Wintercamping im Zelt – was muss ich beachten?

Bei minus zehn Grad Celsius im Zelt gemütlich wohnen

Es geschah im November 2023, wenige Wochen vor Weihnachten. Unerwartet fielen die Temperaturen in Deutschland auf – 10 Grad Celsius. Ich lebte im Zelt als Flüchtling vor Elektrosmog und Umweltgiften. Wunderschön war mein Leben mitten in der Natur, umgeben von Bäumen und Wasser. Doch der Wetterbericht machte mir Angst. Ich blieb im Zelt, alleine schon aus Neugier. Was würde passeren, sobald klirrende Kälte über meine dünnwandige Behausung kommen würde? Lesen Sie meine Beobachtungen – so schützte ich mich im Zelt vor Kälte und Frost.

Ein möglichst großes Zelt wählen

Sobald die Umgebung kühl wird, kondensiert im Zelt die Feuchtigkeit der Atemluft auf glatten Oberflächen. Bei Frost vereist die Zeltplane dann von innen. Falls man ein zu kleines Zelt wählt bei kalten Temperaturen, wird alles klatschnass durch den eigenen Atem. Hilfreich sind warme Naturstoffe wie Wolle, die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Doch nicht einmal die schützen vor Nässe und Innenfrost, wenn man ein zu kleines Zeltvolumen hat.

Für Halt sorgen

Sobald es schneit, wird Ihr Zelt zusammen gedrückt von der Schneelast. Achten Sie auf Elastizität, Stabilität und ggf. eine extra Stütze. Putzen Sie Ihr Zelt regelmäßig ab vom Schnee. Ein kleiner Besen ist dafür sehr praktisch.

Wintercamping mit Zelt? Denken Sie an die Last vom Neuschnee. Auch in der Nacht.

Naturfasern als Isolierung

Unter die Zeltplane legte ich eine Isodecke, um dem Einfrieren der Zeltplane vom Innenzelt vorzubeugen. Zwischen Isodecke und Zeltplane packte ich noch etwas Heu. Das machte den Zeltboden gemütlich weich. Um mich in der Nacht gegen Frost vom Boden zu schützen, baute ich eine mehrlagige Matratze aus Schafwolle. Die hielt jede Kälte ab.

Lesen Sie dazu auch meinen Artikel Ein Bett aus Wolle.

Mehrere Zelte ineinander verschachteln

Eiswolken bilden sich am Aussenzelt, während das Wohnzelt trocken und eisfrei bleibt.

Mein Zelt hatte eine Aussenplane, die ein inneres Wohnzelt überdachte. Es war ungemein hilfreich, dass die Wand vom Wohnzelt nicht direkt in Kontakt kam mit dem Frost. So konnte zwischen äußerer und innerer Haut ein Wärmepolster entstehen. Während die Aussenplane auch innen vereiste, blieb die Innenwand eisfrei. Wäre mein Zelt groß genug gewesen, hätte ich mir innerhalb vom Wohnzelt noch eine Schlafkoje gebaut. Dann hätte ich drei Hüllen gehabt zum Schutz vor Kälte. In so einer dritten Nische hätte ich nicht einmal mehr eine Heizung gebraucht. Denn dann wäre mein Körper warm genug gewesen für angenehme Schlaftemperaturen.

Lagen Decken verwenden

Je mehr Schichten man übereinander legt in unterschiedlichen Qualitäten, desto wärmer bleibt der Körper in der Nacht. Ich kombinierte einen Hüttenschlafsack aus Baumwolle mit einem klassischen Schlafsack mit Reissverschluss. Darüber legte ich eine Daunendecke mit Wollbezug. So wurde mir nicht kalt, weder mit – noch ohne Heizung.

Nachttopf nicht vergessen

Fundstück vom Flohmarkt. Antiker Emaille-Nachttopf als Toilette und Spucknapf beim Wintercamping.

Wenn Sie regelmäßig in der Nacht “rausmüssen”, sollten Sie ein Gefäß griffbereit haben. Denn sobald Sie Ihr Zelt öffnen, um bei heftigen Minusgraden in den Schnee zu pinkeln, kühlt Ihr Zelt aus in Sekundenschnelle. Ich habe auf einem Flohmarkt eine alte Bettpfanne gefunden, aus Emaille. Die war perfekt, da leicht zu handhaben, mit einem guten Volumen. Auch sehr leicht zu reinigen. Es ist wichtig, dass im Zelt nicht stinkt.

Haube tragen auch in der Nacht

Während der Körper dick eingemummelt im Schlafsack warm bleibt, kühlt der Kopf aus ohne warme Haube. Deshalb unbedingt an eine Kopfbedeckung denken auch für die Nacht, wenn Sie gerne im Zelt bei Minusgraden schlafen möchten.

Einfache Winterboots nutzen

Gemütliche Winterboots mit weicher Sohle helfen beim morgendlichen Sonnengruß im Schnee.

Wenn Sie mit ausgekühlten Gliedern vom Zelt in den Schnee steigen, ist es hilfreich, wenn Sie Schuhe bereitstehen haben, in die Sie leicht hinein- und wieder herausschlüpfen können. Umständliches Nesteln und Schnüren wirken wie ein Hemmschuh im wahrsten Sinne des Wortes. Das hindert Sie vielleicht daran, dieses wundervolle Gefühl am Morgen zu genießen, wenn man sich gut ausgeschlafen im Schnee räkelt.

Einen doppelten Fußabtreter vorbereiten

Sobald man mit Schneeschuhen oder Matschetretern das Zelt betritt, wird im Zelt sofort alles nass und dreckig. Steinchen, Blätter, Erde, alles vermischt sich mit Natur. Deshalb sollte man vor dem Zelt einen guten Fußabstreifer vorbereiten. Den ersten Schritt ins Zelt sollte man auf eine Decke oder ein Handtuch tun, neben dem man seine Zeltpatschen stehen hat. So kann man eine Schmutz-Schleuse einrichten, die man regelmäßig ausschütteln oder durchwaschen kann. Auch das Innenzelt bekommt eine Schmutz-Schleuse sowohl innen als auch aussen, damit besonders der Schlafplatz sauber und steinchenfrei bleibt.

Heizung im Zelt

Ich hatte Glück – bei meinem Zelt gab es einen Stromanschluss. Mit einem Verlängerungskabel konnte ich eine kleine Zeltheizung in meinem Schlafzelt installieren. Leider war es ein Heizlüfter. Der machte eine ganz unangenehm trockene Atemluft. Sollte ich mir eines Tages wieder eine Zeltheizung kaufen, würde ich eine Keramik-Heizung wählen mit Speicherfunktion anstelle eines Heizlüfters.
Doch auch mit Teelichtern konnte ich angenehme Wärme bekommen. Ich stellte die Teelichter in umgekippte Blumentöpfe, mit Abständen und Luftschlitzen zum Boden. So konnte ich einen kleinen Mini-Kachelofen improvisieren. Das ging ganz gut, obwohl ich manchmal ein mulmiges Gefühl hatte wegen des offenen Feuers im Zelt.

Thermosflasche füllen

Heißes Wasser in einer gut isolierten Thermosflasche ist unverzichtbar bei kalten Nächten im Zelt. Ob Sie das Wasser auf einem Gaskocher erhitzen oder mit elektrischem Strom ist nicht wichtig. Hauptsache, Sie füllen die Flasche an, bevor Sie schlafen gehen. Wenn Sie am Morgen mit steifen Gliedern lebendig werden wollen, ist eine erste heiße Tasse Wasser oder Tee ein Lebenselixier.

Getränke nicht in Glasflaschen

Wenn Sie vermeiden wollen, dass Ihr Zelt ertrinkt und Scherben sich in ihrem kleinen Zuhause ansammeln, vermeiden Sie Getränke in Glasflaschen. Selbst dann, wenn kein Frost ins Zelt kommt, haben Sie ständig Angst, die Glasflaschen könnten platzen, sobald Sie unterwegs sind. Frost kommt auch in Autos und unbeheizte Garagen. Erst recht in ein Zelt, sobald kein warmer Körper darin Heizung spielt.

Genügend Wäsche mitbringen

In Frost und Eis wird Wäsche nicht mehr trocken. Die paar Sonnenstunden pro Woche bei Minusgraden reichen nicht aus, um frisch gewaschene oder durchgeschwitzte Wäsche ausreichend frostfrei zu bekommen. Auch Wind wird zum Problem. Sie sollten also genügend Stoff dabei haben zum Wechseln. Den werden Sie auch brauchen, denn in einem kalten Zelt schwitzt man anders. Der Geruch von Bettzeug wird unbeschreiblich nach ein paar Tagen ohne frische Wäsche.

Lebensmittel wegsperren

Sobald Sie in freier Natur campen, müssen Sie vorbereitet sein auf Besuch. Füchse schlüpfen durch jede Ritze in der Zeltplane. Sie knabbern Plastikbeutel auf und ziehen Ihnen Ihre Vorräte aus dem Zelt hinaus, falls diese nicht niet- und nagelfest aufbewahrt sind. Füchse fressen alles – Käse, Schokolade, Beeren, Nüsse, Äpfel … nur Buchweizen wollten sie nicht, der hat ihnen nicht geschmeckt. Waschbären können sogar Reißverschlüsse öffnen von Zelten. Krähen picken alles auf, was sie bekommen können. Auch verwilderte Hauskatzen schauen ab und zu vorbei. Sie können sogar die Zeltwand aufkratzen, wenn sie sehr hungrig sind und leckere Würstchen duften hinter der Plane.

Kamera nicht vergessen

Die Erlebnisse, die Sie im Wintercamp haben, wollen Sie teilen können mit Freunden und Familie. Blanke Bewunderung ist Ihnen gewiss. Niemand kann sich vorstellen, wie schön es ist im Zelt bei Minusgraden, wenn Sie Ihre schönsten Momente nicht herzeigen können durch Fotos.

Ihre Tipps

Welche Ratschläge haben Sie für gemütliches Wintercamping im Zelt? Hatten Sie schöne Erlebnisse, die Sie mit uns teilen können? Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!

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10 Kommentare
    • Liebe Christina,
      vielen Dank für deinen wertvollen Hinweis! Den Link auf die Doku über Eisschwimmer habe ich freigegeben in deinem Kommentar.
      Herzliche Grüße zurück aus Berlin!
      Deine Joanna

  • Hallo! Danke für deinen Erfahrungsbericht. Ich war überrascht, dass es etwas mit “Anti-Aging” zu tun hat. Warum ist das in der Kategorie?

    • Lieber Sven, sehr gute Frage!
      Kälte kann regenerierende und verjüngende Effekte mit sich bringen, weil Kälte das Immunsystem stärkt und die Gefäße geschmeidig hält.
      Denk an Sebastian Kneipp oder an Eisschwimmer.
      Deine Joanna

  • Du hast da aber kein Winterzelt! Die Konstruktion passt gar nicht für extreme Bedingungen. So ein Zelt bekommst du nicht aufgebaut im Schnee. Ein großes Tunnelzelt wie das deine ist anfällig gegen Seitenwind. Für dich ist es ein Basiszelt. Aber da fände ich eben ein Lavvu viel besser. Du kannst einen Zeltofen hineinstellen. Mit dem kannst du kochen und dich wärmen ohne den elektrischen Strom. Damit kannst du auch deine Kleidung trocknen. Über dein Wäscheständer habe ich schon schmunzeln müssen.

    • Lieber Malte,
      von einem Lavvu habe ich noch nie gehört … ein historisches samisches Tipi in moderner Ausführung als Stangenzelt. Toll! Danke für den deinen Tipp! Als ich mein Zelt aufbaute, trug ich noch T-Shirts und Sandalen … Der krasse Wintereinbruch Ende November war mir eine Lehre. Wenn ich wieder einmal für mehrere Wochen in die Natur gehen werde, werde ich mich besser vorbereiten.
      Hast du schon einmal in einem Lavvu gewohnt?
      Deine Joanna

    • Nicht im Lavvu. Im Tipi ja. Ist aber kein großer Unterschied wegen Konstruktion. Sind gute Wohnzelte, für länger. Ich würd eine zweiwandige Ausführung empfehlen wegen Kälte und auch Hitze.

    • Schau, das wär vielleicht was. Ein Hot Tent mit Innenzelt wie ein Lavvu. Ist aber ein einfaches Modell. Kannst vielleicht auch suchen nach Lavvu und Holzofen. Findest du eine Menge.

Chromosome
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