien, erzählte mir meine Mutter.
Wer auch immer meine Mutter besuchen möchte, muss sich vorab mit diesem geisteskranken und gewalttätigen Mann koordinieren, andernfalls kann es zu Konflikten kommen. Durchgelassen werden nur Kontakte meiner Mutter, die meinem Bruder genehm sind.
Das Sanatorium missbraucht die Behinderung meines Bruders, indem sie ihn einspannt als Wächter – parallel zur rund-um-die Uhr Überwachung durch das Pflegepersonal.
Wie eine Gefangene wird meine Mutter behandelt – sie unterliegt Totalüberwachung ohne jeden medizinischen Grund.

Soziale Isolation

Festnetztelefone für Patienten sind nicht enthalten im Angebot des Sanatorium Liebhartstal. Nur wenige Zimmer haben einen Anschluss. Das Zimmer meiner Mutter hat kein normales Telefon. Ohne ihr Mobiltelefon ist sie abgeschnitten von der Welt, eingekerkert wie in einem Gefängnis – nur schlimmer, denn in einem Gefängnis kann man zumindest hin und wieder an die frische Luft.

Meine Mutter liegt in einem Pflegebett mit Plastikbezug, ohne private Fläche oder Ablage, welche zuverlässig von ihr erreicht werden könnte. Hinter ihrem Kopfteil befindet sich eine Steckdose. Sie kann zur Dose nicht selbst gelangen, denn sie kann sich kaum umdrehen. Durch Nebenwirkungen auf den Calciumantagonisten Amlodipin, der meiner Mutter täglich im Sanatorium verabreicht wurde unter ärztlichen Vorwänden, litt meine Mutter medikamentös an den Nebenwirkungen Muskelschwäche und Muskelschmerzen.

An dieser Steckdose baumelt das Ladegerät ihres Mobiltelefons. Wenn meine Mutter rechtzeitig daran denkt, bittet sie Pflegepersonal, ihr das Handy anzustecken und aufzuladen. Doch manchmal vergisst sie darauf.
Will sie das Handy selbst anstecken, oder dies zumindest versuchen, findet sie das Ladegerät zumeist gar nicht. Denn das Pflegepersonal zieht ihr Ladegerät immerfort aus dieser Dose. Sie rollen das Kabel auf und legen es auf einen Tisch, neben ihrem Bett, welcher für meine schwache Mutter unerreichbar ist.

Als ich meine Mutter eines Morgens anrief, um ihr guten Tag zu wünschen, ging ihr Akku aus. Auch nach dem Mittagessen war ihr Telefon noch abgeschaltet. Meine Mutter erwartete einen Anruf von ihrer Erwachsenenvertreterin. So konnte diese sie nicht erreichen.

Unnachgiebigkeit

Ich rief an in der Rezeption des Sanatoriums. Ein Praktikant hob ab.
Man möge meiner Mutter dabei helfen, ihr Handy aufzuladen, bat ich. Er werde sich gleich darum kümmern, und meiner Mutter das Handy einschalten, versprach der Praktikant.
Um siebzehn Uhr, kurz vor Rezeptionsschluss, rief ich noch einmal an. Eine Rezeptionistin versprach, sie werde nach dem Handy sehen.
Um sieben Uhr abends war das Handy meiner Mutter immer noch nicht erreichbar. Ich rief erneut an. Der Herr Primar Dieter Formanek persönlich war am Apparat. Er werde einem Pfleger Bescheid sagen.

Machen Sie keinen Terror, sonst zeige ich Sie an bei der Polizei! Dieter Formanek

Um acht Uhr war das Handy immer noch aus. Ich wollte meiner Mama einen Gutenachtkuss schicken. Erneut rief ich an unter der allgemeinen Nummer.
Rufen Sie nicht mehr an blaffte Primar Formanek und legte auf. Ich rief erneut an. Machen Sie keinen Terror musste ich mir anhören. Sonst zeige ich Sie an bei der Polizei.

Ich rief erneut an. Die Warteschleife lief bis halb neun. War meine Mutter so stark sediert medikamentös, dass sie nicht ansprechbar war? Wollte man verschleiern, wie schlecht es ihr ging? Das Handy von meiner Mutter war immer noch aus. Ich rief noch einmal an. Die Warteschleife dudelte weitere fünfzehn Minuten. Ich versuchte es erneut bei meiner Mutter, das Handy war aus. Ich rief noch einmal an unter der allgemeinen Nummer. Die Warteschleife nach Wiener Walzer Art kracht vor sich hin, während ich diesen Beitrag tippe.
Es ist mittlerweile viertel nach neun. Lebt meine Mama überhaupt noch?

Vitaminverbot

Vor meinem ersten Besuch zu strikt limitierten Öffnungszeiten musste ich ein aberwitziges Gespräch führen: Der Primarius des Sanatorium Liebhartstal, Dieter Formanek, nahm mich ins Gebet. Nahrungsergänzungsmittel sind unerwünscht, mahnte er. Man wolle Chaos vermeiden. Sicherlich würden immer wieder Mittelchen auftauchen auf dem einen oder anderen Nachttisch, von Angehörigen. Doch seitens der Ärzte würden nur Medikamente verordnet und „normales“ Essen.

Vitamine sind unerwünscht! Dieter Formanek


Gerne hätte mich über schulmedizinisch anerkannte Vitamine und heilsame Mikronährstoffe unterhalten. Doch im Sanatorium Liebhartstal war jeder Versuch einer Diskussion zwecklos. Im Angebot des medikamentösen Plans im Sanatorium Liebhartstal sind Vitamine nicht vorgesehen, nicht einmal Vitamin D. Ich saß bei Dieter Formanek einem althergebrachten Pharma-Fanatiker gegenüber. So jemanden überzeugt man nicht – in meinem eigenen Leben ignoriere ich solche Leute. Stets hatte ich meiner Mutter von einer Behandlung bei solchen Ärzten abgeraten und ihr jüngere, moderne Ärzte empfohlen, mit wissenschaftlichem Therapie-Ansatz. Nun war meine Mutter Tag für Tag so einem schlechten Arzt hilflos ausgeliefert, der Wissenschaft und Evidenz ignorierte, zum Nachteil seiner Patienten, zum Vorteil von seinen eigenen monetären Plänen.

Via Amazon schickte ich meiner Mutter Päckchen mit heilsamen Kräutern, Gewürzen und orthomolekularen Wirkstoffen. Diese Päckchen wurden anfänglich geöffnet vom Pflegeheim, deren Inhalte verschwanden bei Ärzten oder im Pflegezimmer. Doch meine Mutter beschwerte sich lautstark über diese Verletzung ihres Briefgeheimnisses. Nun kommen alle Päckchen durch. Meine Wirkstoffe stehen auf dem Nachttisch meiner Mutter. Sie kann sie selbst einnehmen. Doch sie hat keine Möglichkeit, Ordnung hineinzubringen in ihre Döschen und Fläschchen. Denn täglich werden sie umgeräumt vom Pflegepersonal. So nimmt sie ihre Nahrungsergänzungsmittel nicht selbst ein – sie wartet auf meinen Anruf, damit ich ihr ansagen kann, wann sie was einnehmen sollte. Mich kostet das enormen Aufwand von Zeit – mein Tagesablauf richtet sich nach dem Einnahmeplan meiner Mutter. Ich habe eine digitale Excel-Tabelle eingerichtet, über diese Tabelle sage ich meiner Mutter täglich mehrfach, welche Pulver oder Kapseln sie gerade einnehmen sollte. Für mein Coaching bezahlt mich niemand, im Gegenteil – die Erwachsenenvertreterin meiner Mutter, die von ihrer Pension bezahlt wird, hat mir zu allem Überfluss verboten, meiner Mutter Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zu schicken auf ihre Kosten. Alles, was meiner Mutter gut tut, muss ich selbst bezahlen – Arbeitszeit, Telefon, Wirkstoffe, Porto … sogar den Arzt für Physikalische Rehabilitation musste ich aus meiner eigenen Tasche bezahlen, obwohl sein Honorar gedeckt gewesen wäre von der Krankenversicherung meiner Mutter.
Per Einschreiben, auf eigene Kosten, habe ich meiner Mutter einen Einnahmeplan für ihre naturheilkundlichen Wirkstoffe geschickt. Er kam auch bei ihr an. Doch zwei Tage später schon war er spurlos verschwunden.

Vernachlässigung

Tests von allfälligen Mängeln oder Belastungen des Körpers meiner Mutter wurden im Sanatorium Liebhartstal keine durchgeführt. Übliche Blutbefunde sind nicht enthalten im Angebot. Nicht einmal Vitamin D Mangel wurde geprüft. Meine Mutter bekam gar keine Mikronährstoffe vom Sanatorium. Sie bekam stattdessen billige nichtbio Menüs aus einer Großküche und – wie angedroht – Medikamente.
Infolge ist Mama ständig müde. Den vielbeworbenen Garten des Sanatorium Liebhartstal sucht sie selbstständig nie auf. Unterbrochen sind ihre Aufenthalte im Bett oder an ihrem Tisch sitzend nur von seltenen Ausflügen in den Garten mit meinem Bruder.

Schlechtes Essen

Die angebotenen Menüs im Sanatorium Liebhartstal klingen ganz gut, doch Papier ist geduldig. Das Essen besteht aus billigsten Zutaten – meine Mutter bekam während meiner Besuche beispielsweise mehrmals schlecht riechendes Hühnerfleisch serviert.

Der Fisch ist grauslich.
Mama


Bei einem meiner Besuche stand das Mittagessen noch vor meiner Mutter auf dem Klapptisch des Nachttisches: Gegrilltes Huhn mit Erbsenreis. Sie hatte kaum einen Bissen angerührt. Magst du was von meinem Essen? Ich habe keinen Hunger.
Das Fleisch stank ekelhaft nach Fischmehl. Nein danke, liebe Mama, ich habe auch keinen Hunger. Sie fand das schade, Essen wegwerfen war nicht ihr Stil. Komm, iss ein bisschen, ist doch schade drum, bat sie.
NEIN!
Angewidert trug ich das Tablett mit dem stinkenden Huhn aus dem Zimmer und stellte es auf eine Ablage.
Auch Fischgerichte waren ungenießbar. Meine Mutter klagte mehrmals, wenn es Fisch gab, und ließ das Essen zurückgehen.

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

Im Laufe der Wochen erreichte ich eine günstige Ernährungsumstellung: Ich schickte der Sanatoriumsküche angekeimte Bio Haferflocken und Nüsse. Dazu Bio Joghurt, ungezuckertes Apfelmus und frisches Obst. Fortan bekam meine Mutter glutenfreies Müsli zum Frühstück anstelle von Weißmehl-Marmeladesemmeln.
Täglich rief ich meine Mutter an gegen Mittag, um sie an die frische Petersilie zu erinnern, die sie in die Suppe zupfen sollte. Denn ich hatte ihr Kräutertöpfe bestellt. Zudem schaffte ich es, weitestgehend glutenfreie und zuckerfreie Menüs für meine Mutter durchzusetzen.
Meine Mutter reagiert intolerant auf Gluten, sie bekommt davon neurologische Aussetzer. Auch Zucker verträgt sie nicht, sie leidet an Prediabetes. Ich nannte den Ärzten die krankmachenden Effekte von Gluten und Zucker bei meiner Mutter. Sie reagierten nicht – meine Mutter bekommt weiterhin täglich Gluten hältiges Essen und Zucker. Ich schrieb den Ärzten die Tests auf, die sie durchführen lassen könnten, um Gutenintoleranz und die Prediabetes ärztlich nachzuweisen. Doch nichts geschah. Seit einem halben Jahr wird meine insulinresistente Mutter mit Kuchen und Kompott versorgt, mit süßem Kakao und gezuckertem Kaiserschmarrn.

Meine Mutter isst auch billigen Kuchen und trockenes Wiener Schnitzel, wenn man ihr dieses Essen serviert. Woche für Woche ging ich deshalb ihr telefonisch durch den Speiseplan. Ich sagte ihr, welche Gerichte sie ankreuzen solle, und welche sie lieber vermeiden sollte. Sogar rohes Bio Sauerkraut schickte ich ins Sanatorium. Meine Mutter bekam davon ein Schüsselchen als Beilage zu herzhaften Speisen serviert. Doch gegen die Übermacht der Sanatorium-Menüs auf dem jeweiligen Teller des Tages hatte ich keine Chance. Iss die Nudeln nicht, Mama, die sind nicht gut für dich! Lass das Biskuit stehen, im Kühlschrank hast du Smoothies … Hoffnungslos.
Mama isst, was auf den Teller kommt, bis zur geistigen Umnachtung.

Bitterer Haferbrei

Meine Mutter ist eine kluge Person, sie denkt kritisch. Immer öfter fragte sie, was das für Medikamente seien, die ihr in einer Folie eingeschweißt auf das Frühstückstablett gelegt wurden. Produktnamen und Dosis sind angeschrieben. Ein paar Medikamente kennt sie, andere nicht. Ich recherchiere für sie, Wirkungen und Nebenwirkungen finden sich im Internet auf originalen Beipackzetteln.
Meine Mutter begann, Medikamente abzulehnen. Warum bekomme ich die, die habe ich doch noch nie genommen? Eines Tages bekam meine Mutter keine Tabletten mehr serviert. Sie wunderte sich ein wenig, doch sie freute sich, denn sie glaubte, sie brauche sie nicht mehr.

Der Brei war bitter.
Mama

Ich merkte, dass sie weiterhin schädliche Medikamente bekommt, denn jeden Tag nach dem Frühstück klingt die Zunge meiner Mutter schwer lallend und ihre Konzentration ist gestört, was vor dem Frühstück noch nicht der Fall gewesen war. Ich machte sie darauf aufmerksam, bat sie, den servierten Kakao zum Frühstück einmal nicht zu trinken. Sie ließ ihn stehen. Dennoch klang ihre Stimme nach dem Frühstück schwach und die Zunge schwer. Hast du den Kakao getrunken, Mami? Nein, aber den Haferbrei habe ich gegessen, der hat bitter geschmeckt.

Schlaflosigkeit und Angst

Meine Mutter ist untergebracht in einem Mehrbettzimmer. Ihre Zimmergenossinnen gaben ihr einen Ausblick auf ihre Zukunft: Eine alte Dame starb in ihrer Anwesenheit. Eine andere lag unter starken Schmerzen im Bett, sie wollte gerne sterben. Die dritte Zimmergenossin lag rund um die Uhr bewegungslos auf dem Rücken und konnte gar nicht mehr sprechen. Sie schrie und stöhnte, Tag und Nacht, kurz unterbrochen von Schlafphasen. Bewegt, therapiert oder unterhalten wurde sie nicht. Lediglich gewaschen und gefüttert wurde sie von Pflegeschwestern. Oft hörte ich sie laut gurgeln und heulen, sobald ich mit meiner Mutter telefonierte.

Meine Mutter konnte nicht schlafen durch die nächtlichen Schreie ihrer Mitpatientin. Sie wachte immer wieder auf, war tagsüber todmüde. Zur Beruhigung verabreichte man ihr im Sanatorium Liebhartstal die Z-Droge Ivadal. Zolpidem heißt der Wirkstoff, er macht süchtig. Häufig führt Zolpidem zu vorübergehendem Erinnerungsverlust als Nebenwirkung. Auch zu Verwirrtheit, Schlaflosigkeit und zu Infektionen der Atemwege. Die Sturzgefahr erhöht sich unter der Medikation. Sobald meiner Mutter so eine Schlafpille gegeben worden war, kannte sie den Unterschied zwischen Telefon und Fernbedienung nicht mehr.

Die alte, schreiende Mitpatientin verblieb wochenlang im Zimmer meiner Mutter. Meine Mutter weinte manchmal vor Erschöpfung. Ich zeichnete die Schreie digital auf über mein Telefon. Immer wieder beschwerte ich mich über diese Zustände, beim Sanatorium selbst, der Erwachsenenvertreterin, beim Bezirksgericht Salzburg, bei der Wiener Bewohnervertretung. Doch die Situation änderte sich nicht. Meine Mutter wird gefoltert durch Schlafentzug und psychischen Druck trug ich immer wieder vor.
Erst beherztes Einschreiten von Pro Senectute gegen Gewalt im Alter bewirkte eine Veränderung. Die schreiende, alte Dame wurde in ein anderes Zimmer gebracht.
Endlich konnte meine Mutter wieder ruhig schlafen. Kurze Zeit später bekam meine Mutter eine neue Mitpatientin. Sie war beinahe hundert Jahre alt und dement. Unentwegt schrie sie Frau Doookter, Haalo, Haalo! Schon wieder musste meine Mutter Tag und Nacht Geschrei ertragen, bis Pro Senectute erneut einschritt.

Wir sind privat, wir dürfen alles!
Rezeptionistin Sanatorium Liebhartstal

Ich beschwerte mich mehrfach bei der Rezeption des Sanatoriums über den erneuten Schlafentzug meiner Mutter. Dürfen Sie überhaupt noch telefonieren mit Ihrer Mutter, herrschte mich die Rezeptionistin an. Sie hätten mir den Zugang zu meiner Mutter gar nicht erst verbieten dürfen, entgegnete ich. Ihre Antwort war deutlich: Wir sind privat, wir dürfen alles.

Meine Mutter wird dement gemacht im Sanatorium Liebhartstal mit schädlichen Medikamenten, gegen Symptome, die sie zu Hause niemals entwickelt hätte. Festgehalten wird sie an diesem furchtbaren Ort von ihrer Erwachsenenvertretung unter dem Vorwand, sie sei dement und könne nicht für sich selbst entscheiden. Der Salzburger Pflegschaftsrichter Thomas Wegleiter meinte mir gegenüber, das Sanatorium Liebhartstal sei ein etabliertes Haus, meine Mutter sei dort gut untergebracht. Doch anstatt meiner Mutter in diesem teuren Sanatorium dabei zu helfen, eine medikamenteninduzierte Hirnleistungsstörung zu kurieren, wird ebendiese Störung sorgsam gepflegt, zugunsten der Taschen der Familie Formanek.

Kontrolle und Entzug

Fünfmal am Tag rief ich meine Mutter an. Ich plauderte mit ihr über das Wetter. Sie wollte gerne wissen, was ich zu Mittag esse, ob ich warm angezogen bin und was mein Freund gerade macht. Ich wiederum sagte ihr am Telefon, was sie tun könne, um stärker zu werden.

Langsam ging es ihr besser. Meine Mutter spazierte nun manchmal ein wenig herum, auch ohne Begleitung eines Pflegers. Ich schickte ihr ein hochwertiges Magnesium-Präparat, zur Unterstützung der mitochondrialen Funktion gegen Schwäche. Die Schachtel wurde abgefangen an der Rezeption vom Sanatorium Liebhartstal.
Nun musste ich mit einem neuen Arzt streiten. Dieser wollte gar kein Magnesium erlauben, davon könnte meine Mutter trotz permanenter Verstopfung ja Durchfall bekommen. Doch schließlich gestattete er die Einnahme. Er gab die Schachtel einem Pfleger. Der Pfleger legte sie ins Dienstzimmer. Ich rief meine Mutter an, sie fragte den Pfleger danach, endlich brachte er ihr das Magnesium. Sie nahm täglich eine Brausetablette in Wasser.

Auch Vitamin D schickte ich ihr. Per Post, in einem unschuldigen Päckchen. Ich errechnete ihren Mangel basierend auf ihrer vormaligen monatelangen Unterbringung in Krankenhäusern oder anderen Institutionen. Daraus entwickelte ich ihre persönliche Vitamin D Dosis: 25 000 Einheiten pro Woche.
Jede Einnahme teilte ich meiner Mutter telefonisch mit. Einfach war das nicht. Denn oft war sie zu müde, um den Aufbewahrungsort der Vitamin D Schachtel aufzusuchen. Manchmal dauerte es mehrere Tage, bis sie eine Dosis Vitamin D geschluckt hatte.

Eine Flasche Sauerstoff mit Atemmaske erreichte das Heim Ende Januar. Meine Mama war kraftlos und schwach. Der Sauerstoff sollte ihre Energie beleben. Die Flasche wurde ins Pflegezimmer gebracht, da blieb sie liegen. Hätte ich nicht nachgehakt, da stünde sie wahrscheinlich heute noch. Wir haben Patienten, die bekommen Sauerstoff verschrieben, meine die Rezeptionistin. Warum bekam meine Mutter ihn nicht?
Endlich war die Flasche Sauerstoff bei meiner Mutter im Zimmer. Das Pflegepersonal stellte sie auf den Tisch neben dem Bett. So konnte meine Mutter die Flasche nicht erreichen. Sie musste das Pflegepersonal bitten, ihr die Flasche zu reichen. Regelmäßig schüttelten die ausländischen Pflegerinnen die Dose mit gasförmigem Sauerstoff. Ist leer, sagten sie meiner Mutter immer wieder, als sie keine Geräusche hörten.

Fahrlässigkeit oder Vorsatz?

Wochenlang begleitete ich Ernährung, Vitamine und Bewegung meiner Mutter telefonisch, so gut ich es vermochte. Ihr Blutdruck normalisierte sich. Als sie eines Tages nach dem Aufwachen vor Medikamenteneinnahme den Wert 130 : 70 feststellte, informierte ich das Ärzteteam des Sanatorium Liebhartstal. Ich schrieb eine E-Mail: Die gesunde Ernährungsumstellung meiner Mutter normalisiert ihren Blutdruck. Man müsse darauf reagieren mit Prüfung der täglichen Dosis Betablocker. Man solle einen Blutdruckpass anlegen und täglich messen, riet ich. Doch nichts geschah. Der Blutdruck meiner Mutter wurde nur kontrolliert, wenn sie dies ausdrücklich verlangte von der Pflegeschwester.

Meine Mutter bekam täglich zur Blutdruckregulation Concor 5 mg verabreicht, in einer kleinen Plastiktüte auf dem Frühstückstablett. Dazu Gerinnungshemmer, beides vom Pharmakonzern Merck.
Leider kam keine Antwort auf meine E-Mail. Die Betablocker Dosis blieb unverändert. Niemand bemerkte, wie sich der Blutdruck meiner Mutter stets weiter nach unten regulierte. Ich schrieb eine weitere E-Mail. Es ist gefährlich, den Blutdruck einer älteren Person zu stark zu senken. Die kleinen Blutgefäße werden dann nicht länger durchblutet, es kommt zu Demenz und Schwäche. Die Dosis blieb jedoch gleich. Der Blutdruck meiner Mutter sank weiter. Als sie eine Woche später nach dem Aufwachen vor Medikamenteneinnahme die niedrigen Blutdruckwerte 120 : 80 bemerkte, schrieb ich eine weitere dringende E-Mail. Man müsse die Dosis Concor unbedingt anpassen, mahnte ich. Ich rief an im Sanatorium Liebhartstal. Wollte mit dem Arzt sprechen. Der habe keine Zeit, richtete man mir aus. Ich hinterließ eine Nachricht:
Es wird gefährlich, ließ ich ausrichten. Ich will nicht, dass meine Mutter umkippt. Niemand reagierte.

Ihre Mutter bekommt 5 mg Concor. Auf Wiederhören. Dieter Formanek

Meine Mutter drückte den Schwesternruf. Sie teilte via Lautsprecher mit, dass sie den Arzt sprechen will. Ich hörte ihren Wunsch am Telefon. Der Arzt kam nicht. Erneut wurde die Dosis Betablocker nicht nach unten korrigiert. Stattdessen servierte man meiner Mutter gezuckerten Mohnkuchen, Pflaumenstrudel und Spaghetti Bolognese – Speisen, die sie nie bestellt hatte, weil sie ihren Blutzucker nach oben treiben und damit auch den Blutdruck ungesund erhöhen.

Gefährliche Zimmer

Meine Mutter stürzte in ihrem Zimmer im Sanatorium Liebhartstal. Sie rutschte aus auf dem glatten Parkettboden und brach sich den Oberschenkelhals. Sie kam in ein Krankenhaus in direkter Nachbarschaft vom Sanatorium Liebhartstal und wurde operiert.
Ich rief an in der Rezeption des Sanatoriums, für meine Mutter ein paar Sachen einzupacken. Dringend bat ich darum, ihr das Handy ins Krankenhaus zu schicken. Man gab mir einen Korb, niemand wollte sich kümmern. Ich rief erneut an. Eine ganze Stunde lang ließ man mich warten bei Wiener Walzer in der Schleife vom Rezeptionstelefon. Nie wieder werde ich Melodie von „Wiener Blut“ ertragen können.

Endlich nahm Geschäftsführer Herwig Formanek das Gespräch an. Er schrie mich lautstark an. Ich würde die Warteschleife blockieren, meckerte er. Er werde meiner Mutter das Handy am kommenden Vormittag in das Krankenhaus schicken, versprach er, aber nur, wenn ich nicht mehr anriefe.

Ihre Mutter braucht kein Handy. Rezeptionistin

Ich rief nicht mehr an. Herwig Formanek hielt sein Versprechen nicht. Meiner Mutter wurde ihr Handy nicht geschickt ins Krankenhaus. Sie war ganz allein, ohne Ansprache und Ermunterung vor und während ihrer Operation.
Am Nachmittag des nächsten Tages hing ich wieder in der Warteschleife. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie gräslich die Melodie von Wiener Blut klingen kann, sobald sie vom Band eines Pflegeheimes dudelt.
Die Rezeptionistin war unverschämt zu mir. Wozu die Mühe? In einer Woche kommt Ihre Mutter eh wieder zu uns zurück.
Im Krankenhaus brauche meine Mutter doch gar kein Handy, glaubte sie gleichgültig. Sie soll sich besser erholen von Ihren täglichen Anrufen, spottete die Rezeptionistin.

Kunstfehler

Das Krankenhaus prüfte die Vitamin-Spiegel meiner Mutter. Ihr Vitamin D lag im unteren Normbereich. Selbst meine 25 000 Einheiten Vitamin D pro Woche hatten nicht gereicht, ihre Mängel auszugleichen. Doch niemals hatte mir das Sanatorium Liebhartstal die Möglichkeit gegeben, ihre Blutwerte einzusehen – sie waren ja schlichtweg nicht getestet worden.

Ich hab solche Schmerzen!
Mama

Im Krankenhaus bekam meine Mutter schmerzlindernde Infusionen. Ihre körperliche Verfassung war recht gut. Auch psychisch fühlte sie sich wohl. Sie wäre gerne geblieben zur physikalischen Rehabilitation. Doch gegen ihren Willen wurde sie schon nach einer Woche zurück geschickt in das Sanatorium Liebhartstal.
Nach ihrer Rückkehr wurde ihre Medikation umgestellt. Meine Mutter hatte fortan unerträgliche Schmerzen. Sie konnte kaum noch telefonieren mit mir. Wenn ich sie anrief, nahm sie kurz das Telefon an, um zu klagen ich hab solche Schmerzen, ich kann jetzt nicht reden.

Ich schlug meiner Mutter vor, sie solle die Ärzte des Sanatorium Liebhartstal nach Dronababinol fragen, zumindest übergangsweise. Denn Dronabinol, ein synthetisches Cannabinoid, fällt in die Kategorie Medikamente – schulmedizinisch anerkannt gegen Schmerzen. Doch sie bekam es nicht. Stattdessen wurden meiner Mutter althergebrachte Schmerzmittel verabreicht, die organschädigende Wirkung haben und gleichzeitig schlecht wirkten. Paracetamol in hohen Dosen schädigt die Leber, es blockiert die Glutathion Synthese. Meine Mutter weinte am Telefon vor Schmerzen, niemand half. Schließlich bekam sie immer noch keine Cannabinoide, sondern Opioide. Ihr wurde täglich zwei bis dreimal Hydal verabreicht. Meine Mutter verlor ihr Kurzzeitgedächtnis, konnte sich von einem Moment auf den anderen nichts mehr merken.

Hygiene?

Es war Bescherung. Weihnachten. Ich filmte meine Mutter beim Auspacken ihrer Weihnachtsgeschenke. Sie fasste sich immer wieder an die Zähne. Warum machte sie das? Es sah aus, als wolle sie die Zähne mit ihren Fingernägeln reinigen. War das ein Tick? War meine Mutter im Sanatorium wunderlich geworden?

Hier werden keine Zähne geputzt. Mama

Am gleichen Abend telefonierten wir vor dem Schlafengehen. Wir plauderten über Alltägliches. Hast du schon Zähne geputzt, Mamili? Was sie antwortete, konnte ich nicht fassen: Hier werden keine Zähne geputzt.
Hat dir die Nachtschwester nicht die Schüssel gebracht, damit du deine Zähne putzten kannst, fragte ich entsetzt.
Nein, lautete die gelassene Antwort meiner Mutter, das ist hier nicht üblich.

Seelische Grausamkeit

Die ziehen mir immer den Stecker von Notruf raus. Mama

Der 25. Dezember brach an. Zwei Stunden lang durfte ich meine Mutter besuchen, von 13:00 bis 15:00 Uhr. Am Abend rief ich sie an auf ihrem Handy. Sie weinte.
Eine dreiviertel Stunde habe sie gerufen, nach einer Schwester, doch es war niemand gekommen. Sie war ganz alleine, ohne jede Hilfe.

Hast du nicht den Schwesternknopf gedrückt? Vorsichtig wollte ich meine Mama trösten. Da müsste doch jemand kommen? Die ziehen mir immer den Stecker vom Notrufknopf raus, schluchzte meine Mutter.

Der Schwesternknopf

Das Krankenzimmer meiner Mutter war ausgestattet mit einem Schwesternruf. An ihrem Bett hing ein Griff, daneben ein Schwesternknopf mit rotem Drücker. Oftmals drückte meine Mutter diesen Knopf, jedoch kam dann niemand.
Ist schon wieder der Stecker herausgezogen, Mama?

Moment, ich schau mal. Mit viel Mühe drehte sich meine Mutter in solchen Situationen in ihrem Pflegebett um. Sie prüfte alsdann den Stecker in der Wand hinter ihr. Doch sie konnte ihn mit ihren Händen nicht erreichen.
Der Stecker ist nicht drin stellte sie jedes Mal fest.

Wenn ich drücke, hört mich niemand.

Körperverletzung

Meine Mutter ist Gluten intolerant. Ich hatte schon so viele E-Mails an das Sanatorium Liebhartstal geschrieben. Hatte die Notwendigkeit der glutenfreien Ernährung medizinisch begründet. Auch hatte ich immer wieder angerufen, dass meine Mutter kein Weißmehl essen darf, weil sie davon neurologische Störungen bekommt

„Wir wissen eh, dass Sie das wollen“ verspottete mich die Rezeptionistin. Ich verlangte, mit dem Zuständigen für Ernährung zu sprechen. Die Rezeptionistin legte auf.
Ich rief noch einmal an. Diesmal wartete ich geschlagene einundsechzig Minuten in der Warteschleife. Endlich hob die andere Rezeptionistin ab. Sie fragte, was meine Mutter zu essen bekommen habe, dass ich mich beschwere.

Warum beschweren Sie sich? Rezeptionistin

Meine Mutter hatte Spätzle zum Kalbsgulasch bekommen. Eine halbe Stunde nach dem Essen war ihre Zunge schwer, als hätte sie Schnaps getrunken. Todmüde war meine Mutter, und unkonzentriert. Sie lag im Bett, konnte sich kaum bewegen.
Schlaf ein bisserl, liebe Mama riet ich ihr.

Vergiftete Suppe?

Meine Mutter war nicht dement. Sie hatte eine medikamenteninduzierte Hirnleistungsstörung davon getragen durch Fehlbehandlung in einem Salzburger Krankenhaus. Ich habe darüber geschrieben.

Die Störung ihrer Nerven konnte abklingen, nachdem die Medikamente abgesetzt worden waren. Die Gedächtnisleistung meiner Mutter besserte sich zusehends mit jedem Tag, an dem sich die Medikamente abbauten in ihrem Körper. Um einem Salzburger Gericht zu beweisen, dass meine Mutter nicht dement war sondern vergiftet, reichte ich ein sogenanntes Rekursdokument ein beim zuständigen Pflegschaftsgericht. Ich wollte die Erwachsenenvertretung meiner Mutter damit kritisieren. In mein Dokument kopierte ich sämtliche Beipackzettel derjenigen Medikamente, die meine Mutter bekommen hatte von diesem Salzburger Krankenhaus. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen markierte ich rot. Darunter Verwirrtheit, Unruhe, Sprachstörungen, Stimmungsschwankungen und Muskelschmerzen. Meine Mutter bekam das Dokument schriftlich zugestellt in Kopie ins Sanatorium Liebhartstal nach Wien.

Noch am gleichen Tag der Zustellung bemerkte ich, dass diese Symptome wieder auftraten bei meiner Mutter, die doch bereits längst abgeklungen waren. Ich wunderte mich sehr. Meine Mutter berichtete nicht von neuen Tabletten.
Täglich rief ich meine Mutter an vor und nach dem Mittagessen. Wenn sie vor dem Mittagessen fröhlich und konzentriert war, so war sie nach dem Mittagessen verwirrt und ängstlich, depressiv und schwach, mit Schmerzen, die sie schon längst nicht mehr gehabt hatte.

Ich riet meiner Mutter, auf das Mittagessen probehalber zu verzichten. Stattdessen aß sie Bio Obst aus meiner Obstkiste und frischen Käse. An zwei Tagen hintereinander ließ sie Suppe und Hauptgang aus. An den beiden „Obsttagen“ hatte sie keine Beschwerden nach dem Mittagessen.
Als sie wieder Suppe aß, litt sie erneut unter plötzlichen Schmerzen und Bewegungsstörungen. Vorher war sie schmerzfrei gewesen, sogar während der Physiotherapie. Doch nach Suppe bekam sie so schlimme Schmerzen, dass sie weinte.
Sofort brachte ihr der Pfleger ein Schmerzmittel. Monatelang beobachtete ich diese Effekte, vor und nach der Suppe. Wenn meine Mutter die Suppe zurück gehen ließ, traten die seltsamen Symptome auf nach dem Nachmittagskaffee.

Ich kann es nicht beweisen, denn ich hatte keine Gelegenheit, Proben von der Suppe zu nehmen zur Analyse. Doch ich muss befürchten, dass meine Mutter von Primar Dieter Formanek toxische Medikamente in der Suppe zu Mittag verabreicht bekommt ohne jeden therapeutischen Nutzen – als vorsätzliche Schädigung der Gesundheit meiner Mutter. Mein Rekursdokument dürfte weiter geleitet worden sein an die Ärzte des Sanatoriums, welche ihr neues Wissen augenscheinlich missbrauchten und immer noch missbrauchen. Denn die bereits abgeklungene demenzielle Störung meiner Mutter flammte erneut auf, ihre Zurechnungsfähigkeit wurde und wird nun wieder infrage gestellt.

Stress durch Vernachlässigung

Es war gegen halb zwölf Uhr mittags. Das Mittagessen war schon ausgeteilt. Meine Mutter rief mich an. Sie war aufgeregt und zornig. Ich sitze ich hier im zugigen Gang! Der Zoran ist mit mir ein paar Schritte gegangen. Dann hat mich hier abgestellt. Seit einer halben Stunde warte ich schon! Mir ist kalt!

Ungeziefer

Da ist ein so Käfer, der will immer zum Licht!
Machte meine Mama frühe Nahtoderfahrungen? Hatte sie kafkaeske Halluzinationen? Was denn für ein Käfer?

Na, da ist doch dieser Käfer, zwei Zentimeter groß. Er schaut aus wie ein großer, platter Käfer. Flügel hat er auch.

Stört dich der Käfer, liebe Mama? Nein, stören tut er mich nicht, aber im Gesicht will ich ihn auch nicht gerade haben.
Ist er dir schon einmal über das Gesicht gekrabbelt? Nicht, dass ich wüsste, aber wenn ich schlafe, merke ich es nicht. War meine Mama jetzt schon völlig crazy vor lauter Medizin? Bei meinem nächsten Besuch sah ich ihn, den Kafkakäfer. Er war zwei Zentimeter groß, hatte schwarze Flügel am Rücken und wollte zum Licht. Also krabbelte er die steril wirkende, weiße Krankenhauswand hoch, direkt neben dem Kopf meiner Mutter.

Personalmangel

An der Rezeption des Sanatorium Liebhartstal arbeiten zwei Rezeptionistinnen. Eine davon ist immer grantig, die andere sehr nett. Doch auch sie ist überfordert.

Ich hatte meiner Mutter Baldriansaft zukommen lassen, denn sie hatte schlimme Schlafstörungen. Den Saft hatte ich auf ihren Nachttisch gestellt. Doch plötzlich war die Flasche weg. Es kam häufig vor, dass Pflegerinnen und Pfleger Flaschen vom Nachttisch auf den Zimmertisch stellten. Flaschen auf dem Nachttisch würden bei der Körperpflege stören, sagten sie. Doch auf dem Tisch konnte meine bettlägerige Mutter die Flaschen nicht erreichen. Sie wurden ihr auch nicht wieder zurück gestellt.

Als sie eines Abends den Baldrian nicht mehr vorfand in Reichweite, empfahl ich meiner Mutter, die Pflegeglocke zu drücken, damit man ihr die Flasche geben möge. Doch es kam niemand. Ich rief an in der Rezeption, mit der Bitte, ihr die Flasche mit Baldriansaft zu bringen. Die nette Rezeptionistin war da, sie ließ mich nicht eine Stunde lang in der Walzerschleife warten, sondern nahm das Gespräch an.

Überstunden werden nicht bezahlt. Rezeptionistin

Sie versuchte, den Pfleger anzurufen, um ihm Bescheid zu sagen wegen des Baldrians. Er ließ sie abblitzen. Er habe keine Zeit, sagte er ihr. Die Rezeptionistin entschuldigte sich, berief sich auf Überarbeitung, Personalmangel und Stress.

Ich fragte die Rezeptionistin, ob vielleicht sie zu meiner Mutter gehen könne, um ihr die Flasche zu geben. Leider sagte sie ab. Sie habe jetzt Feierabend. Überstünden würden ihr nicht bezahlt, entschuldigte sie sich.

Bewegungslosigkeit

Noch im Krankenhaus war meine Mutter nach ihrer Hüftoperation mobilisiert worden. „Nach einer OP muss man den Patienten schnell wieder auf die Beine bringen“ erklärte mir ihr Unfallchirurg. Jeden Tag ging ein Physiotherapeut mit ihr spazieren. Sie wäre gerne im Krankenhaus geblieben. Doch dann wurde sie zurück geschickt ins Pflegeheim.
Zurück im Sanatorium Liebhartstal ließ man meine Mutter im Bett liegen. Sie wollte sich gerne aufsetzen, die Beine anwinkeln, sich auch einmal umdrehen.
Mobilisierung der Patientin nur im Beisein von einem Therapeuten mahnte mich Sanatoriumsleiter Herwig Formanek vor meinem Besuch. Doch es war niemand da, der mich hätte unterstützen können. Mama blieb im Bett liegen, das ganze Weihnachtsfest lang.

Ich muss hier raus, sonst werde ich noch verrückt.
Mama

Verletzte Privatsphäre

Meine Mutter bekam derart hohe Dosen Analgetika verabreicht, dass ihre inneren Organe davon Schaden nehmen mussten. Insbesondere Paracetamol führt zu erniedrigtem Glutathion intrazellulär. Davon bekam sie täglich 1500 mg verabreicht. Ich richtete meiner Mutter Pillenboxen her mit Kapseln, voll zellschützender Antioxidantien, körpereigener Enzyme zum Schutz der Leber und des Herzens, sowie hochwertiger Öle und Vitamine. Die Pillenboxen steckte ich ihr in ein hübsches Jutesäckchen. Es sollte unauffällig wirken, damit man es ihr nicht wegnimmt.

Ich legte das Jutesäckchen in ein offenes Fach ihres Beistelltischchens neben ihrem Bett, wo sie es auch bettlägerig gut erreichen konnte. Gleich neben ihre Haarbürste und ihr Reiseschachspiel, welches sie kaum noch benutzte. Sie nahm die Kapseln regelmäßig, um Organversagen vorzubeugen.
Kurze Zeit später war das Säckchen verschwunden.

Meine Mutter war bettlägerig geworden im Sanatorium Liebhartstal. Ihr Pflegebett mit grüner Kunststoff-Matratze wurde täglich frisch gemacht. Sie hatte keine Chance, eine private Fläche so für sich so einzurichten, dass sie sich orientieren konnte. Täglich wurde ihr Nachttisch abgeräumt von Pflegeschwestern, die die einzige private Ablagefläche meiner Mutter unentwegt durcheinander brachten. Es gab keinen Tag, wo man meiner Mutter nicht ihre Fläschchen mit Petersiliensaft vom Nachttisch entfernte und auf den unerreichbar gelegenen Tisch stellte. Hier konnte meine Mutter ihren Saft nicht mehr erreichen. Auch ihre Hustentropfen verschwanden täglich. An immer neuen Orten deponierten Pflegeschwestern ihre privaten Sachen, meine Mutter musste sie täglich neu suchen lassen.

Medikamentöse Lähmung

Warum konnte sich meine Mutter kaum bewegen? Sie war so schwach, nicht einmal ihre Beine konnte sie anwinkeln im Bett. Wollte sie sich ein wenig aufrichten, musste ich ihr Pflegebett elektrisch bewegen.

Kannst du mir das Kissen unter den Rücken schieben bat mich meine Mutter. Als ich sie aufforderte, sich ein bisschen nach vorn zu beugen, schaffte sie es nicht. Ihre Bauchmuskeln schienen wie abgeschaltet. Auch die Zunge war schwer, meine Mutter lallte sogar ein bisschen.
Wie konnte das sein? Meine Mutter hatte während ihrer OP im Krankenhaus doch lediglich eine kleine Dosis Betablocker verabreicht bekommen? Wurden meiner Mutter im Sanatorium Liebhartstal Neuroleptika gegeben?

Ich kann mich nicht g´scheit rühren. Mama

Bei einem Besuch im Sanatorium ließ ich mir den Medikamentenplan meiner Mutter ausdrucken, eine Pflegeschwester gab ihn mir. Neuroleptika oder andere Psychopharmaka fand ich keine. Ich sah neben hohen Dosen Analgetika jedoch eine neue Medikation – ein Herzmedikament, welches meine Mutter noch nie bekommen hatte: Amlodipin 5 mg.

Amlodipin ist ein sogenannter Calciumantagonist. Dieses Präparat verhindert den Einstrom von Kalzium in die Zelle. Kalzium regt eine Zelle an. Indem man Kalzium aussperrt, soll einem Herzinfarkt aufgrund von Übererregung vorgebeugt werden. Meine Mutter war jedoch keinesfalls Infarkt-gefährdet. Im Gegenteil, sie hatte noch wenige Monate zuvor Medikamente der Firma Merck verabreicht bekommen, die den Ausstrom von Kalzium blockieren. Der Kalziumgehalt in ihren Zellen war in einem Krankenhaus über Monate erhöht worden, mit dem Ziel, einen Herzstillstand zu verhindern. Meine Mutter war von diesem Medikament lahm und dement geworden. Nun bekam sie ein Medikament mit der gegenteiligen Wirkung.

Mir wurde entsetzt bewusst: Meine Mutter wurde im Sanatorium Liebhartstal medikamentös angekettet an ihr Bett.

Durch die Blockade von Kalzium wurden ihre Muskeln im ganzen Körper gelähmt. Niemals hätte sie alleine aufstehen können, geschweige denn umhergehen. Die Ärzte des Sanatorium Liebhartstal nahmen eher einen Herzstillstand in Kauf, als einen weiteren Sturz meiner Mutter.

Ebenso könnten sie ihre Patienten anbinden oder hinter Gitterstäbe sperren. Doch dies würde die Angehörigen stören. Also erledigen die Ärzte des Sanatorium Liebhartstal das Anketten mit Herzmedikamenten. Denn wer kennt sich schon so genau aus mit Pharmazeutika und ihren Wirkungen?

Opioide

Täglich wurden meiner Mutter gelb-weiße Kapseln in den Mund gestopft vom Pflegepersonal, morgens und abends. Hydal hieß das Medikament, ein starkes Schmerzmittel. Häufige Nebenwirkungen von Hydal sind Verwirrtheit, Schwindel und ausgetrocknete Schleimhäute.

Alle zwei Stunden rief ich meine Mutter an: Mama, trink Tee! Mama, nimm Umckaloabo, du darfst dich nicht erkälten. Mama, trink Wasser, hast du noch was zu trinken? Mama, wo ist dein Petersiliensaft gegen Erkältung? Wo ist dein Umckaloabo? Kannst du dir Vitamin C Brausepulver in den Tee geben? Mama, du hustest! Du darfst dich nicht erkälten! Hast du deinen Tee schon ausgetrunken? Wo ist die Flasche mit dem Kombucha? Wo ist die Flasche mit dem Umckaloabo? Bitte dreißig Tropfen in den Tee! Mama, du bist erkältet, du brauchst jetzt dein Vitamin C Brausepulver. Wo ist denn das schon wieder?

Meine Mutter sagte dem Pfleger Bescheid: Ich will Hydal nicht mehr nehmen. Der Pfleger sagte ich werde es dem Arzt ausrichten. Am nächsten Morgen stopfte eine Schwester meiner Mutter Hydal erneut in den Mund. Der Arzt hat es so angeordnet.

Lass dir nichts mehr in den Mund stopfen, Mama! schimpfte ich. Verweigere die Einnahme von Hydal. Das ist die gelb-weiße Kapsel! Sag dem Pfleger, er darf dir keine Medikamente mehr in den Mund schieben, ohne dir vorher zu sagen, was es ist.
Hoffnungslos waren meine Bemühungen. Jeden Morgen und jeden Abend kam eine andere Schwester oder ein anderer Pfleger, der oder die ohne jedes Nachdenken meiner Mutter alles hineinstopften in ihren morgendlich verschlafenen Mund, was der Primar des Hauses angeordnet hatte.
Da meine Mutter von den Opioiden schwere Störungen des Kurzzeitgedächtnisses entwickelte, vergaß sie sofort darauf, dass man ihr schon wieder therapeutisch überflüssiges Gift systemisch verabreicht hatte.

Ich lasse mir nichts mehr in den Mund stopfen! Mama

Läute einer Schwester, Mama! Sag ihr, dass du Hydal nicht mehr nehmen willst, sie soll es an den Arzt weitergeben.
Meine Mama versuchte es. Sie sagte es der Pflegeschwester. Keine Angst, ich lasse mir nichts mehr in den Mund stopfen! versprach meine Mama.

Die Schwester soll sich die Drogen selbst in den Mund stopfen, dann merkt sie, was das ist, schimpfte ich.

Formanek Hausverbot

Der Pfleger kam. Er brachte neue Medikamente. Ich sprach ihn an auf das Medikament Amlodipin. Ich sagte ihm, dass es meine Mutter lähmt. Dass sie es nicht bekommen sollte. Darüber müssen Sie mit dem Primar Formanek sprechen, entschuldigte sich der Pfleger. Mit dem Primar brauche ich nicht sprechen, erwiderte ich, er nimmt kein Wort ernst von dem, was ich ihm sage. Sagen SIE es ihm.

Zusätzlich schrieb ich dem Pfleger eine Liste von orthomolekularen Wirkstoffen auf, in Verbindung mit CBD, welche als Schmerztherapie für meine Mutter stets gut gewirkt hatten – als nebenwirkungsarmen, natürlichen Ersatz für die organschädigenden Schmerzmittel und Opioide mit denen meine Mutter täglich vollgepumpt wurde.

Besuchsverbot! Herwig Formanek, Dieter Formanek

Am darauffolgenden Tag erhielt ich eine E-Mail mit dem Absender Formanek Herwig:

Namens der Geschäftsführung und der ärztlichen Leitung des Sanatorium Liebhartstal teilen wir Ihnen bis auf weiteres ein Besuchsverbot bei Ihrer Mutter mit.

Dr. Dieter Formanek                                                     Herwig Formanek          

Für die ärztliche Leitung                                              Für die Geschäftsführung

Ich bat schriftlich um eine Begründung. Nie wurde sie mir gegeben. Stattdessen kam eine weitere E-Mail:

Ich darf bezüglich einer Rückantwort mitteilen, dass Ihnen unsere Rechtsanwälte demnächst Diese übermitteln werden.

Hochachtungsvoll

Herwig Formanek

Medizinische Zwangsmaßnahmen

Meiner Mutter waren ihre Medikamente nie erklärt worden. Nie war sie darüber aufgeklärt worden, welche Substanzen ihr verabreicht wurden, und welche Nebenwirkungen sie dadurch zu erwarten hatte.

Ich holte dieses Versäumnis nach. Ich ging mit ihr den Medikamentenplan durch. Gemeinsam besprachen wir die Wirkung aller Pillen, auch ob diese überhaupt notwendig seien. Infolge verweigerte meine Mutter fortan das Medikament Amlodipin. Sie klaubte die kleine, beschriftete Tablette aus ihrem Medikamentenbeutel heraus, der ihr jeden Morgen auf den Nachttisch gelegt wurde.

Schnell ging es ihr besser. Die Stimme wurde klar, die Konzentration besserte sich. Ihr Bewegungsdrang kehrte zurück. Endlich konnte sie sich wieder selbstständig aufrichten im Bett. Doch eines Morgens wurden ihr keine Medikamentenbeutel mehr gebracht. Sie bekam alle Pillen von einer Pflegeschwester in den Mund gestopft, so drückte es meine Mutter selbst aus – über die Inhaltsstoffe hatte sie keine Kenntnis mehr. Neue Medikamente wurden ihr verschrieben. Sie versank in Konfusion. Immer wieder fragte sie nach dem Medikamentenplan. Sie wollte ihn mit mir besprechen. Doch sie bekam ihn nicht. Man könne den Plan nicht kopieren, behauptete die Pflegeschwester.

Meine Mutter hatte keine Chance, gesund zu werden. Immer weiter versank sie in Konfusion, Verwirrtheit und körperlicher Schwäche. Immer hilfloser wurde sie. An dem Tag, an dem ich diesen Absatz schrieb, schaffte sie gar nicht mehr, ihr Telefon zu bedienen.

Unterschlagung von Post

Damit ihr Körper heilen konnte, brauchte meine Mutter hochwertige Proteine. Ich besorgte frisches Kolostrum von der Heumilchkuh, von einem Salzburger Biobauern. Um diese Milch zu bekommen, fuhr ich 50 Kilometer weit. Das Kolostrum verarbeitete ich, in zwei Geschmacksvarianten als süße Vanillesoße mit frischer Vanilleschote, und als Alpenkräutersoße mit sieben verschiedenen Bergwiesenkräutern.
Die zwei Soßen füllte ich in Fläschchen. Ich verpackte sie sorgfältig. Beide Fläschchen schickte ich gut verschlossen im privat adressierten Kuvert per Overnight-Kurier mit der Post. Alleine der Versand kostete 10 Euro.

Am Folgetag wurde das Päckchen zugestellt um 8:20 bei der Rezeption des Sanatorium Liebhartstal. Üblicherweise bekommt meine Mutter ihre Post von der Rezeptionistin gebracht. Nicht an diesem Tag. Sie bekam zwar Zeitungen und auch ein anderes Päckchen, nicht aber meine zwei Fläschchen.

Das Päckchen war zu Mittag noch immer nicht da, meine Mutter fragte Pfleger Enrico danach. Er wusste, was mit der Milch passiert war. Die private Post für meine Mutter mit meinem Absender war an der Rezeption geöffnet worden.
Enrico hatte die Flaschen ausgeleert. Dr. Wolf Formanek hatte es so angeordnet. Als meine Mutter ihr Päckchen suchte, war ihre wertvolle Naturmedizin bereits vernichtet.

Ich rief an in der Rezeption vom Sanatorium Liebhartstal, ließ mich verbinden mit Wolf Formanek. Warum haben Sie die Post meiner Mutter geöffnet und den Inhalt der Flaschen vernichtet?
Am Boden der einen Flasche sei schwarzer Bodensatz gewesen, schimpfte Wolf Formanek. Mit schriller Stimme jammerte er, nicht gewusst habe er, was das ist.

Sie hätten meine Mutter fragen können, was das ist. Ausdrücke verkniff ich mir. Das war echte Madagaskar-Vanille, 12 Euro pro Schote!
Wolf Formanek brach das Gespräch ab.

Vergiftetes Getränk?

Wutentbrannt schrieb ich oben stehendes Kapitel. Den Link darauf schickte ich an die Geschäftsführung des Sanatoriums. Ein weiteres Kapitel aus dem Sanatorium der Schande.
Etwa zwei Stunden später telefonierte ich mit meiner Mutter. Sie tröstete mich. Ärgere dich nicht so.
Wie vertrottelt musste man sein, Vanille nicht zu erkennen … Ich fragte meine Mutter, ob sie genug zu trinken habe. Sie habe ein komisches, dunkles Getränk bekommen, erzählte sie. Fruchtig würde es schmecken. Noch während sie trank, veränderte sich ihre Stimme. Sie wurde verwirrt, kannte sich nicht mehr aus. Hatte man ihr ein vergiftetes Gebräu gegeben? Hatte die dunkle Farbe meiner Vanille für Wolf Formanek andere Bedeutung gehabt, als leckeres und gesundes Aroma? War „schwarz“ im Sanatoriums-Code das allbekannte Signal für „Gift“? Was trank meine Mutter hier?

Für den Rest des Tages schien meine Mutter orientierungslos zu sein. Sie verwechselte Aufenthaltsorte, vergaß Gespräche, konnte ihr Telefon nicht mehr richtig bedienen.

Am Folgetag kam Wolf Formanek zu meiner Mutter. Er entschuldigte sich für die Ungeschicklichkeit von seinem Pfleger Enrico, die Milch weggeschüttet zu haben. Nie wieder werde so etwas vorkommen, versprach er.

Ich schrieb an Herwig Formanek eine E-Mail: Ersetzen Sie meiner Mutter den Wert der Sendung, forderte ich, zweiundfünfzig Euro bar für meine Mutter, einschließlich Versandgebühren. Nie bekam sie das Geld ausgehändigt. Nie bekam ich eine Antwort.

Fantasieflucht

Ich hatte Besuchsverbot. Meine Mutter rief mich an.
Komm mich besuchen morgen! wünschte sie sich.

Ich kann nicht! Das Sanatorium Liebhartstal hat mir Besuchsverbot gegeben, versuchte ich meiner Mutter deutlich zu machen. Sie verstand nicht. Jegliche geistige Orientierung war medikamentös lahm gelegt worden.

Ich bin doch nicht kaserniert hier? Mama

Aber wir müssen uns doch nicht hier treffen, glaubte sie. Wir können in ein Café gehen, oder in ein Restaurant. Wie sie dahin kommen wolle, fragte ich. In einem Taxi, ich gehe zu einem Taxistand. Mama, du kannst nicht gehen. Und selbst wenn du es schaffen würdest, ein paar Schrittchen zu machen, könntest du niemals in ein Taxi steigen. Aber ja, das schaffe ich schon. Wie willst du das Taxi bezahlen? Du hast kein Geld. Dann hebe ich welches ab. Wo und womit? Mit meiner Kontokarte, beim Bankomat. Du hast keine Kontokarte mehr, deine Erwachsenenvertreterin hat sie dir weggenommen. Aber ich habe doch ein Konto? Ja, da ist auch Geld drauf. Aber du kommst an dein Geld nicht mehr heran. Dann komm doch morgen. Ich kann nicht, ich habe Besuchsverbot. Die Formanek-Mafia ruft die Polizei und lässt mich abführen, falls ich dich besuche.
Aber ich bin doch nicht kaserniert hier? Doch, bist du. Du bist in den Fängen einer brutalen habgierigen Pflege-Mafia gefangen, du kommst da nie mehr heraus. Wir können uns doch in einem Café treffen, oder einem Restaurant? Du kannst nicht gehen, Mama, du bekommst Medikamente, die dich lähmen. Aber ja, ein paar Schritte gehen schon. Selbst wenn du ein paar Schrittchen gehen könntest, würden sie dich nicht raus lassen. Na geh!
Mama, du bekommst Medikamente, die dich ganz konfus machen. Du verstehst das Problem nicht. Aber wir können uns doch treffen? Nein, können wir nicht.
Geh komm, besuch mich morgen! Vielleicht können wir uns morgen vormittag nochmal treffen …
Ja, gut.
Morgen ist Feiertag. Rufen wir uns morgen vormittag nochmal an und machen wir uns etwas aus.
Ja, das machen wir.
Vielleicht können wir in den Stephansdom gehen zur Messe.
Ja, das ist eine gute Idee!
Gute Nacht, Schatzerl, schlaf gut.
Gute Nacht, bis morgen, Mami! Freu mich schon!

Böswillige Schikane

Meine Mutter durfte ich zwar nicht mehr besuchen. Doch telefonieren konnten wir immer noch miteinander. Es passierte fast nichts mehr in ihrem Leben. Sie konnte sich wegen der täglich verabreichten, schädlichen Medikamente ja kaum noch bewegen. Interessant waren für sie neben dem Wetter, welches sie durch das Fenster beobachtete, nur noch die Menüs im Speiseplan.

Wir sprachen über ihr Essen. Sie bekam nun jeden Tag Gluten hältige Speisen serviert: Nudeln, Weißbrot, Auflauf, Bisquit. Es dauerte nicht lange, da klang sie am Telefon so verwirrt und krank, als sei sie sturzbesoffen. Sie war nun auch nicht mehr in der Lage, telefonisch Wünsche zu äußern, oder um ihre Verlegung zu bitten. Das war für sie einfach zu kompliziert geworden.

Psychischer Druck

Wenn Sie gehen, können Sie nie wieder zurück!
Dieter Formanek

Meine Mutter wollte gerne nach Hause in ihre Wohnung in Salzburg kommen. Wenn es ihr dort nicht gut gehen würde, könne sie ja wieder zurückkommen, glaubte sie. Zumindest vorübergehend wollte sie das Sanatorium Liebhartstal verlassen.
Wenn Sie gehen, können Sie nie wieder zurück. Primarius Dieter Formanek manipulierte meine Mutter. Er machte ihr Angst, vorsätzlich, um sie zum Bleiben zu drängen. Ängstlich erzählte mir meine Mutter davon, traurig war sie über das harsche Ultimatum.

Lug und Trug

Ihre Mutter kann nach Hause, wenn Sie das gerne möchte, stellte eine Salzburger Anwältin fest. Sie muss nur gegenüber ihrer Erwachsenenvertreterin ihren Willen deutlich machen. Meine Mutter sagte Primar Dieter Formanek, dass sie nach Hause will. Er log sie an. Sie können nicht nach Hause, behauptete er.
Aufgrund der Corona-Richtlinien müsse sie in Wien bleiben, denn sie könne das Bundesland nicht verlassen. Das war barer Unsinn, meine Mutter hätte jederzeit von Wien nach Salzburg in ihre Wohnung gebracht werden können. Doch sie glaubte die Lügen und blieb gehorsam im Pflegeheim.

Nachdem sie die Tricks des Primar Dieter Formanek durchschaut hatte, plante meine Mutter mit mir ihre Heimkehr. Wir besprachen uns ausführlich: Meine Mutter verlangte beim Pfleger Leister ihre Revers-Papiere.
Den Arzt wollte sie sprechen, um sich entlassen zu lassen. Ein eigens Taxi für medizinische Transporte bestellte ich, um sie nach Hause zu bringen. Sie sollte von Haustüre zu Haustüre sicher gefahren werden, nach dem Mittagessen. Die Taxifahrerin würde ihre Sachen packen und sie persönlich nach Hause fahren, wurde vereinbart. Doch dieser Ort der Hölle auf Erden namens Sanatorium Liebhartstal verständige meinen geisteskranken und gewalttätigen Bruder. Er kam gegen zwölf Uhr, plötzlich war das Handy meiner Mutter aus. Ich rief die Polizei – Gefahr auf gewaltsamen Freiheitsentzug. Meine Mutter war nicht mehr erreichbar, weder über das Pflegepersonal noch über die Rezeption.
Als die Taxifahrerin ankam, waren die Polizisten schon da. Mein Bruder belog sie. Ich sei angeblich nicht die Tochter meiner Mutter, es gebe eine einstweilige Verfügung vom Gericht, dass meine Mutter das Sanatorium nicht verlassen dürfe …
Ein Polizist sprach kurz mit mir von der Polizeiinspektion Wien Maroltinger Gasse. Angeblich habe er meine Mutter befragt, angeblich wolle sie in Wien bleiben, behauptete er.
Ich versuchte, deutlich zu machen, dass mein Bruder geisteskrank und gewalttätig ist. Dass er meine Mutter sediert und unter Druck gesetzt haben musste, um von ihr diese Aussage zu erzwingen. Dass man meine Mutter schützen musste vor ihrem eigenen Sohn.
Der Polizist brach das Gespräch ab.

Das Handy meiner Mutter wurde nicht mehr aktiviert. Das Sanatorium nahm meine Anrufe nicht an, ließ mich stundenlang warten in der Walzerschleife. Erst am späten Nachmittag des Folgetages konnte ich wieder sprechen mit meiner Mutter. Wollte das Sanatorium Liebhartstal vor mir verheimlichen, dass meine Mutter sediert worden war und nicht ansprechbar war deswegen?

Dieser Ort mitten in Wien ist grauenvoll, geleitet von heimtückischen Menschen, die zerfressen sind von Habgier und Hass.

Immer noch ist meine Mutter untergebracht im Sanatorium Liebhartstal, wohin sie niemals gebracht werden wollte. Ihre geliebte Wohnung verschwindet immer mehr in ihrer Erinnerung. Immer öfter fragt sie, ob man von ihrem Balkon aus den Garten sieht oder den Parkplatz. Manchmal verwechselt sie ihre Adressen, dann glaubt sie, ihr Zuhause sei in einer anderen Stadt.

Immer noch kämpfe ich darum, dass meine Mama endlich wieder nach Hause kommen kann. Unter meiner Betreuung könnte sie wieder ganz gesund werden. Doch dieser Wunsch wird zunehmend unerfüllbarer wegen Habgier und Bosheit von rückständigen österreichischen Machtmenschen, die Hass und Zerwürfnis streuen, während sie gleichzeitig Gesundheit, Vertrauen und Nähe zerstören.

130 : 70 mmHg

Meine Mutter war gestürzt im Sanatorium Liebhartstal bei einem Blutdruck von 120 : 80 mmHg vor Einnahme von Betablockern. Sie hatte schwere Nebenwirkungen bekommen von diesen Medikamenten – psychische wie auch körperliche. Dennoch wurde sie weiterhin mit zu hoch dosierten Betablockern behandelt. Ihr Blutdruck wurde gesenkt auf 120 : 70 und stärker. Einige Stunden nach der Einnahme der Betablocker regulierte sich der systolische Wert bei meiner Mutter etwas nach oben. Wenn man ihren Blutdruck nach dem Mittagessen prüfte bei teilweise für sie unverträglicher Nahrung, lag er bei 130 : 70 mmHg.

DER BLUTDRUCK IST ZU NIEDRIG mahnte ich immer wieder. Immer wieder versuchte ich darauf aufmerksam zu machen, dass man den Blutdruck einer alten Dame nicht so stark senken darf, um Durchblutungsstörungen zu vermeiden. Sie bekam zunehmend Demenzzustände wegen Unterversorgung der kleinen Blutgefäße im Gehirn.
Doch weiterhin wurde meine Mutter vollgepumpt mit Betablockern im Sanatorium Liebhartstal. Wochenlang lag ihr Blutdruck nach der Einnahme der Betablocker bei 110 : 70 mmHg, nachmittags dann bei 130 : 70 mmHg. Meine Mutter verlor ihre Erinnerungen. Immer mehr Gehirnareale schienen wie ausgelöscht. Bald wusste sie nicht mehr, wie ihre Eigentumswohnung in Salzburg aussah. Sie nannte ihren Mädchennamen als Familiennamen, sie vergaß auch den Namen von meinem langjährigen besten Freund.

Das angebliche „dementielle Abbausyndrom“, das ein Salzburger Psychiater meiner Mutter Monate zuvor angedichtet hatte unter Vernachlässigung von neurotoxischer Medikation, wurde nun medikamentös erzeugt im Sanatorium Liebhartstal durch zu hoch dosierte Betablocker, überflüssige Protonenpumpenhemmer, süchtig machende Schlafmittel, Analgetika und wahrscheinlich auch Digitaloide versteckt in ihrer Nahrung.
Handelt es sich bei der Vernichtung meiner Mutter durch Medikamente um einen Fall von Korruption? Nimmt das Sanatorium Liebhartstal Geld dafür, meine Mutter dement zu machen und hilflos fern zu halten von ihrer Heimat, um die neurotoxische Medikation eines schlechten Salzburger Krankenhauses zu vertuschen?

Bewertung vom Sanatorium Liebhartstal

Das Sanatorium Liebhartstal ist aus meiner Erfahrung ein kommerzieller Privatparkplatz für alte Menschen, die nie wieder gesund werden können. Nicht, weil ihr Körper nicht mehr heilen könnte. Vielmehr, weil ihnen unentwegt neue Pharmazeutika verschrieben werden, die durch immer neue Nebenwirkungen immer schwerere Krankheitssymptome entstehen lassen. So lassen sie immer mehr Pflege nötig erscheinen. Physiotherapeutische Angebote hingegen gibt es kaum.

Die Leitung des Hauses will scheinbar keinen Patienten gesund entlassen. Ihre Schützlinge werden täglich immer weiter an die Pflege gekettet. Alles, was für sie gesund wäre, wird ihnen genommen – einschließlich die Sozialkontakte zu ihren liebsten Angehörigen. Meine Bewertung für dieses Haus: Das Sanatorium Liebhartstal ist eine Pflege-Hölle mitten in der Stadt Wien, sein Angebot ist durchsetzt von teuflischer Habgier.

Aus eigener Erfahrung empfehle ich: Geben Sie niemals Ihre Angehörigen in ein Pflegeheim!

18 Kommentare
  • Private Betreiber von einem Pflegeheim haben nicht Pflege von alten Leuten als Ziel, sondern Gewinnmaximierung. Ältere Menschen sind hilflos. Sie sind eine bequeme Einnahmequelle. Gewinn wird erzielt, wenn man weniger ausgibt als einnimmt. Die Heimkosten werden immer teurer und die Angebote immer billiger. Eine fair bezahlte Pflegekraft aus den Nachbarländern in der gewohnten Umgebung ist der gesündere Weg in der Altenpflege! Sie kostet auch weniger als ein Heim. Beschäftigen Sie die Pflegekraft privat, so verdient kein Mittelsmann und das ganze Geld geht in die Pflege.

  • Es tut mir wirklich sehr leid das sie nichts erreichen können. Es ist sehr schwierig mit Polizisten zu reden … Ich hoffe und wünsche das sie ihre Mama doch noch irgendwie nach Hause holen können!
    Wünsch ihnen von Herzen alles Gute

  • Mein Feedback: Österreich hat super Heime. Privat in Wien ist nie gut. Krankenhaus oder Pflegeheim, wenn privat, dann hohe Kosten und niedrige Angebote. Schauen Sie sich die Bewertungen an. Ich kann die Park Residenz Döbling empfehlen. Preise sind super, wohnen im eigenen Appartement und nicht im Mehrbettzimmer.

  • Wenn Pflege nicht aus EU kommt sondern aus Türkei und Thailand können Heimleiter Geld sparen. Die Österreicher machen dort Urlaub. Die jungen Leute werden dann weggeschickt in reiche Länder um Familien Geld zu bringen. Sie haben Angst über die Wahrheit zu sprechen. Den Arbeitsplatz wollen sie nicht verlieren. Damit sie bleiben dürfen in Österreich brauchen sie Nachweise. Das macht sie erpressbar. Romantisch am Pflegeberuf ist gar nichts. An jeder Minute Arbeitszeit wird gespart. Sonderwünsche sind verboten. In jedem Pflegeheim wird Arbeitskraft rationalisiert bis zur Menschenrechtsverletzung. Private Pflege ohne Pflegedienst und ohne Heim ist viel besser. Da verdient nur die Pflegekraft Geld für ihre Arbeit ohne Zeitdruck. Eine Pflegekraft für einen Menschen anstatt eine Pflegekraft für 50 Menschen ist richtig. So war es früher, als man die alten Leute noch nicht weggegeben hat.

  • Gauner hoch Drei. Es wäre wirklich gut, wenn die eine oder andere Bösartigkeit ans Licht kommt und ab und zu das Gute siegt. Das wäre Balsam für die Seele in diesen tristen Zeiten. Halten Sie uns auf dem Laufenden. Bitte keine Todesanzeige.

  • Wie man auf ein Sanatorium kommt, verstehe ich auch nicht.
    In einem großen Teil der Haushalte ist es unproblematisch, dass die zu pflegende Person in ihrem gewohnten Umfeld bleibt. Ein Heim ist da kein ebenbürtiger Ersatz. Bzgl. Personal sind sie aber nicht sehr optimistisch.
    Davon abgesehen: Uns fehlt noch immer ein Konzept für den Pflegeberuf. Finanziell sowieso, aber auch emotional.

  • Private Altenheime sind ein lukratives Gechschäft. Unterbringung ist nur die eine Einnahme. Medikamente kommen dazu, Therapie, Sonderkost und natürlich auch die Beerdigung. Da verdienen viele Altenheime mit, wenn die Bewohner sterben. Tod oder lebendig – egal, die Pflegeheime kassieren.

  • Was ist los mit der Erwachsenenvertreterin von Ihrer Mutter? Können Sie bei Gericht nicht vortragen, was Ihrer Mutter angetan wird? Ich bin keine Rechsanwältin, aber ich kenne mich schon ein bisschen aus mit dem Thema. Sie sind als Angehörige nicht entscheidungsbefugt, aber Sie könnten versuchen, das zuständige Gericht zu überzeugen mit wahrheitsgemäßen Schilderungen. Drucken Sie Ihren Artikel aus und schicken Sie ihn an das Gericht!

  • Liebe Autorin!
    Die von Ihnen geschilderten Verhältnisse sind unüblich für Wiener Pflegeheime! Ich habe Ihren Bericht weiter geleitet an die Ärztekammer!
    Alles Gute für Sie und Ihre Mutter!
    Mit hoffnungsvollen Grüßen, Ihr
    Dr. Hofmann

  • kümmer sie sich um ihre mutter statt sinnlos herumzubloggen !!! warum lebt sie nicht bei ihnen ??? alte kranke abschieben und wichtig tun – artikel die das netz nicht braucht !!!

    • Nichts würde ich lieber tun, als meine Mutter zu Hause pflegen. Doch ein österreichischer Provinzrichter lässt mich nicht. Ich bin Gesundheitsbloggerin, ich kenne mich aus mit Vitaminen. Der Richter hat Angst, ich könnte Ärzten ihre Arbeit wegnehmen und Pharmakonzerne arm machen, indem ich meine Mutter kuriere mit Petersilie und Kokosöl.

  • die gesellschaft wird nichts gegen medikamentenmissbrauch tun… alte menschen abschieben und ruhig stellen ist bequem. sobald man sie heraus reißt aus dem familiären Umfeld zerstört man gesunden transfer von wissen und erfahrung über generationen. junge menschen bleiben dumm, alte menschen werden dumm. die gründe sind gesellschaftlich bedingt!

    • Es geht nur um Geld und Macht in dieser Gesellschaft, nicht um Fürsorge oder Familie. Korruption wuchert bis in die hintersten Winkel der Krankenhauslandschaft. Österreich ist kein Land, in dem ich alt werden möchte.

  • Geben Sie Angehörige niemals in ein Heim mit privatem ausschließlich gewinnorientiertem Träger. Medikamentenmissbrauch ist vorprogrammiert denn Vitamine bringen kein Geld. Kennen Sie den Pflegebericht Ihrer Mutter? Wurden ihr weitere Pharmazeutika wie Beruhigungsmittel oder sogar Neuroleptika verabreicht? In den meisten Pflegeheimen liegt das an der Tagesordnung. Nehmen Sie Einsicht in ihre Akte – als Angehörige haben Sie das Recht dazu.

    • Das Sanatorium Liebhartstal gibt mir nur das Recht, stundenlang in der Warteschleife vom Rezeptionstelefon zu verharren, um dann Nachrichten an die Ärzte auszurichten zu lassen, welche nicht weiter gegeben werden.
      Ich habe mittlerweile drei Anwälte kontaktiert in Wien.

  • In unserem Pflegeheim ist Vitamin D ein MUSS. 4000 I.E. in Tropfen geben wir pro Tag. Das kostet pro Person ungefähr 10 Euro im Jahr. Die Knochen werden sonst spröde. Was sind das für Ärzte, die alten Menschen kein Vitamin D geben?? Noch dazu bei Corona-Alarm!! Eine Supplementation schützt hochwahrscheinlich vor einem Schweren Verlauf bei Covid-19. Die meisten schwer Kranken haben Vitamin D Mangel. Dazu gibt es schon viele Studien.
    Es gibt eine Israelische Studie, bei der Daten von 500.000 Probanden ausgewertet wurden. Dabei ergab sich im Schnitt die halbe Ansteckungsgefahr mit genügendem Vitamin-D Spiegel.
    https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.09.04.20188268v1

    • Als meine Mutter noch im Krankenhaus war, bekam sie 30 000 Einheiten pro Woche verordnet von der dortigen Internistin. Denn Vitamin D Mangel fördert auch Demenz. Der Primar (ärztlicher Leiter) des Sanatorium Liebhartstal jedoch ist Bruder des Geschäftsführers. Er profitiert von jedem Tag, den meine Mutter im Zustand von Schwäche und Vergesslichkeit in seinem Haus verharrt. Warum sollte er Vitamin D verordnen? Meine Mutter könnte davon gesund werden …

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